Ermatingen
Das Dorf muss sich nicht nur von einem Gemeinderat, sondern auch von seiner Poststelle verabschieden

Die Jahresrechnung 2020 der Gemeinde Ermatingen schliesst mit einem Plus von rund 1,1 Millionen Franken. Für Gemeinderat Hans-Ulrich Hug ist es die letzte Gemeindeversammlung.

Rahel Haag
Merken
Drucken
Teilen
Der Ermatinger Gemeindepräsident führt durch die Versammlung.

Der Ermatinger Gemeindepräsident führt durch die Versammlung.

Bild: Rahel Haag

1,95 Prozent. So gross war die Beteiligung an der Gemeindeversammlung in Ermatingen am Montagabend. «Ich begrüsse Sie in der fast vollen Halle», scherzte Gemeindepräsident Urs Tobler zu Beginn und erntete einige Lacher. Nur gerade 41 der 2099 stimmberechtigten Ermatingerinnen und Ermatinger waren in die Mehrzweckhalle gekommen.

«Das schöne Wetter und die Öffnung der Restaurants hat wohl viele davon abgehalten, zu kommen.»

Anschliessend präsentierte Gemeinderat Benjamin Kasper die Jahresrechnung 2020. Sie schliesst bei einem Gesamtaufwand von rund 11,8 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von rund 1,1 Millionen Franken. Budgetiert war ein Defizit von knapp 260'000 Franken. Kasper sprach von einem «hervorragenden Resultat». Dieses sei vor allem auf Mehreinnahmen bei den Steuern zurückzuführen. Die Stimmberechtigten genehmigten die Rechnung 2020 einstimmig.

Auch Ermatingen verliert seine Poststelle

Unter dem Traktandum Mitteilungen informierte Tobler darüber, dass die Post AG einen neuen Standort für die Poststelle gefunden habe. Im vierten Quartal dieses Jahres wird sie ihre Dienstleistungen voraussichtlich im Kiosk Ermatingen anbieten. Damit verliert nach Tägerwilen auch Ermatingen seine Poststelle. Tobler sagte dazu:

«Die Post AG hat schon vor rund sechs Jahren das Gespräch mit der Gemeinde gesucht, damals konnte dieser Schritt noch abgewendet werden.»

Doch die Faktenlage sei klar: Die Kundinnen und Kunden am Postschalter in Ermatingen würden stetig weniger. Dafür könnten die Postgeschäfte im Kiosk neu dann auch sonntags abgewickelt werden, fügte Tobler hinzu.

Zwei Flaschen Wein zum Abschied

Zum Schluss folgte noch ein Abschied. Nämlich jener von Gemeinderat Hans-Ulrich Hug, der insgesamt zehn Jahre im Amt war und das Ressort Tiefbau unter sich hatte. Tobler sagte Hug habe Strassen saniert, Brücken gebaut und dem Dorf seinen Stempel aufgedrückt. Und fügte hinzu:

«Nach einer gewissen Zeit habe ich dann auch deinen Humor verstanden. Seither haben wir es sehr gut miteinander.»

Das sorgte für einiges Gelächter unter den Anwesenden. Weiter habe er der Gemeinde als Präsident der Baukommission «die wunderschöne Stedi hingezaubert».