Er hat Bilder komponiert: Arboner Fotograf Max Burkhardt

Das fotografische Werk von Max Burkhardt besticht durch Bildkraft und hohen dokumentarischen Wert. Es ist auch ein Spiegel der Arboner Geschichte. Am Sonntag wurde es in Arbon gezeigt.

Max Eichenberger
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Historiker Kurt Schmid stellt das Werk des Fotografen Max Burkhardt vor. (Bild: Max Eichenberger)

Historiker Kurt Schmid stellt das Werk des Fotografen Max Burkhardt vor. (Bild: Max Eichenberger)

Gelernt hat er ursprünglich Dekorationsmaler, später Kurse an den Kunstgewerbeschulen Zürich und München belegt. Doch dann wandte sich der vielseitig begabte Max Burkhardt, der mit dem Bau des Jugendstilhauses an der Rebenstrasse ein Gesamtkunstwerk von Rang geschaffen hatte, verstärkt dem noch jungen Metier der Fotografie zu. Das Sonnenblumenhaus diente ihm dabei als Atelier.

Noch vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges bezeichnete sich Burkhardt als Fotograf. Er publizierte in Zeitschriften, produzierte Ansichtskarten, fotografierte für Plakate und Prospekte. Neben der Architektur- widmete er sich vor allem der Siedlungs- und Landschaftsfotografie. Zudem dokumentierte er das Leben und den Alltag der Arboner im frühen 20. Jahrhundert und erlangte mit seinem Werk von unschätzbarem Wert überregional grosse Beachtung.

Historiker Kurt Schmid, selber in Arbon aufgewachsen, nahm die Besucher im Sonnenblumenhaus am Sonntag mit auf Streifzüge durch die Region und eine Zeitreise durch die Geschichte der Stadt anhand von Burkhardts Fotografien. Dazu hat er einen ganzen Stapel Postkarten gescannt und auf einen Bildschirm projiziert. Postkarten hätten damals im vordigitalen Zeitalter eine wichtige soziale Funktion gehabt.

Tiefschichtige Einblicke in das Sozialleben

Weniger als andere Berufskollegen seiner Zeit hätten Max Burkhardt rein technische Aspekte der Fotografie interessiert, vielmehr habe er sich als Bildgestalter verstanden, erklärt Schmid die Art, wie Burkhardt mit der Kamera umging: «Er war ein Bildkomponist. Und er hat für eine Öffentlichkeit gearbeitet.»

So ist sein Werk dokumentarisch wertvoll. Es spiegelt verschiedene Spannungsfelder in der Zeit der Industrialisierung und Entwicklungsepochen der Stadt. So geben die erhaltenen Aufnahmen, die der Vernichtung durch Burkhardt junior entgangen sind, tiefschichtige Einblicke in das Sozialleben der Stadt über fast ein halbes Jahrhundert: die Suppenküche, die in Zeiten wirtschaftlicher Not Hunderte Menschen verköstigte; der Waschtag am See.

Ein spannendes Kapitel ist der Wohnungsbau. Zu den Motiven gehören auch der von italienischem Flair geprägte Sonntagsspaziergang am See, Ausflüge in die Umgebung und in die Berge.

Perspektivisch grosszügige Aufnahmen zeigen üppig blühende Kulturlandschaften, wiederum andere historische städtische Gebäude im Ortskern, wie das Schloss und den alten Lindenhof. Der Blick vom Kirchturm dokumentiert die Siedlungsentwicklung in die Aussenquartiere und die Urbarmachung des Sumpfgebietes.

Den Volksauflauf bei der Einweihung der Quaianlage mit Hafen fotografierte Max Burkhardt von einem Ballon aus der Luft – was sich auch mit der damaligen Ausrüstung, als einiges aufwendiger erwies, als, wie es heute üblich ist, eine Drohne steigen zu lassen. Eine Aufnahme belegt, dass es einst in Arbon einen Leuchtturm gegeben hat.

Burkhardt war auch ein geschickter Vermarkter: So bot er Zeitschriften wie der «Ostschweizer Rundschau» Fotoreportagen zur Veröffentlichung an – per Postkarte, versteht sich. In der Aufarbeitung des bruchstückhaft erhaltenen Werks hat Kurt Schmid festgestellt, dass Burkhardts Serienaufnahmen als Vorläufer der Panorama-Fotografie gelten können.