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Interview

Jan-Philipp Sendker berührt viele Herzen im Oberthurgau

Der Erfolgsautor aus Deutschland liest am Montag im Kirchenzentrum Steinacker in Kradolf aus seinem neuen Bestseller «Gedächtnis des Herzens».
Interview: Manuel Nagel
Vor drei Jahren war Schriftsteller Jan-Philipp Sendker zum letzten Mal zu Gast in der Region. Im Kulturforum Amriswil las er aus seinem Buch «Am anderen Ende der Nacht». (Bild: Manuel Nagel, 12. September 2016)

Vor drei Jahren war Schriftsteller Jan-Philipp Sendker zum letzten Mal zu Gast in der Region. Im Kulturforum Amriswil las er aus seinem Buch «Am anderen Ende der Nacht». (Bild: Manuel Nagel, 12. September 2016)

Jan-Philipp Sendker, Ihr neuer Roman belegt seit zwei Wochen Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste. Ist Kradolf mit 3500 Einwohnern nicht zu klein für Ihre Lesung?

Nein, das hat ja auch immer ein grosses Umland. Und meine Leserinnen und Leser scheuen zum Glück keinen Weg und kommen auch von weiter her. Meine Veranstaltungen in der Schweiz sind deshalb meistens ausverkauft – egal wo ich lese. Das freut mich sehr.

Die Leser im Raum Oberthurgau und Sie, das ist eine besondere Liebesbeziehung. Wie kam es überhaupt dazu?

Das hat mit den Buchhändlerinnen Jacqueline Rutishauser und Marianne Nagel zu tun. Sie haben meinen Roman «Das Herzenhören» vor vielen Jahren entdeckt und mit einer solchen Begeisterung empfohlen, dass alleine in Amriswil über 1500 Exemplare vom «Herzenhören» verkauft wurden. Dann wurde ich zu einer Lesung eingeladen und das war so schön.

Im September 2012 war die Vernissage des Nachfolgers «Herzenstimmen». Ob Sie diese in Berlin oder Frankfurt durchführen möchten, fragte Ihr Verleger – und Sie sagten zu ihm «in Amriswil».

Ich wurde 2008 zum ersten Mal nach Amriswil zu einer Lesung eingeladen. Das war so schön, dass ich mich entschloss, die Weltpremiere von «Herzen- stimmen» dort durchzuführen.

Wie regierte Ihr Verleger?

Natürlich sehr erstaunt. Er hatte noch nie einen Autor, der sein Buch in Amriswil vorstellen wollte. Aber für mich war das ein Dankeschön an Marianne Nagel sowie an meine vielen Leserinnen und Leser hier in der Gegend. Und es war eine wunderschöne Veranstaltung mit einer tollen Stimmung und über 300 Leuten. So viele Besucher habe ich nicht oft. Mein Verleger kam extra und hielt eine Laudatio, wie auch SRF-Literaturkritikerin Luzia Stettler. Für mein Buch hätte ich mir gar keine schönere Vernissage denken können.

Nach «Herzenhören» und «Herzenstimmen» ist das aktuelle Buch der letzte Teil der Burma-Trilogie. Kommt da bei Ihnen als Autor auch etwas Wehmut auf, nun die Charaktere verabschieden zu müssen?

Ich vermeide das Wort Trilogie, weil jeder dieser drei Romane für sich alleine stehen kann. Alles, was der Leser über die Figuren erfahren muss, steht in jedem einzelnen Roman. Man kann «Gedächtnis des Herzens» auch lesen, ohne die ersten beiden Bücher zu kennen. Doch zurück zur Frage: Ich hatte das befürchtet, ja, weil ich mich mit Julia und U Ba schon seit 20 Jahren beschäftige. 1999 begann ich mit den Recherchen zu Herzenhören. Aber Wehmut habe ich eigentlich nicht. Ich hab das Gefühl, das ist jetzt rund und ich kann das guten Herzens in die Hände der Leser geben. Es ist ein sehr befriedigendes Gefühl.

Also kein vierter Band?

Ich hatte ja auch «Herzenstimmen» nicht geplant. Das ergab sich dann aus einer imaginären Begegnung mit Julia, der Hauptfigur im «Herzenhören». Nun ist im «Gedächtnis des Herzens» der 12-jährige Bobo die Hauptfigur. Ich will aber nicht ausschliessen, dass ich Bobo in zehn Jahren erneut begegne und erzähle, wie es ihm ergangen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt fühlt es sich aber genau richtig an, dass ich jetzt etwas anderes mache.

Jan-Philipp Sendker. (Bild: PD

Jan-Philipp Sendker. (Bild: PD

Als einer der wenigen ausländischen Autoren haben Sie es geschafft in Amerika. Nach Schlink mit seinem «Vorleser» sind Sie mit Ihrem «Herzenhören» der erfolgreichste deutsche Autor in den USA. Überrascht Sie dieser Erfolg?

Ich habe ja zehn Jahre darum gekämpft, dass das Buch in Amerika erscheint. Immer wurde ich nur belächelt, habe aber nie aufgegeben. Ich habe selber einen Übersetzer und einen Verleger gesucht. Das Buch erschien dort erst 2012, nachdem es ja in Deutschland schon 2002 auf den Markt kam. Umso schöner ist es, wenn es so ein Erfolg wird.

Mit dem Erfolg klopfte auch Hollywood an und wollte das Buch verfilmen. Sie aber lehnten ab und der Zuschlag bekam eine österreichische Produktionsfirma. Wieso?

Ich wollte das Drehbuch selber schreiben, denn man kann beim «Herzenhören» viel falsch machen, kann es verkitschen. Deshalb muss man da auch das richtige Händchen haben. Mit Regisseur Detlev Buck habe ich am Drehbuch gearbeitet. Wir haben nun eins, mit dem ich richtig glücklich bin. Das wäre in Hollywood nicht möglich gewesen.

Hat das auch Überwindung gekostet? Hollywood hätte ja sicher mehr Zuschauer und somit mehr Geld bedeutet.

Nein, aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob das die richtige Entscheidung war. Die Produktionsfirma versucht seit vielen Jahren das Geld zusammen zu bekommen.

Wie weit sind denn die Dreharbeiten fortgeschritten?

Wir waren schon beim Location Scouting und suchten auch Schauspieler aus. Es muss aber im nächsten Jahr gedreht werden, weil ich sonst die Rechte zurückbekomme. Es entscheidet sich also in den nächsten Wochen, ob der Produzent das Geld zusammenbekommt.

Aber Ihr Erfolg in den USA ist wohl eine gute Verhandlungsposition, um nochmals in Hollywood anzuklopfen.

Ja, sicherlich.

Mittlerweile sind es über vier Millionen Bücher weltweit in allen Sprachen, die Sie verkauft haben. Welche Ziele hat man da als Autor noch?

Ich denke da von Buch zu Buch. Aber ich habe da schon noch ein paar Ideen für weitere Romane.

Spielt der nächste erneut in Asien? Sie waren dort ja für den «Stern» Korrespondent.

Ja, der nächste Roman wird ebenfalls wieder in Asien spielen, so viel kann ich verraten.

Sind Sie da schon mitten im Schreibprozess?

Nur gedanklich. Ich habe ja jetzt eine Lesereise mit 13 Lesungen in der Schweiz und komme im Frühjahr nochmals hierher. Bis zum März bin ich mit Lesungen beschäftigt. Insgesamt sind es über 60. Das Buch erscheint im Dezember in Israel. Ich fahre deshalb auch nach Jerusalem, später nach Oslo, Stockholm, Turin. Ich denke, ich werde so ab Mai wieder anfangen können zu schreiben.

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