Einkaufen wie anno dazumal wird in Bischofszell bald möglich sein

Sieben Frauen eröffnen in der Rosenstadt demnächst den Laden «Emma’s Lebensmittel». Die Produkte werden sie unverpackt zum Kauf anbieten.

Georg Stelzner
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Vor dem künftigen Ladenlokal in der Kirchgasse: Dina Biedermann, Barbara Knuchel (hinten) und Doris Reifler.

Vor dem künftigen Ladenlokal in der Kirchgasse: Dina Biedermann, Barbara Knuchel (hinten) und Doris Reifler.

Bild: Georg Stelzner

Dina Biedermann, Andrea Burkhalter, Renate Hein, Jasmin Krall, Barbara Knuchel, Doris Reifler und Isabelle Rey. Vielleicht wird man sich diese Namen merken müssen. Dann nämlich, wenn die sieben Frauen mit ihrem Projekt Erfolg haben.

Reaktivierung eines alten Konzepts

Das Septett ist angetreten, um einem praktisch ausgestorbenen Verkaufsmodell, dem sogenannten Tante-Emma-Laden, in Bischofszell zu einer Renaissance zu verhelfen. Das bedeutet auch, dass die Waren wie in längst vergangenen Zeiten vor Ort abgewogen werden und unverpackt in den Verkauf gelangen.

Kunden müssen daher selber ein Gefäss mitbringen oder einen textilen Beutel im Geschäft erwerben. «Auf diese Weise wird es möglich sein, einen Beitrag zur Vermeidung von Abfall zu leisten», erklärt Dina Biedermann.

Umfassende Sanierung des Raums

Das vorgesehene Lokal an der Kirchgasse 17 ist derzeit noch eine Baustelle, auf der Hochbetrieb herrscht. Handwerker gehen ein und aus. Es staubt und der Lärmpegel ist bisweilen recht hoch. An der Hausfassade steht ein Gerüst.

Der Sanierungsbedarf ist beträchtlich. Ausserdem muss der rund 50 Quadratmeter grosse Raum für den zukünftigen Verwendungszweck hergerichtet werden. Doris Reifler ist zuversichtlich: «Wir hoffen, in der zweiten Aprilhälfte die ersten Kunden bedienen zu können.»

Ökologische und soziale Komponente

Entstanden ist die Idee für diesen Laden, den es in dieser Form in der Region noch nicht gibt, Ende 2018. Ein Dutzend Leute machte sich damals Gedanken über Möglichkeiten eines Detailhandels, der sich sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht von konventionellen Modellen abhebt. Geblieben ist eine siebenköpfige, weibliche Kerngruppe.

«Es soll ein Laden sein, in dem biologisch und sozial verträglich hergestellte Produkte aus der Region verkauft werden und der zugleich ein Treffpunkt für Leute ist, die unsere Ansichten teilen», sagt Barbara Knuchel.

Keine Konkurrenz für Wochenmarkt

Aufgrund der vorerst auf zwei Tage limitierten Öffnungszeiten werden Frischprodukte nicht zum Sortiment des Ladens gehören. Dafür aber Teigwaren, Gewürze, Kräuter, Hülsenfrüchte, Mehl und Dörrgemüse sowie Hygieneartikel, Produkte für die Körperpflege und Reinigungsmittel.

Der Bischofszeller Wochenmarkt auf dem Grubplatz werde somit nicht konkurrenziert, betonen Biedermann, Knuchel und Reifler. Vielmehr verstehe man «Emma’s Lebensmittel» als sinnvolle Ergänzung. Im Idealfall würden beide Angebote voneinander profitieren.

Initiantinnen erhalten Unterstützung

Im Moment deutet einiges darauf hin, dass die Bemühungen der Initiantinnen von Erfolg gekrönt sein werden. Bei entscheidenden Voraussetzungen ist bereits viel erreicht worden.

So werden von verschiedenen Seiten Möbel für die Ladeneinrichtung zur Verfügung gestellt, und auch die finanzielle Unterstützung mittels Crowdfunding ist erfreulich angelaufen.

«Der Besitzer der Liegenschaft kommt uns bei der Miete entgegen, was besonders in der Startphase überaus hilfreich ist», sagt Doris Reifler. Zufrieden ist man auch mit dem Standort des Ladens, wie Barbara Knuchel versichert: «Uns ist es wichtig, den Laden im Städtli zu haben, damit er auch zu Fuss gut erreichbar ist.» In Zeiten des Klimawandels sei auch ein solcher Faktor von Bedeutung.

Wer das Projekt finanziell unterstützen will, kann das im Rahmen eines Crowdfunding tun. Informationen: www.lokalhelden.ch/unverpackt-laden

Acht Stunden in der Woche geöffnet

Der Laden «Emma’s Lebensmittel» an der Kirchgasse 17 in Bischofszell wird von den sieben Frauen auf genossenschaftlicher Basis geführt. Er soll vorerst an zwei Tagen geöffnet sein: am Freitag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 13 Uhr. Ab wann das so sein wird, steht noch nicht fest. Die Initiantinnen rechnen mit einer Betriebsaufnahme im April. Eine künftige Ausdehnung der Öffnungszeiten ist denkbar. (st)