«Jeder Erfolg fängt im Kopf an» - Patrick Fischer, Coach der Eishockey-Nati, referierte in Erlen

Die Unihockey-Sportschule Erlen feierte ihr 15-jähriges Bestehen mit einer grossen Gala und einem Gastreferat von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer.

Christof Lampart
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Patrick Fischer referiert im Mehrzwecksaal der Schule Erlen über Leistung.

Patrick Fischer referiert im Mehrzwecksaal der Schule Erlen über Leistung.

Bild: Christof Lampart (Erlen, 21. August 2020)

Im voll besetzten Mehrzwecksaal der Schule legte Patrick Fischer am frühen Freitagabend vor der festlichen Gala der eishockeyaffinen Zuhörerschaft seine Führungsmethoden dar, und erklärte, welche «Bausteine» es braucht, um als Team Erfolg zu haben.

Für Fischer fängt jeder Weg zum Erfolg im Kopf an. Nur was man zu denken wage, könne man später auch erreichen. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber langfristig ganz sicher. Bei ihm habe es selbst erst spät im Kopf klick gemacht.

Ein Traum geht in Erfüllung

Er sei schon fast 30 gewesen, als er - nach einer erfolgreichen Weltmeisterschaft - sich den Vorsatz setzte, es in die nordamerikanische NHL, dem sportlichen Mekka aller Eishockeyspieler, zu schaffen.

In einem Alter also, in dem die meisten Cracks eher anfangen, an einen Rücktritt zu denken, denn an einen Sprung über den grossen Teich. Patrick Fischer erfüllte sich den Traum in der Saison 2006/07 bei den Phoenix Coyotes.

Unschweizerische Mentalität

Heute ist Fischer auch dazu bereit, als Trainer «gross zu denken» und den Gedanken «Taten folgen zu lassen». Weshalb auch Fischers Aussage nicht überraschte: «Ich habe mir vorgenommen, mit meinem Team Weltmeister zu werden. Ich weiss, dass wir das eines Tages erreichen werden.»

Patrick Fischers Leitspruch:
«Führung ist die Fähigkeit,
mit gewöhnlichen Menschen aussergewöhnliche Leistungen
zu erbringen.»

«Sagt einfach: Das ist mein Stuhl!» Diese Denkweise sei alles anderes als typisch schweizerisch, doch wichtig, um im Spitzensport wirklich ganz oben anzukommen.

Wertschätzung ist wichtig

Zwar gelte für einen Coach im Umgang mit der Mannschaft die eiserne Regel, dass man jedem einzelnen Mitglied nicht nur eine wichtige, klar definierte Aufgabe, sondern darüber hinaus auch echte Wertschätzung entgegenbringen sollte. Wer den maximalen Erfolg anstrebe, müsse als Sportler darüber hinaus auch rigoros handeln, wenn er seine Chance gekommen sieht.

«Wir Schweizer sind sehr rücksichtsvoll. Doch wenn man im Sport ganz nach oben möchte, dann muss man eine Haltung einnehmen, bei der ich, bildlich gesprochen, nicht zuerst anderen meinen Stuhl anbiete, sondern mich einfach selbst darauf setze und ihn dadurch exklusiv für mich beanspruche.»

Gezielt individuelle Stärken forcieren

Darüber hinaus bedeutet für Fischer eine erfolgversprechende Führung, dass man nach dem Match die Fehler schnell abhaken und sich auf die gelungenen Dinge fokussieren sollte, denn «das gibt den Menschen die Energie, die sie brauchen, um extra viel zu leisten und erfolgreich zu sein».

Gerade Teamsportler seien ohnehin oft selbstkritisch genug, da sie von Natur aus wüssten, dass es auf die Leistung eines jeden einzelnen ankomme, um Erfolg zu haben, sodass er in diesem Bereich gar nicht mehr viel tun müsse.

Diese Reflexion, gepaart mit einer Siegermentalität, die auch im Misserfolg nicht die Schuld bei anderen, sondern nur bei sich selbst sucht, seien nebst der individuellen sportlichen Klasse, jene Schlüsselqualitäten, die es braucht, um seine Ziele irgendwann zu erreichen – mögen sie aktuell auch noch weit entfernt scheinen.