Theaterhaus Thurgau: Ergötzliches und Kummer liegen beim Wahl-Kabarett nahe beieinander

Nach der Wahl ist vor der Wahl – kein Wunder rührte Kabarettist Thomas Götz in seiner «Ergötzliches Wahlen 19»-Ausgabe im Theaterhaus Thurgau am Donnerstagabend schon einmal kräftig die Werbetrommel für zukünftige politische Grosstaten seines Alter Ego Arnold Schnyder.

Christof Lampart
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Thomas Götz im Gespräch mit seinen beiden Gästen, den frisch gewählten Nationalräten Manuel Strupler und Kurt Egger. (Bild: Christof Lampart)

Thomas Götz im Gespräch mit seinen beiden Gästen, den frisch gewählten Nationalräten Manuel Strupler und Kurt Egger. (Bild: Christof Lampart)

Der parteilose Ewig-Kantonsrat Arnold Schnyder (Thomas Götz) hat es wieder einmal geschafft: die Wiederwahl nach Bern. Dass mit ihm auch demnächst zwei Neulinge, nämlich Manuel Strupler (SVP) und Kurt Egger (Grüne) im Bundeshaus politisieren, stört den Narren, welcher das Publikum am Donnerstagabend in Weinfelden begrüsste, mitnichten:

«Gwählt isch gwählt – au wenn’s a de Argument fählt»

hakte er den Urnengang prosaisch ab – nicht ohne jedoch der serbelnden kantonalen FDP noch einen Seitenhieb zu versetzen:

«Die FDP hatte keine gute Wahl: nach zwei Jahr Hess und zwei Jahr Brunner, gibt’s heute nichts mehr als Kummer»
Thomas Götz in seiner Rolle als Narr. (Bild: Christof Lampart)

Thomas Götz in seiner Rolle als Narr. (Bild: Christof Lampart)

kalauert der Narr sich durch die Anfangsminuten, in der auch andere ihr Fett abbekamen: Die CVP feiere es schon als Erfolg, weil sie es geschafft habe, praktisch verlustfrei in ihrem «Langzeittief» zu verharren.

«Wir schaffen gleich mal die Männer ab»

Auch die SVP sei alles andere als «nah bei den Leuten» gewesen, was sie mit ihrem desaströsen «Apfel»-Plakat klar bewiesen habe. Dass «Grün nun das neue Rot» in Bern sei, fand der Kabarettist gut. 25 lange Jahre «im Koma» (seit der Abwahl von Nationalrat Peter Schmid im Jahr 1995) seien genug, um heute wieder «modern» zu wirken.

Thomas Götz in seiner Rolle als Sabina Schnyder. (Bild: Christof Lampart)

Thomas Götz in seiner Rolle als Sabina Schnyder. (Bild: Christof Lampart)

Und die SP? Wo die Gegenwart eher trostlos scheint, machte Arnolds Schwester Sabina Schnyder (SP) für ihre Genossinnen in vier Jahren ein gehöriges Machtpotenzial aus: «In vier Jahren machen wir Frauen im Parlament über 50 Prozent aus – und dann zeigen wir den Männern, wie wir mit Minderheiten umgehen». Und sie wusste auch schon, wo und wie sie dann den Hebel ansetzen möchte: «Wir schaffen gleich mal die Männer in der SP ab».

Ein Binder von der Bank

Kurt Egger und Manuel Strupler dürften bei diesen Worten froh gewesen sein, nicht der SP anzugehören. Im Talk mit Thomas Götz machten beide klar, dass sie erst einmal in Bern ankommen wollten. Strupler gab an, bei der Vereidigung auf edlen Zwirn und nicht aufs Edelweisshemd zurückgreifen zu wollen, und Egger bekannte, dass er von der schnellen Aufmerksamkeit der Lobbyisten überrascht war:

«Schon am Dienstag nach der Wahl hatte ich den Briefkasten voll».

Allerdings seien keine lukrativen Angebote, egal welcher Art, dabei gewesen, versicherte der Grüne trocken, was Strupler augenzwinkernd auftrumpfen liess: bei ihm sei eine neue Krawatte («meine erste») dabei gewesen, «von der TKB».

Parteiübergreifend «Göttis» gewünscht

Einig waren sich beide darin, dass ihrer Wahl nicht nur ein intensiver Wahlkampf, sondern viele Jahre Kärrnerarbeit vorausgegangen seien, bei der es galt, sich ein Beziehungsnetz in Vereinen, Verbänden und Partei aufzubauen. Für die ersten Schritte in Bern wünschte sich Strupler scherzhaft einen Bundeshaus-Götti aus einer anderen Partei und sagt:

«Warum mal nicht auch eine grüne Gotte? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass jemand etwas von seinem Göttikind lernt»

Auch Egger fand die Idee, wie die Neo-Nationalräte in die parlamentarischen Gepflogenheiten eingeführt werden, «reizvoll, denn meine Gotte dürfte wohl einiges jünger sein als ich», so der 64jährige lachend.

«Für mich gibt es nicht nur Ergötzliches»

Thomas Götz geht mit seinem Programm «Ergötzliches» ins achte Jahr. Der Satiriker zum Sinn von Satire, zu Tabuthemen und böse Mail von Menschen ohne Humor.
Interview: Dieter Langhart