Grenze nach Konstanz für Schweizer dicht: Einkaufen nein - Arztbesuch ja

Ihr geliebtes Konstanz ist für viele Thurgauer bis auf Weiteres tabu: Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen hat Deutschland die Grenzkontrollen verstärkt. Wer über die Grenze will, braucht einen triftigen Grund.

Ida Sandl
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Deutschland schliesst die Grenzen zur Schweiz wegen des Coronavirus. Der Grenzübergang Wiesenstrasse ist keine grüne Grenze mehr.

Deutschland schliesst die Grenzen zur Schweiz wegen des Coronavirus. Der Grenzübergang Wiesenstrasse ist keine grüne Grenze mehr.

Andrea Stalder

Shoppen ist kein triftiger Grund, um nach Deutschland zu fahren. Seit Montag kontrollieren deutsche Grenzwächter, wer ins Land darf und wer nicht. Einkaufstouristen sind bereits zurückgeschickt worden. Ausfuhrscheine werden seit Samstag nicht mehr abgestempelt. Alles, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Erboste Reaktionen habe es deswegen nicht gegeben. Insgesamt reagieren die Betroffenen sehr verständnisvoll, sagt Daniel Rosin, Pressesprecher der deutschen Bundespolizei. Ihn direkt zu erreichen, geht gerade nicht. Zu viele Anfragen gehen ein, er arbeitet sie der Reihe nach ab.

Man muss den Grund glaubhaft machen können

Schweizer, die nach Deutschland wollen, brauchen dafür einen guten Grund. Den müssen sie dem Grenzpolizisten glaubhaft machen können. Jedes Detail ist noch nicht geklärt. Montag war auch erst Tag eins der Ausnahmesituation. Klar ist, dass weiter ins Land darf, wer dort arbeitet und es beweisen kann. «Am besten mit einer Bescheinigung des Arbeitgebers», sagt Rosin. Warenlieferungen sind erlaubt, medizinische Notfälle ohnehin. Wer einen triftigen humanitären Grund angeben kann, darf ebenfalls einreisen. Also: Arzttermin ja, Coiffeur nein. Kranke Mutter, die versorgt werden muss: Ja. Geburtstagsparty: Nein. «Es ist eine dynamische Situation, die sich ständig ändert», wirbt Rosin für Verständnis.

Und was, wenn die Liebe jenseits der Grenze liegt. Er könne nicht auf jeden einzelnen Fall eingehen, sagt Christian Werle von der Konstanzer Bundespolizei. Die Grenzwächter wüssten, was zu tun sei. In nächster Zeit sollen die Vorschriften auch noch konkreter werden.

Kleinere Übergänge könnten bald dichtgemacht werden

Kontrolliert werden nicht nur Autofahrer, sondern auch Fussgänger und Velofahrer. «Wir haben auch die kleinen Übergänge im Blick», sagt Werle. Doch die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland im Raum Konstanz ist 187 Kilometer lang. Das bringt die Bundespolizei trotz Verstärkung personell an ihre Grenzen. Werle schliesst nicht aus, dass kleinere Übergänge in nächster Zeit geschlossen werden. Bis auf weiteres zu ist der Zollübergang Rielasingen, allerdings wegen Krankheit. Hier hat das Corona-Virus zugeschlagen.

Wer einen deutschen Pass besitzt, darf weiterhin nach Deutschland einreisen. Die Rückkehr könnte aber zum Problem werden. Der Bundesrat hat am Montagabend entschieden, auch an der deutschen Grenze die Kontrollen zu verstärken. Die Einreise ist nur noch Schweizern, Personen mit einer Aufenthaltsgenehmigung und Grenzgängern erlaubt.

Auch der grenzüberschreitende Stadtbus, der «Rote Arnold», muss jetzt über den Zoll fahren, damit Kontrollen möglich sind. Billetts gibt es nicht mehr beim Fahrer, sondern nur noch an Vorverkaufsstellen oder online, erklärt Stadtwerke-Sprecher Christopher Pape.

Fähre nach Friedrichshafen mit Berufspendlern und Waren

Auf der Fähre zwischen Konstanz und Meersburg seien die Toiletten wegen Ansteckungsgefahr gesperrt. Die Autofähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen fährt gemäss Fahrplan. Sie sei ausschliesslich mit Berufspendlern und Fahrzeugen, die Waren liefern, besetzt. Bummeln in Friedrichshafen geht für Schweizer derzeit nicht. Touristen müssten an der Anlegestelle damit rechnen, dass sie wieder zurückgeschickt werden. «Darauf machen wir sie beim Einstieg in Romanshorn auch aufmerksam», sagt Andrea Ruf, CEO der Schweizer Bodenseeschifffahrt.

Der Start der Kursschifffahrt war für Ende März geplant. Doch es sind noch viele Fragen offen. «Wir warten auf die Vorgaben des Bundes», sagt Ruf.

«Das ist für uns alle eine
sehr schwierige Zeit.»