«Eine Tradition, die nicht erneuert wird, ist tot»: Wie eine Handweberin aus Sulgen ihren Traumberuf weiterleben lässt

Textildesignerin Cordula Ammann-Zuber entwirft an ihrem Webstuhl in ihrem Atelier individuelle Stücke und tüftelt an neuen Webtechniken.

Monika Wick
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Cordula Amman-Zuber hat mit der Arbeit am Webstuhl einen Traumberuf gefunden.

Cordula Amman-Zuber hat mit der Arbeit am Webstuhl einen Traumberuf gefunden.

Bild: Monika Wick

Im Leben von Cordula Ammann-Zuber herrscht ein stetiges Auf und Ab. Das beschreibt ihre Passion. Cordula Ammann-Zuber ist ausgebildete Handweberin und stellt in ihrem Atelier «Auf&Ab», das sich in einem Container auf dem Wohlfender-Areal befindet, kunstvolle und einzigartige Bekleidungsstücke und textile Innenausstattungen her. «Der Name des Ateliers rührt daher, dass der Faden beim Weben immer auf und ab geführt wird», erklärt die 45-jährige Frau, die zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Bürglen lebt.

Mit ihrer Berufswahl tat sich Cordula Ammann vor rund dreissig Jahren schwer. «Ein Besuch bei der Berufsberatung zeigte auf, dass der Beruf der Textilgestalterin Handweben viele Aspekte und Kriterien aufwies, die mich ansprachen», erklärt sie. Für ihren Lehrbetrieb im Toggenburg stellte sie fortan Vorhänge, Bettwäsche, Möbelstoffe oder Tischwäsche her.

Der Umgang mit Textilien hat sich gewandelt

Ihre Wissbegierde war auch nach der Lehrzeit nicht gestillt. «Da es keinen Markt zu bedienen gab, musste ich neue Wege finden, um mich zu positionieren», sagt Cordula Ammann-Zuber. Weiter stellt sie fest, dass sich im Laufe der Zeit im Allgemeinen der Wert und Umgang mit Textilien verändert hat. Sie sagt:

«Eine Tradition, die nicht erneuert wird, ist tot. Man muss sie einem Wandel unterziehen, damit sie auch unserer Zeit entspricht.»

Eine neue Technik musste her

Durch eine Bibliothekarin der Textilbibliothek St.Gallen stiess Cordula Ammann-Zuber auf die Designtechnik «Shibori». «Ich habe die Technik auf das Weben adaptiert. Sie hat mir neue Mustermöglichkeiten aufgezeigt und erlaubt, aus dem rechten Winkel auszubrechen, an den man sonst gebunden ist», schwärmt die Frau, die in einem Teilpensum als Kindergärtnerin arbeitet.

Ihre Textilien färbt Cordula Ammann-Zuber selber. Vorwiegend verwendet sie natürliche Farben, greift aber wenn nötig auf synthetische Farben zurück. Dabei legt sie grossen Wert darauf, ökologisch zu arbeiten. Cordula Ammann-Zuber geht mit offenen Augen durch die Natur und sammelt Pflanzen, die sie für ihre Zwecke einsetzen kann. Pflanzen und Blätter nutzt sie auch für ihre Ecoprints. «Diese Technik ist weltweit hoch im Trend und deckt das Bedürfnis der Menschen nach Natürlichkeit und der Individualität der Natur», erklärt sie. Bei dieser Methode des Pflanzendrucks übertragen die Blätter ihre Farbe direkt auf den Stoff. In Verbindung mit verschiedenen Beizen werden unterschiedliche Farbnuancen erzielt und die Farben licht- und waschecht fixiert.

In Cordula Ammann-Zuber steckt auch eine Tüftlerin. Aktuell erarbeitet sie in Zusammenarbeit mit einer Kollegin und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) sogenannte Akustik-Textilien, die auf attraktive Art und Weise der Schalldämmung von Räumen dienen. «Ich bin immer wieder fasziniert, was aus einem einfachen Faden entstehen kann», sagt die Textildesignerin.