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Einziges Spielwarengeschäft in der Region Weinfelden schliesst

Nach über 20 Jahren schliesst Heidi Walraf ihr Spielwarengeschäft Spiwal. Die Gründe sind vielfältig. Hauptsächlich ihr Alter und eine Überbauung führten dazu. Doch den Spass am Spielen hat sie bis heute nicht verloren.
Sabrina Bächi
Spass am Spiel hat Spiwal-Besitzerin Heidi Walraf. Sie schliesst ihren Laden Ende März. (Bild: Reto Martin)

Spass am Spiel hat Spiwal-Besitzerin Heidi Walraf. Sie schliesst ihren Laden Ende März. (Bild: Reto Martin)

Die Geschichte Weinfelder Spielwarengeschäfte reicht weit zurück. Nun schliesst das letzte seiner Art in rund drei Monaten. Spiwal-Besitzerin Heidi Walraf hat sich zu diesem Schritt entschlossen. Eine Nachfolgelösung konnte bis jetzt nicht gefunden werden. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass nicht nur der Laden schliesst, sondern das Haus, worin sich das Geschäft befindet, abgerissen wird und einer grossen Überbauung weicht.

«Es sind so viele Dinge zusammengekommen», sagt Heidi Walraf. «Mein Alter und der Abbriss waren aber die Hauptgründe.»Ab dem 15. Januar beginnt der Ausverkauf des Ladens. Ende März schliesst er für immer.

Die Weinfelder ins Herz geschlossen

Ende der 80er Jahre kam die gebürtige Aargauerin nach Weinfelden. «Ich habe mich auf den ersten Blick in Weinfelden verliebt», sagt sie. Rund sechs Jahre lang arbeitete sie als Geschäftsführerin beim Vorgängergeschäft Waltoy, bevor sie 1995 das Geschäft kaufte und in die GmbH Spiwal umwandelte.

Seither führt die alleinerziehende Mutter das Geschäft erfolgreich. «Ich kann fast nicht ins Dorf, so viele Leute kennen mich. Aber das ist auch unglaublich schön. Die Weinfelder haben mich von Anfang an akzeptiert und ich habe sie ins Herz geschlossen.»

Die Kundschaft kennen ist wichtig

Die Leute im Dorf zu kennen sei aber auch für den Beruf sehr wichtig, sagt Walraf. «Ich weiss genau, dass ich Spiele von Herr der Ringe oder Harry Potter nicht kaufen muss, das besorgen sich die Leute beim Grossverteiler», sagt die 69-Jährige.

Inspiration für den Bestand in ihrem Laden holt sie sich aus den Fachzeitschriften oder auf den grossen Spielwarenmessen etwa in Nürnberg. «Zu Weihnachten, zur Fasnacht und für den Sommer gehe ich an die Messen», erzählt Walraf. Die Auswahl und das Sortiment seien riesig und vielfältig.

«Die meisten sind ob der Auswahl schlicht überfordert. Ich habe wohl so was wie ein Gespühr für die Spiele, die meine Kunden wollen.»

Es kam in den vergangenen Jahren jedoch auch immer wieder vor, das Kunden sie zum Kauf eines Spiels animierten, welches dann ein Verkaufsschlager wurde. «Das beste Beispiel ist die Diddl-Maus», sagt Walraf. Vor über 20 Jahren kam eine Kundin in ihr Geschäft und bestellte eine Diddl-Maus. «Ich kannte das damals nicht, aber es wurde der Absatzträger schlechthin, über 20 Jahre lang. Diddl ist wirklich ein Phänomen. Das habe ich so nie wieder erlebt.» Die Branche habe sich sehr verändert.

Ein Schaukelpferd ist nicht mehr gefragt

«Die Wünsche der Kinder sind komplett anders als noch vor ein paar Jahren.» Ein Schaukelpferd, einen Puppenwagen oder eine Dampfmaschine, das sei heute kaum noch gefragt. «Die Kinder spielen anders, etwa mit elektronischen Spielen.» Das führe sie nicht im Sortiment. Zudem hat sich Heidi Walraf auf das Kleinkind und klassische Spiele konzentriert. «Bei allem anderen sind wir nicht konkurrenzfähig.»

Hochkonjunktur haben immer noch die Kinderpost, der Verkäuferli-Laden oder vor allem Spielgeld. Ebenso Kinder-Bilderbücher. «Oder eben Spiele wie UNO oder der schwarze Peter sind auch immer noch gefragt.» Sie selbst jasst am liebsten. «Oder würfeln, das finde ich auch toll», sagt die gelernte Detailhandelsfachfrau.

«Beim Würfeln braucht es Glück, beim Jassen Strategie. Das ist die Essenz des Lebens: Glück und Strategie», sagt sie und lacht.

Sie glaubt nicht an ein Lädelisterben

Tagtäglich werde in der Familie gespielt. Auch nach der Schliessung des Spiwals wird sie von den Spielen nicht loskommen. «Mein Partner und ich verreisen mit dem Camper. Da kommen Spiele immer mit.»

Viele Umstände hätten zur Schliessung geführt. An ein eigentliches Lädelisterben in Weinfelden glaubt sie jedoch nicht. «Vielleicht gibt es auch bald wieder eines in Weinfelden», sagt sie. Denn ihre Kunden bedauern die Schliessung des einzigen Spielwarengeschäfts der Region. Schliesslich gibt auch die optimistische und fröhliche Heidi Walraf zu:

«Ich werde es vermissen. Denn es war nie ein Muss für mich. Ich habe hier jeden Tag mit grosser Freude gearbeitet, geschwatzt und beraten.»

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