Eingebung im Einkaufszentrum in China

Der MV Sommeri liess für seine Musikunterhaltung ein Stück schreiben. Komponist Dominique Huber ist in der Musicalszene wohlbekannt.

Manuel Nagel
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Dominique Huber (mit Schirmmütze) als stiller Beobachter im Hintergrund, wie die Mitglieder des Musikvereins Sommeri mit Dirigent Hanspeter Ziegler und Präsidentin Raphaela Hug (Bildmitte, Solo-Cornet) seine Ouvertüre umsetzen.

Dominique Huber (mit Schirmmütze) als stiller Beobachter im Hintergrund, wie die Mitglieder des Musikvereins Sommeri mit Dirigent Hanspeter Ziegler und Präsidentin Raphaela Hug (Bildmitte, Solo-Cornet) seine Ouvertüre umsetzen.

Bild: Manuel Nagel

Es ist ein besonderes Weihnachtsgeschenk, das sich der Musikverein Sommeri gemacht hat. Und obwohl es schon ausgepackt ist und die Sommerer Musiker bereits mehrmals damit gespielt haben – im wahrsten Sinne des Wortes – so ist Bescherung doch erst am 4. und 5. Januar. Dann führt nämlich der MV Sommeri seine traditionelle Unterhaltung zum Jahresanfang durch und teilt dieses Geschenk mit der Öffentlichkeit.

MV Sommeri will sein Publikum «brasszinieren»

Die Musikunterhaltung 2020 des Musikvereins Sommeri steht dieses Mal unter dem Motto «Brasszination» und kommt als Radioprogramm daher. Doch bevor das «Musikradio Sommeri» auf Sendung geht, tritt der Nachwuchs des MV Sommeri mit den Amriswiler Harmonie Juniors auf, um dem Publikum richtig einzuheizen. Anschliessend sollen die Besucherinnen und Besucher mit einem Mix aus der Welt der Blasmusik «brassziniert» werden. Zum Abschluss präsentiert der MV Sommeri mit dem Stück «Gradi Päss und Krummi Toure» eine Weltneuheit – ein Hörspiel zum Anschauen. (man)
Vorstellungen
Samstag, 4. Januar 2020, 20 Uhr sowie Sonntag, 5. Januar 2020, 13.30 Uhr, jeweils in der Turnhalle Sommeri, Hauptstrasse 28

Die Sommerer liessen sich eigens für ihren Verein eine Ouvertüre schreiben. Nicht einfach von irgendwem, sondern von Dominique Huber, der in der nationalen Musikszene schon einige Spuren hinterlassen hat. Huber war nebst anderem musikalischer Leiter von «Heidi – Das Musical» auf der Walensee- Bühne, und er war stellvertretender musikalischer Leiter von «io senza te», dem Musical über Peter Sue und Marc, das kommenden Sommer an den Thunerseespielen erneut aufgeführt wird. Weil von den Hits des bekannten Schweizer Trios keine Noten existierten, schrieb Huber diese in enger Zusammenarbeit mit Peter Reber auf und legte so die Basis für das Musical.

Das alte Klavier von der Grossmutter

Auf Dominique Huber ist der MV Sommeri über Präsidentin Raphaela Hug und ihren Mann Andreas gestossen. Er arbeitet wie Huber als Pilot für die Swiss, und so kamen die beiden ins Gespräch, fanden heraus, dass sich ihre Wege auch mehrmals in der Militärmusik gekreuzt haben, obwohl sie sich da nicht bewusst wahrgenommen haben.

«Jetzt wär’s doch mal Zeit, dass du für uns etwas schreibst», sagte Andreas Hug zu Huber, wissend, dass dieser oft Musikstücke schreibt und arrangiert. Und Dominique Huber war sofort angetan von dieser Idee.

Heute ist die Musik für Huber nur noch ein Hobby – wenn auch ein zeitintensives. Doch das war nicht immer so. Der 39-Jährige wuchs mit drei Brüdern in Schaffhausen auf. Die Familie hatte nicht viel Geld, dafür eine Grossmutter mit einem Klavier, für das sie keine Verwendung fand – und so bei Hubers landete. Dominique drückte also auf den Tasten herum, als unter der Familie ein Klavierlehrer eingezogen war und dem Jungen Unterricht gab. Es folgte ein Studium in Luzern, wo sich Huber zum Konzertpianisten und Dirigenten ausbilden liess.

«Coolere Aufträge» seit Huber als Pilot arbeitet

Nach dem Studium setzte Huber drei Jahre lang auf die Musik, war in Wien, Stuttgart und Hamburg an vielen grossen Musicals beteiligt – bis er 2009 etwas Neues machen wollte und Pilot wurde. «Seit ich mit der Musik nicht mehr Geld verdienen muss, sind die Aufträge eigentlich noch viel cooler geworden», sagt Huber. Auch die Ouvertüre für den MV Sommeri war für Huber weniger Pflicht denn Kür.

Dennoch habe die Entwicklung dieses Stücks lange gedauert, sagt Huber. Vor allem, bis man endlich die zündende Idee habe. Diese sei ihm lustigerweise während eines Night-Stops in Schanghai gekommen, als er in einem Einkaufszentrum war und aus den Lautsprechern chinesische Kaufhauspopmusik erklang. Aus dieser Eingebung entstand die Melodie, die zu den Vorgaben aus Sommeri passen würde, wie er fand. Huber zückte sein Aufnahmegerät, sang die Melodie ein, ging zurück ins Hotel und schrieb sie sogleich auf.

Publikum soll in den Saal katapultiert werden

Nun sitzt er im Musikpavillon in Sommeri und hört zum ersten Mal, wie der Musikverein sein Stück spielt. Wenn immer möglich schaut er bei einer Probe seiner Auftraggeber vorbei. Es sei auch für die Musiker schön zu sehen, wer denn die Noten «zusammengebrösmelt» habe.

Einen ersten Entwurf schickte er diesen Sommer, im September stand dann die finale Version. Er habe die Ouvertüre noch etwas pompöser gemacht, «sodass es das Publikum richtig in den Saal katapultiert, ohne aber kitschig zu werden», sagt Dominique Huber. Ausserdem probiere er auch immer etwas Kleines aus – «etwas, was nur ich bemerke, ob’s funktioniert oder nicht», sagt Huber. In diesem Fall sei es nun tatsächlich so herausgekommen, wie er es sich erhofft habe, sagt er und lächelt.