Eltern in der Region Sulgen bekommen Unterstützung

In den Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg sind familienergänzende Angebote für die ausserschulische Betreuung geplant.

Georg Stelzner
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Drei der acht Mitglieder des Projektteams: Andrea Müller-Richner, Heinz Gfeller (Leiter) und Michèle Artho auf dem Pausenplatz der Sekundarschule Befang in Sulgen.

Drei der acht Mitglieder des Projektteams: Andrea Müller-Richner, Heinz Gfeller (Leiter) und Michèle Artho auf dem Pausenplatz der Sekundarschule Befang in Sulgen.

Bild: Georg Stelzner

«Gut Ding braucht Weile», lässt uns ein Sprichwort mahnend wissen. Erst recht, wenn das Ding nicht nur gut, sondern optimal werden soll. Dieses ehrgeizige Ziel hat sich ein acht Mitglieder zählendes Team gesetzt, das FAME, ein gemeinsames Projekt der Politischen Gemeinden Sulgen und Kradolf-Schönenberg sowie der Volksschulgemeinde Region Sulgen, in mehreren Etappen realisieren möchte. Die vier Grossbuchstaben stehen für «Familienergänzende Angebote für die ausserschulische Betreuung».

Das Projekt zielt insbesondere auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab. In der heutigen Gesellschaft erhöht sich der Stellenwert dieses Anliegens laufend, politisch hat es den Ruf eines heissen Eisens verloren. Im Kanton Thurgau gibt es seit rund zehn Jahren ein Konzept für eine koordinierte Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Es dient dem Projektteam quasi als Kompass. Andrea Müller-Richner, Mitglied des Projektteams, erklärt:

«Die Gemeinde hat heute den Auftrag, solche Angebote zu machen.»

Im kürzlich abgeschlossenen Vorprojekt, das zu Jahresbeginn in Angriff genommen wurde und das nun die Grundlage für das Hauptprojekt im zweiten Halbjahr 2020 bildet, spielte eine Umfrage die zentrale Rolle. Sie wurde vom 28. Februar bis 8. März anonym in digitaler und analoger Form durchgeführt. Adressaten waren rund 600 Personen, gültig teilgenommen haben 154. «Diese Umfrage war eine unverzichtbare Standortbestimmung, mussten wir doch in Erfahrung bringen, ob es in der Region überhaupt ein Bedürfnis für Betreuungsangebote gibt», führt Heinz Gfeller, der Leiter des Projektteams, aus.

Das Projektteam

Mit der Realisierung des Projekts FAME befasst sich ein Team, dem die folgenden Personen angehören: Christoph Stäheli, Präsident Volksschulgemeinde Region Sulgen; Andreas Opprecht, Gemeindepräsident Sulgen; Heinz Keller, Gemeindepräsident Kradolf-Schönenberg; Michèle Artho, Gemeinderätin Sulgen; Andrea Müller-Richner, Gemeinderätin Kradolf-Schönenberg; Heinz Gfeller (Leiter), Mitglied der Volksschulbehörde Region Sulgen; sowie – als nicht stimmberechtigte Mitglieder – Jacqueline Gasser (Schulleiterin) und Rahel Müller (Protokoll), Mitglied der Volksschulbehörde Region Sulgen. (st)

Umfrage weist ein klares Bedürfnis aus

Die Auswertung der zehnteiligen Umfrage zeigt ein grundsätzliches Interesse am Projekt FAME. Gut ein Drittel der Teilnehmenden spricht sich für eine schulergänzende Betreuung von Schulkindern aus, ein Fünftel wünscht sich eine Betreuung von Kleinkindern, wobei zu diesen 20 Prozent auch der Betreuungsbedarf aufgrund unregelmässiger Arbeitszeit gehört. Rahel Müller, die im Projektteam ebenfalls mitarbeitet, ist überzeugt, dass die Zustimmung noch klarer ausgefallen wäre, hätte die Umfrage während des coronabedingten Lockdowns stattgefunden.

Spitzenreiter auf der Wunschhitliste ist der Mittagstisch, den Kradolf-Schönenberg und Sulgen bereits jetzt anbieten, was eine organisatorische Zusammenlegung im Rahmen des Projekts FAME sinnvoll erscheinen lässt. Grosses Interesse besteht auch an einer Frühbetreuung (7 bis 8.15 Uhr) sowie an einer Betreuung während der Schulferien. «Das Bedürfnis für familienergänzende Angebote, wie wir sie ins Auge fassen, darf aufgrund der Umfrage als unbestritten bezeichnet werden», stellt Heinz Gfeller fest.

Betriebsaufnahme im Sommer 2022

Der Projektleiter betont, dass die Qualität der Angebote ein wichtiger Faktor sein werde:

«Die Eltern sollen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in guten Händen sind.»

Seine Teamkollegin Michèle Artho unterstreicht diesen Anspruch: «Es werden ausgebildete, qualifizierte Leute angestellt, die ganz genau wissen, was für die Kinder gut ist.»

Wichtige Fragen, die im Zuge des Hauptprojekts zu beantworten sind, betreffen die Finanzierung, die Organisationsform und die Standorte. Laut Gfeller ist vorstellbar, dass die Eltern einen Drittel der Kosten tragen. Zwei Drittel würden somit auf die beiden politischen Gemeinde und die Volksschulgemeinde sowie den noch zu gründenden Verein entfallen. Bei den Tarifen werde man sich an Beispielen in der Region (Amriswil, Erlen) orientieren. Die Standorte sollten sich idealerweise in Schulnähe befinden.

Das Detailprojekt ist für die ersten neun Monate des nächsten Jahres vorgesehen. Für die darauffolgende Umsetzung ist derselbe Zeitaufwand eingeplant, sodass FAME im August 2022 den Betrieb aufnehmen könnte. Das letzte Wort haben der Kanton und das Stimmvolk.