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Er hat keinen Grund, sein Ämtli abzugeben

Wolf-Dieter Burkhard ist Gründungsmitglied des WWF Thurgau. Seit 50 Jahren gehört er dem Vorstand an. Vor allem für die Biber und Fledermäuse macht sich der 75-jährige Landschlachter stark.
Nicole D'Orazio
Wolf Dieter Burkhard ist seit 50 Jahren Tierschützer und Gründungsmitglied des WWF Kreuzlingen/Thurgau. (Bild: Andrea Stalder)

Wolf Dieter Burkhard ist seit 50 Jahren Tierschützer und Gründungsmitglied des WWF Kreuzlingen/Thurgau. (Bild: Andrea Stalder)

«Die Stockente dort hat fünf Junge. Sie sind gross geworden», sagt Wolf-Dieter Burkhard, als er durch den Seeburgpark in Kreuzlingen spaziert. Fasziniert beobachtet er die Tierwelt. Seine kleine Kamera hat er immer dabei. «Dort hat es einen Fledermauskasten von uns.» Mit «uns» meint er den WWF Thurgau. Dieser feiert in diesem Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum. Auch Burkhard kann mitfeiern, denn er gehört seit Beginn dessen Vorstand an. «Ich war eines von fünf Gründungsmitgliedern des WWF Kreuzlingen, der heute WWF Thurgau heisst. Das war die erste Sektion überhaupt in der Schweiz», erzählt er.

1968 hatte Toni Trösch die WWF-Mitglieder in der Region angeschrieben, um die Sektion zu gründen, weil er Biber aussetzen wollte. Der WWF Schweiz hatte in Aussicht gestellt, das Vorhaben zu finanzieren. Eine Sektion erhielt leichter die nötigen Gelder. Zu Fünft seien sie damals schliesslich im «Löwen» gesessen und jeder übernahm eine Aufgabe im Vorstand, blickt der 75-Jährige zurück. Zuerst war er Aktuar, später Vizepräsident, heute betreut er die Ressorts Biber, Fledermäuse und Biodiversität. «Ich mache noch vieles anderes. Es muss aber sinnvoll sein.»

Sein Leserbrief löst ein riesiges Echo aus

Dass eine einzelne Person etwas bewirken kann, hat ihm der Kampf gegen die Vernichtung der Maikäfer im Jahr 1973 gezeigt. «Der Regierungsrat wollte damals die Maikäfer mit einem üblen Insektengift bekämpfen», erzählt Burkhard. «Ich fand das verantwortungslos, weil man die Folgen für die Tierwelt und die Natur nicht kannte.» Es hiess lediglich, das Mittel sei für alle anderen Insekten harmlos. «Dem war nicht so. Zwei Jahre später wurde das Gift verboten.» Jedenfalls habe er damals einen Leserbrief in der «Thurgauer Zeitung» veröffentlicht. «Dieser löste ein grosses Echo aus. Ich habe dann ein Aktionskomitee mitgegründet und wir sammelten innert zehn Tagen gut 12'000 Unterschriften gegen den Einsatz des Insektengifts.» Schliesslich habe der Regierungsrat nachgegeben. «Das war ein Schlüsselerlebnis für mich. Man muss sich einsetzen, es bringt was.»

«Es ist schon vorgekommen, dass alle Pneus meines Autos zerstochen waren. Als Naturschützer hat man nicht nur Freunde.» (Wolf-Dieter Burkhard)

Über die vielen Jahren hinweg haben sich der WWF und der Tierschutzgedanke verändert. «Zu Beginn haben wir eher versucht, Fehler der Menschen wieder gut zu machen», erzählt Burkhard. «Zum Beispiel mit dem Aussetzen des ausgerotteten Bibers. Heute ist die Arbeit teils auch politisch. Zum Beispiel haben wir gegen den Bau der A7 gekämpft und schauen uns Bauauflagen genau an.» Früher sei man als Naturschützer eher ein Exot gewesen und sei angefeindet worden, heute werde das positiv gesehen. «Es braucht eine Umkehr im Verhalten der Menschen. Der Klimawandel zeigt es doch deutlich.» Ein grosses Problem sei seiner Meinung nach der ständige Einsatz von Chemikalien. «Das zerstört und vernichtet zu viel.»

Aufbau des Schutzes von Fledermäusen im Kanton

Burkhard kennt man in der Region vor allem als «Fledermuus Maa». Er leitet Exkursionen und Führungen über die Tiere. Anfang der 1980er Jahre hat er einen Kurs über Fledermäuse besucht und gewann die Einsicht, dass sie auch im Thurgau besser geschützt werden müssten. 1983 gründete er mit seiner Frau Ursula die kantonale Koordinationsstelle für Fledermausschutz. «Wir haben bei Null angefangen. Wir waren die ersten.» Bis heute haben sie im Kanton Thurgau 20 Fledermausarten nachgewiesen, von deren 30 in der Schweiz. «Teilweise haben sich die Populationen erholt. Doch einige Arten sind immer noch gefährdet. Zum Beispiel das Grosse Mausohr», sagt der pensionierte Primarlehrer aus Landschacht.

Er und seine Frau hätten in der Bevölkerung viel Überzeugungsarbeit leisten und auch Ängste abbauen müssen. Die Akzeptanz für Fledermäuse sei heute viel höher. «Viele Kinder sind Fans.» Nach über 30 Jahren hat er die Führung der Koordinationsstelle abgegeben. «Die Nachfolge ist gesichert. Aber ich helfe weiterhin mit. Vor allem in der Forschung. Wir erkunden mit Sendern das Verhalten, wie weit und wohin die Tiere fliegen.» Von den fünf Gründungsmitgliedern des WWF Thurgau ist er noch der einzige, der lebt. Burkhard hat nicht vor, sein Vorstandsmandat demnächst abzugeben. «Ich sehe keinen Grund aufzuhören. Ich will mit weiterhin engagieren. Denn es ist notwendig.»

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