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Interview

HC Thurgau-Präsident Stahel: «Der Verwaltungsrat hat die Personalie Paul Kaiser unterschätzt»

An der Generalversammlung vom Donnerstagabend wird abgerechnet: Dank des Halbfinaleinzugs in der abgelaufenen Saison kann der HC Thurgau eine sechsstellige Gewinnsumme präsentieren. Doch trotz sportlichen und finanziellen Erfolgs sieht sich Verwaltungsratspräsident Hansjörg Stahel mit Kritik konfrontiert.
Matthias Hafen
Unter Präsident Hansjörg Stahel geht es beim HC Thurgau auch finanziell wieder aufwärts. (Bild: Reto Martin)

Unter Präsident Hansjörg Stahel geht es beim HC Thurgau auch finanziell wieder aufwärts. (Bild: Reto Martin)

Hansjörg Stahel, vor wenigen Tagen hat Ihr unterlegener Playoff-Gegner Ajoie ein Saisondefizit von über 100'000 Franken publik gemacht. Wäre das beim HC Thurgau auch die Realität, wenn die Viertelfinalserie anders ausgegangen wäre?

Hansjörg Stahel: Nein, denn der HC Ajoie hat in der Saison 2018/19 mit dem Halbfinaleinzug gerechnet. Wir budgetierten mit zwei Viertelfinalheimspielen. Alles, was danach kam, füllte unsere Kasse.

Dann muss die Kasse des HCT ja proppenvoll sein nach dem erreichten Halbfinal gegen La Chaux-de-Fonds.

Alleine vom angestiegenen Zuschauerdurchschnitt in der Qualifikation war klar, dass wir finanziell eine gute Saison haben werden. Unser grosses Ziel war es dann nach dem erfolgreichen Playoff, die Meisterschaft mit einer sechsstelligen Gewinnsumme abzuschliessen – und das haben wir deutlich erreicht.

Wo wurde das Geld vor allem eingenommen?

Nebst den Ticketverkäufen haben wir auch im Catering gute Arbeit geleistet. Die Einnahmen dort – sowohl im Stadion wie auch im Thurgauer Dörfli – konnten wir in der vergangenen Saison nochmals um 45 Prozent steigern. Das ist eine ganz wichtige Einnahmequelle für uns. Dazu brachte uns auch der Besuch der Schweizer Nationalmannschaft mit dem Trainingslager im Mai und dem WM-Testspiel gegen Lettland nebst viel positivem Image auch noch eine schöne Summe ein.

Wie würden Sie die vergangene Saison des HC Thurgau titulieren?

Es war eine Rekordsaison – nicht nur sportlich die beste seit 21 Jahren, sondern auch finanziell eine der besten. Sicher eine, die in die Geschichte des Clubs eingeht.

Im Playoff-Viertelfinal besiegte der HC Thurgau den HC Ajoie in sieben Spielen und erreichte erstmals seit 21 Jahren wieder die Playoff-Halbfinals in der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. März 2019)

Im Playoff-Viertelfinal besiegte der HC Thurgau den HC Ajoie in sieben Spielen und erreichte erstmals seit 21 Jahren wieder die Playoff-Halbfinals in der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga. (Bild: Mario Gaccioli, Weinfelden, 6. März 2019)

Also eitel Sonnenschein beim HC Thurgau?

Wir können uns im Moment nicht gross beklagen, das stimmt. Aber in einem so wichtigen Sportunternehmen wie dem HC Thurgau herrscht nie eitel Sonnenschein.

Sie sagen es. Im grössten Erfolg der Neuzeit produzierte der HCT gleich selber einen kleinen Skandal, indem er seinen langjährigen Marketingmitarbeiter Paul Kaiser freistellte. Wie kam es dazu?

Wir müssen uns im Marketing neu aufstellen und wollten jetzt schon eine Lösung für die Zeit nach Paul Kaisers Pensionierung aufgleisen. Mit einer zusätzlichen Person strebten wir eine saubere Übergangslösung für die nächsten zwei, drei Jahre an. Damit waren nicht alle einverstanden. Wenn man jahrelang alleine gearbeitet hat, ist es auch nicht so einfach, plötzlich mit jemandem zusammenarbeiten zu müssen. Da mache ich Paul Kaiser auch keinen Vorwurf. Es schien aber so nicht zu funktionieren und irgendwann kam der Verwaltungsrat zur Einsicht, dass man lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende hat und trennte sich von Paul Kaiser.

Fakt ist, dass Paul Kaiser weiterhin für den HC Thurgau arbeitet, weil der Druck der Sponsoren zu gross wurde. Hat der Verwaltungsrat die Personalie Kaiser unterschätzt?

Ja, das kann man im Nachhinein sagen.

Sind die Wogen nun geglättet? Oder was ist an der Generalversammlung am Donnerstag zu erwarten?

Grundsätzlich sind alle Wogen geglättet. Paul Kaiser verkauft in einem Mandatsverhältnis im Aussendienst weiterhin Werbung für den HC Thurgau und tut dies sehr motiviert und erfolgreich.

Und was zieht der Verwaltungsrat für Konsequenzen?

Der Verwaltungsrat des HC Thurgau stellt sich an der GV in globo zur Wiederwahl.

Das überrascht. Vor allem, weil Vizepräsident Max Hinterberger schon lange vor der Geschichte mit Paul Kaiser angekündigt hatte, an der diesjährigen Generalversammlung aus dem Verwaltungsrat zurückzutreten.

Wir sind uns bewusst, dass es in den nächsten Jahren Änderungen geben wird im Verwaltungsrat des HC Thurgau. Mit dem Abgang von Geschäftsführer Patrick Bloch und anderen personellen Veränderungen auf der Geschäftsstelle wäre jetzt aber ein schlechter Zeitpunkt dafür.

Was haben Sie persönlich für Zukunftspläne?

Das kann ich im Moment nicht sagen. Ich bin offen für alles, aber ich kann und will diesbezüglich auch nicht zu weit nach vorne schauen.

Finanziell läuft es rund unter Ihnen als Präsident. Was spricht dafür, dass es in diese Richtung weitergeht?

Der kontinuierliche Erfolg der vergangenen Jahre hat uns bei den bestehenden Sponsoren und potenziellen neuen Sponsoren zusätzlichen Goodwill eingebracht. Wir haben heute so viele Sponsoringverträge unter Dach und Fach wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Andererseits budgetieren wir angemessen, rechnen auch in Zukunft nicht mit mehr als zwei Viertefinalheimspielen. Die Ausgaben verfolgen wir penetrant genau und achten darauf, dass wir nirgends überborden. Das ändert auch mit dem Erfolg nicht.

Im Halbfinal gegen La Chaux-de-Fonds war für den HC Thurgau dann Schluss. Nach dem verlorenen fünften Spiel und einer insgesamt grossartigen Saison werden die Ostschweizer von ihren Anhängern dennoch gefeiert. (Bild: Mauricette Schnider, La Chaux-de-Fonds, 20. März 2019)

Im Halbfinal gegen La Chaux-de-Fonds war für den HC Thurgau dann Schluss. Nach dem verlorenen fünften Spiel und einer insgesamt grossartigen Saison werden die Ostschweizer von ihren Anhängern dennoch gefeiert. (Bild: Mauricette Schnider, La Chaux-de-Fonds, 20. März 2019)

Also durfte die Swiss-League-Mannschaft für die kommende Saison nicht mehr kosten als die alte?

Wir haben das Budget für das Swiss-League-Kader leicht erhöht. Ich bin aber überzeugt, dass wir sportlich deutlich besser sind als im Vorjahr, also viel mehr Qualität für wenig mehr Geld bekommen.

Wie schätzen Sie die neue Mannschaft ein?

Erstmals seit langem konnten wir das Gros der Mannschaft zusammenhalten, was uns vor allem zu Beginn der Saison zugutekommen dürfte. Wir werden auf dem Papier eine der stärksten Defensiven der Liga haben. Offensiv haben wir uns geschickt verstärkt und die beiden neuen, kanadischen Zwillinge Connor und Kellen Jones sollten auf dem Papier noch stärker sein als die beiden Amerikaner Cody Wydo und Kenny Ryan in der vergangenen Saison.

Neu mit einem Geschäftsführer für die HCT Young Lions

Mit dem neuen Geschäftsjahr übernimmt Martin Büsser die Geschäftsführung des HC Thurgau von Patrick Bloch, der neuer CEO des nationalen Verbands Swiss Ice Hockey wird. Daneben ernannte der HCT den Engwanger Thomas Imhof zum Geschäftsführer der Nachwuchsorganisation Young Lions. Mit dem Engagement von Imhof professionalisiert der Swiss-League-Club seine Strukturen weiter. Ziel war es, nebst einem vollamtlichen Geschäftsführer, eine zusätzliche Vollzeitstelle zu schaffen, die zum einen als Geschäftsführer der Nachwuchsorganisation HCT Young Lions fungiert und zum anderen als stellvertretender Geschäftsführer des HC Thurgau tätig sein wird, wie es im Communiqué des Clubs heisst. «Der HCT ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden und auch ein adäquates Risikomanagement innerhalb der Geschäftsstelle zu gewährleisten, hat sich der Verwaltungsrat entschieden, eine zusätzliche Hundertprozentstelle zu schaffen», sagt Präsident Hansjörg Stahel. «Wir sind sehr froh, mit Thomas Imhof eine junge, dynamische Persönlichkeit gefunden zu haben, die sich bereits in der vergangenen Saison im Ressort Kommunikation für den HCT engagierte.» Der 32-jährige, diplomierte Betriebswirtschafter Imhof arbeitete zuletzt hauptberuflich für die Thurgauer Kantonalbank. (mat)

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