Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Er flickt «jeden Scheiss»: Der Weinfelder Puppendoktor Bruno Hostettler geht in Pension

Bruno Hostettler schliesst seine Puppenklinik nach 34 Jahren. Die Reparatur von Spielsachen sei nicht mehr gefragt.
Sabrina Bächi
Bruno Hostettler schliesst seine Puppen- und Bärenklinik an der Rathausstrasse. (Bild: Mario Testa)

Bruno Hostettler schliesst seine Puppen- und Bärenklinik an der Rathausstrasse. (Bild: Mario Testa)

An der einen Wand reiht sich Schublade an Schublade. Farbenfroh sind sie gestrichen. Der äusserliche Anschein von akkurater Ordnung setzt sich auch im Innern fort. Alles ist geordnet. Doch chaotisch sieht es trotzdem aus. Öffnet Bruno Hostettler die richtige Schublade, blicken einen Hunderte von Glasaugen an. Grosse, kleine, braune oder blaue. Die Auswahl ist riesig und trotzdem ist es nur ein kleiner Teil dessen, was sich in seiner Sammlung befindet.

«Ich habe nur schon über 3000 Augen. Insgesamt bestimmt über 10000 Ersatzteile für Puppen. Wimpern, Perücken, Arme, Beine. Alles in verschiedenen Grössen und trotzdem fehlt meist dann genau das eine Bein, das man bräuchte.»

Hostettler ist der Puppendoktor Weinfeldens. «Als ich Mitte der 80er-Jahre nach Weinfelden kam, schaute ich, was es hier noch nicht gibt und Holz hat mich sowieso schon immer fasziniert», erzählt der gelernte Konditor. Deshalb eröffnet er ein Einrahmungsatelier. Das war vor 34 Jahren.

Ein Kundenwunsch machte den Anfang

Eines Tages sei eine alte Dame mit ihrer Schildkröt-Puppe im Laden gestanden und bat darum, diese zu reparieren. Damals, erzählt Hostettler, sei die Puppe sehr wertvoll gewesen. Fasziniert von der Herausforderung machte er sich an die Reparatur. Später besucht er Puppenreparatur-Kurse. Als Mann war er eine Ausnahmeerscheinung. Eher Frauen beschäftigten sich mit dem Flicken der Spielsachen. Doch Hostettler ist erfolgreich in dem, was er tut.

«Irgendwann hiess es: Bring es Hostettler, der flickt jeden Scheiss.»

Zu den Puppen kamen Bären dazu. Dann Blechspielzeug. Aber auch im Einrahmungsgeschäft lief es gut: «Wir produzierten handgefertigte Spezialrahmen in modernem Design.» Damals ein gesuchtes Gut. Irgendwann werden Antiquitätenhändler auf den Puppendoktor aufmerksam. «Sie können ihre Sachen nur ganz verkaufen, deshalb bringen sie vieles zu mir, was ich dann für sie repariere», sagt der 65-Jährige.

Hostettler ist weit herum der Einzige, welcher Spielsachen in diesem Ausmass repariert. Wenn es keine Ersatzteile mehr gibt, macht er sie selbst. «Wenn ich etwas mache, dann richtig.» Doch die zunehmende Wegwerfmentalität ruinierte ihm schleichend das Geschäft.

Heute wolle niemand mehr alte Puppen behalten. Und neue seien so günstig, dass sie weniger kosten als eine Reparatur. «Ich finde es schade, dass Eltern ihre Kinder öfters mit Smartphones beschäftigen, als mit richtigen Spielsachen.»

Nachfolgersuche gestaltete sich schwierig

Trotz des Rückgangs, Hostettler glaubt daran, dass die Reparatur von Nischenprodukten erfolgreich sein kann. Er hätte gerne einen Nachfolger, jemanden zu finden, sei jedoch sehr schwierig. Lernen kann man den Beruf nämlich nicht. Seit dieser Woche verkauft Hostettler seine Schätze zu Flohmarktpreisen. Alles was er nicht loswird, landet in der Mulde. Darunter wohl auch Antiquitäten und Bilder von hohem Wert.

Versuchsweise bleibt die Werkstatt bis Ende Jahr jeweils mittwochs geöffnet. «Wenn es viel Kundschaft gibt, belasse ich es dabei, sonst schliesse ich den Laden ganz», sagt Hostettler nüchtern. Er macht seine Arbeit mit Leidenschaft. Wenn davon aber nichts zurückkommt, lässt er es lieber bleiben. Wenn Bruno Hostettler etwas macht, dann richtig oder gar nicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.