Eltern sollen mehr zahlen: Arboner Finanzprüfer rügen Tarife für schulergänzende Betreuung

Die Nachfrage nach Mittagstisch und Co. ist gross. Doch die Rechnung geht je länger je weniger auf. Die städtischen Beiträge steigen.

Tanja von Arx
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Im Primarschulhaus Seegarten stehen 45 Betreuungsplätze zur Verfügung.

Im Primarschulhaus Seegarten stehen 45 Betreuungsplätze zur Verfügung.

Max Eichenberger

Die Arboner Finanz- und Geschäftsprüfungskommission (FGK) hat so einiges zu kritisieren. Und zwar in Zusammenhang mit dem Budget 2021, konkret in Bezug auf die schulergänzende Betreuung. Die Finanzprüfer bemängeln, dass die städtischen Beiträge an die Primarschulgemeinde innerhalb von drei Jahren markant gestiegen seien, zuerst von 140'000 auf 170'000 Franken und nun sogar auf 225'000 Franken. Gleichzeitig seien nicht einmal die höchsten Tarife kostendeckend.

Höhere Tarife gefordert

Die FGK fordert deshalb eine Erhöhung der elterlichen Tarife. Wie Recherchen zeigen, soll des Weiteren das Angebot im Schulhaus Bergli noch ausgebaut werden. Auf der entsprechenden Website steht: «Um an allen drei Standorten ein gleichwertiges Angebot gewährleisten zu können, wird bei ausgewiesenem Bedarf ein Ausbau der Betreuungszeiten geprüft.»

Susan Scherrer, Leiterin der Schulverwaltung, sagt auf Anfrage:

«Die aufgeführten Zahlen sind Budgetwerte.»

Sie betont, dass diese nicht den effektiv anfallenden Aufwendungen entsprächen. «Einerseits hat der Bund in den ersten drei Betriebsjahren Anschubfinanzierungen geleistet für das Schulhaus Seegarten.» Andererseits habe der Stadtrat für 2019 bis 2021 einen Defizitbeitrag für die gesamte schulergänzende Betreuung der Primarschulgemeinde beschlossen.

Scherrer sagt: «Rein rechnerisch kann ein kostendeckender Tarif bestimmt werden.» Allerdings treffe man in der Realität die dazu notwendigen, idealen Gegebenheiten nicht an. «Die Anzahl Kinder in den Modulen variiert beispielsweise sehr stark.» So könne es passieren, dass mit der Anmeldung eines weiteren Kindes ein Betreuer mehr eingesetzt werden müsse.

«Bei den aktuellen Belegungszahlen je Modul ist kein kostendeckender Betrieb möglich, auch wenn alle Familien den höchsten Tarif zahlen würden.»

«Wir warten die Resultate eines Projektes ab»

Man könne die Thematik nun unterschiedlich angehen, so Scherrer. «Man soll aber immer im Blick behalten, weshalb man das Angebot implementiert hat.» Möglichkeiten zur Optimierung habe man mit Vertretern der Stadt thematisiert. «Aktuell warten wir die Resultate eines Projektes der Stadt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Anbietern ab.» So lange behalte man das Tarifreglement und das Anmeldeprozedere unverändert bei, sagt die Leiterin der Schulverwaltung.

Auf die Frage, ob sich in Zusammenhang mit dem «Bergli» nicht ein Zielkonflikt ergebe, sagt Scherrer:

«Bei einem möglichen Angebotsausbau steht die Gleichwertigkeit der Schulanlagen im Vordergrund.»

Im «Bergli» würden weniger Module angeboten als an den andern Standorten. «Ich kenne keine Schulgemeinde, die ein solches ‹Ziel› definiert hat. Auch wir nicht.» Dem Stadtrat sei ebenso bekannt, dass dies kein erreichbares Ziel sei, sofern man das Angebot weiterhin für alle Familien und mit grösstmöglicher Flexibilität aufrechterhalten wolle.