Einheitstarif verteuert den Strom in Kradolf-Schönenberg

Das Elektrizitätswerk der Gemeinde Kradolf-Schönenberg hebt auf Anfang 2021 die Tarifzeiten auf.

Hannelore Bruderer
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Die Gemeinderäte Max Staub und Dominik Bosshart erläutern die Aufhebung der Tarifzeiten beim Strombezug.

Die Gemeinderäte Max Staub und Dominik Bosshart erläutern die Aufhebung der Tarifzeiten beim Strombezug.

Bild: Hannelore Bruderer

Das System Hochtarif/Niedertarif ist von den Stromversorgern eingeführt worden, um die Verbrauchsspitzenzeiten zu entlasten. Diese fielen in der Vergangenheit vor allem tagsüber an, während der fixen Arbeitszeiten in den Industrie- und Gewerbebetrieben. Mit tieferen Tarifen in der Nacht wurde für die Stromkonsumenten ein Anreiz geschaffen, verbrauchsintensive Elektrogeräte in den Nachtstunden zu nutzen.

Trend geht in Richtung dezentrale Stromversorgung

Mit den wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre haben sich die hohen Stromverbrauchszeiten Richtung Abend und Wochenende verschoben. «Aber nicht nur der Verbrauch unterliegt heute anderen Gesetzen, auch die Produktion hat sich verändert», sagt Gemeinderat Max Staub, der für die Werke der Gemeinde Kradolf-Schönenberg zuständig ist. Er sagt:

«Früher lieferten einzelne Grosskraftwerke den Strom, heute geht der Trend Richtung dezentrale Stromversorgung.»

Ein Grund dafür sind die vielen Fotovoltaikanlagen, die in den letzten Jahren auf den Dächern öffentlicher und privater Bauten erstellt worden sind. Sie liefern tagsüber Strom, wenn die Sonne scheint. «Dieser Strom soll auch dann genutzt werden, wenn er produziert wird», sagt Staub. «Mit dem Einheitstarif fällt die Kostenbarriere für die Stromkonsumenten. Sie können jedes Elektrogerät jederzeit zum gleichen Preis benutzen. In Zukunft werden auch mehr Elektrofahrzeuge in Betrieb gehen, die dann ebenfalls rund um die Uhr zum Einheitstarif betankt werden können.»

Gemeinderat Max Staub sagt:

«Das Unschöne an der Umstellung zu diesem Zeitpunkt ist einzig, dass der neue, einheitliche Strompreis nicht dem Durchschnitt des heutigen Hoch- und Niedertarifs entspricht, sondern näher am Preis des Hochtarifs liegt.»

«Die Umstellung auf das neue System ist aber nicht der Grund dafür. Es ist vielmehr so, dass wir tiefe Strompreise haben, der Strom aber generell teurer geworden ist», hält er fest. Max Staub ist überzeugt, dass viele andere Stromversorger in der nächsten Zeit beim Einheitstarif nachziehen werden. Die Umstellung hat auch für das Elektrizitätswerk Vorteile, so entfallen zum Beispiel Ersatzbeschaffung und Unterhalt für die Rundsteueranlage, die den Hoch- und Niedertarif regelt.

Bald Smart Metering in der ganzen Gemeinde

In rund zwei Jahren plant die Gemeinde Kradolf-Schönenberg zudem in ihrem ganzen Gebiet Smart Metering einzuführen. Diese intelligenten Zähler ermöglichen eine bessere Steuerung von Netz- und Ressourcen. Dass mit der Tarifumstellung die lokale Stromerzeugung besser genutzt werden soll, begrüsst auch Gemeinderat Dominik Bosshart, in dessen Zuständigkeit die Ressorts Umwelt und Nachhaltigkeit fallen. Bereits jetzt fördert die Gemeinde Kradolf-Schönenberg bei Gewerbe und Privaten den Einbau von Batteriespeichern für Solarstromanlagen, ein Förderprogramm für Ladesysteme für Elektrofahrzeuge soll folgen.