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Interview

Zukünftiger SIHF-CEO: «Ich schliesse nicht aus, dass der Eishockeyverband auch mal sparen muss»

Offene Kabinentüren für die Medien und ein kostenbewusstes Arbeiten innerhalb der Swiss Ice Hockey Federation: So will der designierte Geschäftsführer Patrick Bloch das Schweizer Eishockey nahbarer machen und auf Erfolgskurs halten.
Matthias Hafen
«Es kommt nicht so darauf an, was die Leute denken, wenn du kommst. Es ist wichtig, was sie denken, wenn du gehst», sagt der 33-jährige Patrick Bloch. (Bild: Mario Gaccioli)

«Es kommt nicht so darauf an, was die Leute denken, wenn du kommst. Es ist wichtig, was sie denken, wenn du gehst», sagt der 33-jährige Patrick Bloch. (Bild: Mario Gaccioli)

Thurgaus Geschäftsführer Patrick Bloch wurde als neuer CEO des Schweizerischen Eishockeyverbands vorgestellt. Am Hauptsitz in Glattbrugg übernimmt der 33-Jährige voraussichtlich ab September den Vorsitz über die Geschäftsstelle, die Finanzen und die gesamte Geschäftsleitung.

Patrick Bloch, Sie haben stets betont, ein grün-weiss-gelbes Herz zu haben. Wie bringen Sie dieses nun zum Stoppen?

Muss ich es denn zum Stoppen bringen? Der HC Thurgau wird immer in meinem Herzen bleiben. Der Club hat mir die Chancen gegeben, den Weg zu gehen, der mich jetzt an die Spitze von Swiss Ice Hockey geführt hat. Ich will und werde das nie vergessen.

Aber als CEO des Verbandes sollte Ihr Herz doch für alle Schweizer Clubs schlagen.

Das wird es gewissermassen auch. Ich übernehme bei Swiss Ice Hockey einen sportpolitischen Job. Mein Fokus wird das Schweizer Eishockey im Ganzen sein. Es gibt im Land viele kleine Vereine und Nachwuchsorganisationen, die das Fundament der National League und der Swiss League bilden. Mir ist wichtig, dass sich alle vertreten fühlen von der Swiss Ice Hockey Federation.

Was hat Sie zum Wechsel bewogen?

Diese Chance musste ich einfach nutzen. Meine Absicht war es nicht, den HC Thurgau zu verlassen. Ich hätte mir zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht vorstellen können, innerhalb der Swiss League zu wechseln. Ich werde den HCT und die Leute, die ihn zu dem machen, was er heute ist, mit Wehmut verlassen. Aber es war auch klar, dass im HC Thurgau einmal eine Zeit nach mir kommen wird. Nun ist sie früher da, als ich es erwartet habe.

Inwiefern können Sie im Verband von Ihrer Zeit beim HC Thurgau profitieren?

Es hilft mir sicher, dass ich von einem kleineren Club komme. Ich war beim HC Thurgau vom Ticketing über den ganzen Spielbetrieb, die sportliche Leitung bis hin zu den Finanzen für fast alles zuständig. Ich weiss also, wovon ich rede. Zudem war der HC Thurgau ziemlich am Boden, als ich 2015 als Geschäftsführer eingestellt worden bin. Mit Engagement und Aufopferung haben wir ihn zu einer guten Adresse der Swiss League gemacht. Diese Leistungsbereitschaft will ich mit zu Swiss Ice Hockey nehmen und zeigen, dass mit viel Engagement auch viel erreicht werden kann.

Der ehemalige Verteidiger Patrick Bloch wurde mit 29 Jahren Geschäftsführer des HC Thurgau und übernimmt nun mit 33 Jahren die Geschäftsleitung der Swiss Ice Hockey Federation. (Bild: Mario Gaccioli)

Der ehemalige Verteidiger Patrick Bloch wurde mit 29 Jahren Geschäftsführer des HC Thurgau und übernimmt nun mit 33 Jahren die Geschäftsleitung der Swiss Ice Hockey Federation. (Bild: Mario Gaccioli)

Was haben Sie für Ziele mit dem Schweizerischen Eishockeyverband?

Ich muss mir zuerst einmal ein Bild machen, wenn ich im September die neue Stelle antrete. Ein grosses Projekt ist sicher die Heim-Weltmeisterschaft 2020 in Zürich und Lausanne. Grundsätzlich möchte ich, dass das Schweizer Eishockey nahbar ist. Wir müssen sympathisch auftreten. Unsere Aufgabe ist es, die Jungen zu fördern, Kinder zum Eishockeysport zu animieren. Wir müssen raus zu den Leuten, damit sie Kontakt zu uns haben. Ich halte nicht viel von den grossen Fussballstars, die sich immer mehr abschotten.

Das ist dann aber vor allem die Arbeit der Clubs, oder?

Ganz klar: Das Produkt sind die Clubs. Wir als Verband müssen die Voraussetzungen schaffen, damit der Eishockeyverband zum beliebtesten Sportverband der Schweiz wird. Dazu gehört, Nähe zu schaffen. Ich verstehe zum Beispiel nicht, weshalb die Teams nach dem Spiel ihre Kabinen nicht öffnen für die Medien, wie es in Nordamerika gang und gäbe ist und auch am Spengler Cup gut ankommt. Wir müssen unsere Kunden bei uns behalten und ihnen solche Erlebnisse bieten.

Sie waren ja auch Spieler. Haben Sie kein Verständnis dafür, dass die Kabine ein geschützter Bereich ist?

Wieso denn? In der NHL geht es ja auch. Das bringt Nähe, die das Eishockey zu einem Erlebnis macht. Beim HC Thurgau haben wir ein Erlebnisticket eingeführt, mit dem zwei Personen während des Spiels auf der Spielerbank (am Rande, Red.) stehen können. Das ist ein Riesenerfolg.

Das Schweizer Eishockey befindet sich in einem Allzeithoch. Sportlich mit der WM-Silbermedaille der A-Nationalmannschaft wie auch finanziell mit den bestdotierten TV-Verträgen der Geschichte. Eigentlich können Sie als Nachfolger von Florian Kohler nur verlieren, oder?

Ich will primär den erfolgreichen Weg weitergehen. Ich fühle mich aber nicht als Verlierer, wenn er nicht mit dem WM-Titel endet. Es wird Herausforderung genug sein, den Verband auf diesem Niveau halten zu können, zumal die TV-Verträge auslaufen und neu verhandelt werden müssen. Kommt dazu, dass auch Verträge von wichtigen Sponsoren auslaufen. Wir müssen für die Zukunft ganz klar ein Kostendenken verinnerlichen bei Swiss Ice Hockey. Und ich schliesse nicht aus, dass der Verband auch einmal sparen muss. Kostenbewusst zu wirtschaften, das habe ich gelernt beim HC Thurgau.

Beim HC Thurgau klafft nun eine grosse Lücke auf. Was hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger?

Einen Club, der wieder für Leidenschaft steht. Und auch einen, der wieder gut strukturiert ist. Aber das ist längst nicht nur mein Verdienst. Es gibt mittlerweile viele Leute, die den HC Thurgau tragen und sich tagtäglich für ihn einsetzen. Ich werde sicher mit einem weinenden Auge gehen, aber auch mit dem guten Gewissen, keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen.

Zahlen sind Patrick Blochs zweite Leidenschaft

Als Spieler absolvierte Patrick Bloch elf Partien in der NLA für seinen Stammverein Davos und Basel sowie 392 Partien in der NLB für Biel, die GCK Lions, La Chaux-de-Fonds, Olten und Thurgau. Während seiner Spielerkarriere bildete sich der Verteidiger stets weiter, nutzte nach dem KV in Davos ein Auslandsjahr in Kanada, um Englisch zu lernen und besuchte in Biel die Berufsmatura. Während seiner Zeit in La Chaux-de-Fonds arbeitete er für Tissot, perfektionierte dort sein Französisch und lernte seine heutige Frau kennen. Schliesslich bildete er sich zum Betriebsökonom FH aus, wobei er sich auf die Tätigkeitsfelder Finanzen und Controlling spezialisierte. Nach seinem Rücktritt 2015 wurde der heute 33-jährige Geschäftsführer des HC Thurgau. Bloch lebt mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern im Thurgau, wo er auch künftig wohnen bleibt. (mat)

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