Einsprachen
«Das ist kein Dörfli. Das ist eine Kaserne»: Die Gegner des Kreuzlinger Reka-Projekts haben sich zu einer IG zusammengeschlossen

Anwohner im Gebiet Seezelg hoffen, den Bau des Feriendorfs noch verhindern zu können. Für die Stadtbewohner sei die Anlage kein Gewinn, sondern ein Verlust.

Martina Eggenberger Lenz
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Claudia Hofstatt, Klaus Frei, Margrit Klein, Claire Traub und Ursula Frei auf der verschneiten Wiese, wo das Rekadorf gebaut werden soll.

Claudia Hofstatt, Klaus Frei, Margrit Klein, Claire Traub und Ursula Frei auf der verschneiten Wiese, wo das Rekadorf gebaut werden soll.

Bild: Donato Caspari

Am liebsten wäre es ihnen, es würde alles so bleiben, wie es ist. Die grosse grüne Wiese, der schmale Fussweg am Ufer entlang, der Strand mit seinen heutigen Nischen. Doch die Anwohner aus dem Gebiet Seezelg sehen sich mit grossen Veränderungen konfrontiert, wenn das Rekadorf und die Sportstätten die Siedlungslücke zwischen Bottighofen und Kreuzlingen schliessen.

Schon seit Herbst 2019 versuchen sie auf Einsprache-Ebene, den Bau der Anlagen zu verhindern. Von der Stadt fühlen sie sich übergangen, weshalb sie sich nun zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben und die Öffentlichkeit suchen, unter anderem mit einer Homepage. Klaus Frei, einer der Wohnungseigentümer, sagt:

«Man könnte meinen, dem Stadtrat sei die Reka wichtiger als die eigenen Einwohner.»

Wenn Ernst Zülle erzähle, den Einsprechern gehe es nur um deren Seesicht, mache er es sich sehr einfach. «Mir geht es überhaupt nicht um die Seesicht. Ich befürchte, dass wir mit dem Projekt den Zugang zum Areal verlieren. Das Rekadorf ist privat», sagt Margrit Klein, eines der IG-Mitglieder. Claudia Hofstatt sieht das ähnlich. «Heute haben wir hier eine so schöne Natur. Das soll jetzt alles zerstört werden?» Kuno Traub weist darauf hin, dass viele Kreuzlinger gerne den Spazierweg benutzen, gerade die Hündeler. «Wo haben die nachher noch Platz?»

Das Baugesetz spielt keine Rolle

Die gewichtigen Gründe gegen den ersten Gestaltungsplan Seezelg würden von der Stadt einfach ignoriert durch die Auflage des neuen Gestaltungsplans Seezelg II. Die Mitglieder der IG fragen sich: «Werden nun noch Gestaltungsplan III, IV und V folgen, um die Bedenken der Bürger zu übergehen? Und nehmen die Behörden an, dass ein nicht angefochtener Gestaltungsplan über dem gültigen Baugesetz liegt? Das sind Wild-West-Methoden.»

Die Einsprecher stören sich an vielen Punkten des Projekts. Grundsätzlich stellen sie in Frage, ob die öffentliche Hand ein privates Feriendorf mitfinanzieren soll. Ursula Frei findet:

«Das hat die Reka doch gar nicht nötig, dass man ihr mit unseren Steuergeldern beim Bau hilft.»

Weiter weisen sie darauf hin, dass im Richtplan stehe, die Uferzone solle grossflächig von einer Überbauung freigehalten werden. Die «Megabaustelle» zerstöre Flora und Fauna. Der Zonenzweck, nämlich Freizeit und Erholung für die Bevölkerung, werde mit dem Rekadorf nicht erfüllt. Man verlege den Fussweg vom See weg und schaffe einen breiten Uferstreifen, wohl als Spielbadeplatz für die Feriengäste – auf Kosten der Einheimischen.

Ein Fussballstadion? «Schlicht pervers»

Auch was die Zahlen betrifft, sind die IG-Mitglieder skeptisch. Das erstellte Gutachten zeige auf, dass die Emissionen die Grenzwerte überschreiten würden. Das Hauptaugenmerk der Kritiker liegt hier bei den Fussballplätzen, «die ja wahrscheinlich eh nie gebaut werden», wie Claire Traub zu bedenken gibt. Ein Stadion mit Tribüne bedeute Lärm und Licht. «Es ist schlicht pervers, hier Fussballplätze zu planen», meint Klaus Frei.

Das aktuelle Baureglement lässt bekanntlich Bauten mit einer Länge von maximal 50 Metern zu. Reka will aber mit Baukörperlängen von fast 85 Metern bauen. Auch bei der Höhe halte man sich mit 14 statt 10 Metern nicht an die Vorschriften. «Das sieht dann nicht mehr aus wie ein Dörfli, sondern wie eine Kaserne», erklärt Ursula Frei. Das Verkehrsproblem mit der Zufahrt auf dem Bodensee-Radweg werde ebenfalls kleingeredet. «Wir wollen auf diesem Weg einfach noch einmal auf die Dimensionen und Auswirkungen der Gestaltungsplanänderung aufmerksam machen. Die meisten haben keine Ahnung», sagt Margrit Klein.