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Er trat vor Weinfelder Lokal auf sein Opfer ein «so wie man einen Fussball kickt» – jetzt muss der Täter ins Gefängnis

Massenschlägerei der «Sulgener Gruppe»: Das Bezirksgericht Weinfelden hat am Dienstag einen 25-Jährigen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.
Barbara Hettich
Der Täter liess nicht von seinem Opfer ab, auch als der junge Mann bereits am Boden lag. (Bild: Stefan Schaufelberger)

Der Täter liess nicht von seinem Opfer ab, auch als der junge Mann bereits am Boden lag. (Bild: Stefan Schaufelberger)


«Ich kann mir nicht erklären, warum ich das getan habe», sagte der 25-Jährige vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hat er im Januar 2017 vor dem «Firehouse» in Weinfelden einen ihm unbekannten jungen Mann geschubst, «weil er zu nahe bei mir stand und mich das störte». Mit Faustschlägen und Fusstritten streckte er ihn nieder, obwohl sich das Opfer zu keinem Zeitpunkt zur Wehr gesetzt hatte.

Er trat weiter auf den Kopf des Opfers ein, auch als dieses bewusstlos am Boden lag. «Er holte aus und trat in den Kopf, so wie man einen Fussball kickt», beschrieben die Zeugen übereinstimmend die Tat. Der Aggressionen nicht genug: Im «Firehouse» zettelte der junge Mann mit Hilfe der «Sulgener Gruppe» eine Massenschlägerei an, weil die Sicherheitskräfte ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten wollten.

«Filmriss» wegen Alkohol und Drogen

An seine Taten könne er sich nicht mehr erinnern, nur noch an das Brennen im Gesicht nach dem Pfefferspray-Einsatz der Sicherheitskräfte, sagte der Beschuldigte bei seiner Befragung durch den Gerichtsvorsitzenden. Für seinen «Filmriss» machte er seinen Konsum von Alkohol, Kokain und Cannabis verantwortlich.

«Ich war nicht mehr ich selbst.»

Während der Gerichtsverhandlung sass das Opfer ruhig und gelassen zwischen Staatsanwältin und seinem Anwalt, gab Auskunft über sein heutiges Befinden. In jener Nacht wurde er mit einem zweifachen Unterkieferbruch und einem leichten Schädelhirntrauma ins Spital eingeliefert.

Zwei Operationen musste er über sich ergehen lassen, war während längerer Zeit arbeitsunfähig, glücklicherweise gebe es keine bleibenden Schäden.

Auf den Heilungskosten sitzen geblieben

Wie sein Anwalt weiter ausführte, hatte der Vorfall für seinen Mandanten nicht nur erhebliche soziale, sondern auch finanzielle Auswirkungen. Aufgrund einer zwischenzeitlichen Arbeitslosigkeit hatte sein Mandant die Krankenkassenprämien nicht bezahlt und ein Leistungsaufschub der Kasse führte dazu, dass er auf den Heilungskosten sitzen blieb.

Der Täter habe sich bislang lediglich mit 300 Franken an den Kosten beteiligt und dies sei keine grundsätzliche Anerkennung des Schadens. Der Täter absolviere derzeit eine vierjährige, teure Ausbildung in einer Privatschule, während seinem Mandanten die Pfändung drohe. Der Beschuldigte sei egoistisch, es fehle ihm an Empathie und weil er sich mit seinem Verhalten nicht auseinandersetzen wolle, schiebe er den Filmriss vor.

Dieser Überzeugung war auch die Staatsanwältin. Gemäss Zeugenaussagen habe der Täter an jenem Abend relativ nüchtern gewirkt, dies bestätigten auch die durchgeführten Bluttests.

Der Beschuldigte sei äusserst brutal vorgegangen, habe es in Kauf genommen, sein Opfer ernsthaft zu verletzen.

Wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung, Raufhandels, Tätlichkeiten und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, forderte sie eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Unbedingt weil der Täter durch einen ähnlich gelagerten Vorfall vorbelastet ist und man somit von keiner guten Prognose ausgehen könne.

Einwände der Verteidigerin überzeugten das Gericht nicht

Einwände der Verteidigerin des Angeklagten, dass auch kleine Mengen von Alkohol in Kombination mit Kokain zu einem Blackout führen könnten und ihr Mandant nicht so fest getreten habe, da seine weissen Turnschuhe keine Blutspritzer aufwiesen, vermochten das Gericht von einer geringeren Schuldzumessung kaum zu überzeugen.

In ihrem Urteil folgten die Richter den Anträgen der Staatsanwältin. «Sie sind äusserst rücksichtslos vorgegangen, Sie haben aus einem nichtigen Grund zugeschlagen und allem Anschein nach aus Ihrer bedingten Strafe aus dem Jahr 2015 nichts dazu gelernt. Auch damals haben Sie ein am Boden liegendes Opfer getreten», sagte der Gerichtsvorsitzende in der Urteilsbegründung.

Nebst der unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren wurde dem Angeklagten eine Busse von 500 Franken auferlegt. Die bedingt ausgesprochene Geldstrafe aus dem Jahr 2015 wurde widerrufen. Nebst den Heilungskosten und einer Genugtuung über 4000 Franken muss der Verurteilte zudem die Untersuchungs- und Verfahrenskosten übernehmen.

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