Elternbrief schockiert: Drogen, Cybermobbing und illegale Waffen an der Sekundarschule Wigoltingen

Mirko Spada, Schulleiter der Volksschulgemeinde, informiert in einem Elternbrief über Missstände im Schulbetrieb – und die haben es in sich.

Sabrina Bächi
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Wigoltinger Sekundarschüler nutzten Whatsapp-Chats, um Mitschüler zu mobben und für den Drogenverkauf. (Symbolbild)

Wigoltinger Sekundarschüler nutzten Whatsapp-Chats, um Mitschüler zu mobben und für den Drogenverkauf. (Symbolbild) 

Ein unschönes Weihnachtsgeschenk, das Schulleiter Mirko Spada am 13. Dezember den Eltern der Wigoltinger Oberstufenschülern macht. In einem zweiseitigen Elternbrief klärt er die Erziehungsberechtigten darüber auf, was derzeit an der Schule los ist.

Und diese Informationen sind happig: Es geht um Cybermobbing, um Waffenbesitz und um Drogenkonsum. Wegen strafrechtlich relevanter Bilder und Posts in den sozialen Medien wie Klassenchats auf Whatsapp und Instagram hätten gegen mehrere Schüler der Oberstufe Verweise ausgesprochen werden müssen, heisst es etwa in dem Brief.

Obwohl die Schule immer wieder Präventionsarbeit leiste, liege der Umgang der Jugendlichen mit Handy und Computer in der Verantwortung der Eltern. Richtigerweise schreibt Spada weiter, dass Unternehmen heutzutage auf einen guten Leumund achten und sich über die bewerbenden Jugendlichen im Internet informieren. «Das Internet vergisst nie», schreibt der Schulleiter.

Und weiter: «Die Schule duldet weder Mobbing noch das Blossstellen anderer Art.» Der Brief liegt unserer Redaktion vor.

Schüler von der Schule gewiesen

Ein weiteres Thema sei das Tragen von sogenannten Butterfly-Messern, die in der Schweiz illegal sind.

«Es gibt leider Jugendliche, die in Besitz solcher verbotener Messer sind und diese in die Schule mitnehmen.»

Deshalb musste ein Schüler auch vorübergehend von der Schule gewiesen werden, schreibt Spada. Doch das ist noch nicht alles: «Es soll einen einschlägigen Whatsapp-Chat geben, über den verschiedene Drogen angeboten werden.»

Schüler würden diesem Chat ohne Zustimmung hinzugefügt werden und erhalten so konkrete Anfragen nach illegalen Angeboten. Ausserdem hat die Schulleitung festgestellt, dass sich in Wigoltingen zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene aufhielten, die nicht im Gebiet der Volksschulgemeinde Wigoltingen wohnhaft seien.

Spada schreibt dazu: «Es gibt Hinweise, dass insbesondere im Zusammenhang mit diesen auswärtigen Personen strafrechtlich relevante Aktivitäten stattfinden.» Beispiele für genannte Aktivitäten seien etwa Drogenhandel und «Handlungen mit Gegenständen, die unter das Waffengesetz fallen».

Aussagen zurückgezogen

Auf Nachfrage unserer Zeitung gibt der Schulleiter zunächst freimütig Auskunft, um diese in einem E-Mail kurz vor Mitternacht wieder zurückzuziehen. Im Gespräch wiegelte er die Anschuldigungen und Ausführungen im Elternbrief ab.

Mirko Spada, Schulleiter der Volksschulgemeinde Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Mirko Spada, Schulleiter der Volksschulgemeinde Wigoltingen. (Bild: Mario Testa)

Er vermittelte den Eindruck, dass doch nicht alles so schlimm gewesen sei und der Brief vor allem als Fingerzeig für die Eltern gedacht war. Wie die Lage derzeit aussieht, und was konkret die Volksschulgemeinde etwa gegen die Drogenchats unternimmt, bleibt unklar.

Spada ist von seiner Führungspolitik überzeugt

Überzeugt von seiner Führungspolitik weist Mirko Spada mehrfach darauf hin, mit welchen Visionen er die Schulgemeinde in die Zukunft führen will. Er spricht von Vita Parcours auf dem Pausenplatz als Prävention gegen die Suchtproblematik.

Im E-Mail an die Redaktion schreibt er: «Wir haben in der Zwischenzeit viel erreichen können. Wir sind sozusagen auf einem anderen Level gelandet. Als Schulleiter bin ich sehr viel mit den Jugendlichen zusammen und ich versuche, die Schülerinnen und Schüler positiv zu bestärken.» Wigoltingen wolle mehr sein als nur eine Schule.

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Sabrina Bächi

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