Der Amriswiler Werkhof war einst der schönste im Kanton, nun soll er abgebrochen werden

Der Werkhof Amriswil entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Nun sind Neubaupläne endlich spruchreif.

Manuel Nagel
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Der Amriswiler Werkhof an der St.Gallerstrasse, wie er sich aktuell präsentiert. Die grosse «Schüür» in der Mitte des Areals soll abgerissen werden und einem Neubau Platz machen. Das Gebäude dahinter bleibt bestehen, wie auch das Wohnhaus an der Strasse. Zwischen diesem und den beiden Silos soll es noch ein Lagerhalle geben.

Der Amriswiler Werkhof an der St.Gallerstrasse, wie er sich aktuell präsentiert. Die grosse «Schüür» in der Mitte des Areals soll abgerissen werden und einem Neubau Platz machen. Das Gebäude dahinter bleibt bestehen, wie auch das Wohnhaus an der Strasse. Zwischen diesem und den beiden Silos soll es noch ein Lagerhalle geben.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 2. Juli 2020)

Es ist eine mächtige Scheune, die an der St.Gallerstrasse 11a steht. «Als der Werkhof seinerzeit dorthin umgezogen ist, hat man Fredi Schneider beneidet um seinen Werkhof», sagt Manfred Wagner, Bauverwalter der Stadt Amriswil. Schneider war der damalige Leiter des Werkhofs, der in jener Zeit zu den grössten und schönsten im ganzen Kanton zählte. Damals, das war vor fast 50 Jahren. Schneider fing 1971 am neuen Ort an und übte diesen Job bis zu seiner Pensionierung 2009 aus.

Mittlerweile ist der Werkhof spürbar in die Jahre gekommen und nicht mehr zweckmässig. Die Suva habe immer wieder etwas beanstandet, was dann auch stets umgehend erledigt wurde. «Wir haben Bodensicherungen und Geländer erstellt sowie abschliessbare Schränke für die Gefahrengüter angeschafft», zählt Wagner nur ein paar Dinge auf, was im Laufe der letzten Jahre jeweils ad hoc gemacht werden musste. Der städtische Bauverwalter sagt:

«Auch vom Umweltschutz hocken sie uns auf. So dürfen wir etwa unsere Fahrzeuge nur noch mit Kalt- statt Warmwasser waschen.»

Und die ganze Elektroinstallation sei vom Elektroinspektorat «abgeschätzt und nur noch auf Zusehen geduldet», weil es Pläne für einen Neubau gebe.

Doch Wagner betont auch, dass sämtliche Suva-Richtlinien eingehalten werden. Dazu habe man aber in den letzten Jahren mehrere 10000 Franken in den Werkhof investieren müssen. Deshalb müsse man sich schon fragen, ob es nicht eine umfangreiche Sanierung oder eben einen Ersatzneubau brauche.

Standort im Zentrum ist eigentlich ideal

Geht es nach Bauverwalter Wagner, so soll ein Neubau her – und zwar am selben Ort, wo jetzt die Scheune steht. Ein alternativer Standort sei geprüft worden, sagt Wagner, «doch der jetzige Standort in Zentrumsnähe ist ideal», findet er. «Zudem ist es wichtig, dass wir auch im Stadtzentrum eine gute Durchmischung von Arbeitsplätzen und Wohnungen haben», ergänzt Manfred Wagner.

Manfred Wagner ist Bauverwalter der Stadt Amriswil.

Manfred Wagner ist Bauverwalter der Stadt Amriswil.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 2. Juli 2020)
«Die Hauptarbeiten der Werkhofmitarbeiter sind schon im Zentrum.»

Die Diskussion kam auf, als der Kanton den Standort vom Kantonalen Werkhof im Schrofen bekanntgab. Da wurde auch geprüft, ob sich nicht Synergien ergeben könnten. Diese Pläne verwarf man jedoch bald wieder.

Mit ein Grund, dass man am angestammten Standort festhielt, war auch die Entsorgung. Auch wenn Amriswil diesbezüglich gut aufgestellt ist mit dem RAZ, der Muldenzentrale sowie der Firma Huber, so braucht es auch im Süden der Stadt einen Sammelpunkt. Wagner sagt:

«Das gehört zum Service Public und wir stören dort auch niemanden.»

Doch für ihn ist klar, dass der städtische Werkhof in diesem dynamischen Geschäft nicht mehr alles annehmen muss, was man jetzt dort abgeben kann, sondern sich auf wenige Stoffe wie etwa Büchsen, Glas und Kleider konzentriert. Allerdings würde man die Entsorgung neu organisieren, sodass es die Werkhofmitarbeiter weniger in ihren Arbeitsabläufen tangiert.

Bei optimalem Verlauf ist Ende 2023 Einweihung

Abtrennen vom Werkhofbetrieb will man auch die Lagerung der Marktstände und Festgarnituren, die für zahlreiche Veranstaltungen benutzt und teilweise von den Veranstaltern direkt und eigenständig abgeholt werden. Dafür soll es zwischen den beiden Salzsilos und dem Wohnhaus an der St.Gallerstrasse eine zweckmässige und nicht isolierte Einstellhalle geben.

Überhaupt hat sich die Bauverwaltung schon ganz konkrete Vorstellungen gemacht, was der Ersatzneubau für die «Schüür» mit Baujahr 1941 alles beinhalten soll. Es besteht rund 60 Prozent mehr Platzbedarf und auch die ganzen Betriebsabläufe geben vieles bereits vor. Ausserdem soll es auch eine Umkleidekabine mit Dusche für Frauen geben. Schliesslich sollen im Werkhof nicht nur Arbeitsplätze für Männer angeboten werden.

Deshalb gibt es keinen Architekturwettbewerb, sondern ein sogenanntes Planerwahlverfahren. Bis September läuft die Präqualifikation und bis Dezember können die besten fünf Büros ihr Projekt einreichen. Die Baukommission wird anschliessend das Siegerprojekt voraussichtlich im Juni 2021 der Bevölkerung zur Abstimmung vorlegen. Läuft alles wie geplant, wird der Werkhof schon Ende 2023 eingeweiht werden.

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