Erfahrung hilft dem «Vivala» und dem «Hofacker» in Weinfelden

Die beiden Weinfelder Stiftungen für Menschen mit Beeinträchtigungen setzen auf ihre Pandemiekonzepte. Es gibt Einschränkungen, das Leben soll aber möglichst normal weitergehen.

Mario Testa
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In der «Hofacker»-Werkstätte: Begleiterin Susanne Huber zeigt dem Tagesklienten Elmar Antunes, wie man die Hände effizient wäscht.

In der «Hofacker»-Werkstätte: Begleiterin Susanne Huber zeigt dem Tagesklienten Elmar Antunes, wie man die Hände effizient wäscht.

(Bild: Reto Martin)

Viren sind Viren – und sie verhalten sich auch ähnlich. Dieser Umstand hilft den Sozialinstitutionen in Weinfelden. Zwar ist der aktuelle Corona-Virus für sie eine neue Herausforderung, bereits Erfahrungen gesammelt haben das «Vivala» und der «Hofacker» in der Vergangenheit aber bei Norovirus-Verdacht. «Wir haben deshalb auch ein erprobtes Pandemiekonzept zur Hand. Darüber bin ich froh, so sind wir gut aufgestellt und kennen die Schwachstellen», sagt Dave Siddiqui.

Er ist Geschäftsleiter der Stiftung «Vivala», die etwa 100 Kinder und Erwachsene mit Beeinträchtigungen Schule, Begleitung, Therapie, Beschäftigung und Wohnraum bietet. «Wir haben schon Massnahmen eingeleitet, denn auch uns ist klar, früher oder später findet der Virus auch den Weg zu uns. Wir sind ja keine Insel, unsere Anlage ist durchlässig.»

«Verzögerung gibt uns Zeit, besser vorbereitet zu sein»

Dave Siddiqui, Geschäftsleiter Stiftung Vivala Weinfelden.

Dave Siddiqui, Geschäftsleiter Stiftung Vivala Weinfelden.

(Bild: Mario Testa)

Vorerst beschränken sich die Massnahmen auf die Empfehlungen von Bund und Kanton. An allen Hauseingängen stehen Desinfektionsstationen, gegrüsst wird nicht mehr mit Händeschütteln und alle Besucher müssen sich zwecks Eingangskontrolle zuerst anmelden. «Es sind noch keine extremen Massnahmen. Aber jede Verzögerung gibt uns die Zeit, besser vorbereitet zu sein», sagt Siddiqui.

Bis dato gebe es noch keinen Fall von Corona-Infektionen im «Vivala», aber Mitarbeiter mit anderen Erkrankungen. «Diese müssen zu Hause bleiben. Sollten es mehr werden, ist das unser grösstes Problem», sagt Siddiqui.

«Ebenso versuchen wir grundsätzlich, den Besucherstrom und die Interaktion nach draussen und umgekehrt möglichst zu reduzieren.»

Spezielles Augenmerk müssten sie auf die Klienten richten, welche zur Beeinträchtigung auch ein geschwächtes Immunsystem haben. «Wir haben sechs Kinder und 14 erwachsene Bewohner, die zur Risikogruppe gehören.»

Wichtig ist Dave Siddiqui nebst einer guten Vorbereitung auf mögliche Folgemassnahmen wie den Aufbau einer Quarantänestation aber auch, dass das Leben weitergeht. «Auch unter unseren Klienten ist das Virus ein Thema. Es sind Ängste da. Wir sprechen darüber und kommunizieren unsere Massnahmen offen. Wir nehmen die Situation sehr ernst, wollen aber keine Hysterie auslösen.»

Gewöhnt an hohe Hygienestandards

Jürg Schocher, Gesamtleiter Stiftung Hofacker Weinfelden.

Jürg Schocher, Gesamtleiter Stiftung Hofacker Weinfelden.

(Bild: Mario Testa)

Die im «Vivala» getroffenen Massnahmen gelten auch in der Stiftung Hofacker. Ein Pandemiekonzept besteht und Gesamtleiter Jürg Schocher hat Erfahrung mit der Norovirus-Verdacht-Situation. «Dazu kommt, dass wir als Soziale Institution ohnehin erhöhte Hygienestandards einhalten. In jeder Grippesaison ergreifen wir diese Massnahmen, Türklinken werden immer regelmässig desinfiziert und unsere Wäscherei und Reinigung hält die korrekten Abläufe zur Sicherung der Hygiene ein», sagt er.

«Den Bewohnern und Tagesklienten haben wir die Hygienemassnahmen erklärt. Einige machen sie nun von sich aus, andere müssen wir dabei begleiten.»

Auch kürzlich an der Jubiläumsvernissage im «Frohsinn» oder an der Beerdigung eines Klienten seien die Massnahmen umgesetzt worden, Desinfektionsmittel und verschliessbare Kübel waren dabei.

Einschränken, wo nötig

Den Klienten, welche nebst ihren Beeinträchtigungen auch Krankheiten haben, schenkt das «Hofacker»-Team nun ein spezielles Augenmerk. «Wir haben sie zum Beispiel dazu motiviert, nicht an die Vernissage mitzukommen. Das ist nicht einfach für sie, aber sie akzeptieren es doch», sagt Schocher. «Möglichst leben lassen, und doch Einschränken, wo nötig», sei die Devise.

«Es darf einfach nicht so weit kommen, dass in den kommenden Monaten und Jahren das Aussergewöhnliche zur Normalität wird. Dann verlieren wir alle unsere Freiheit.»
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