Wenn die alte Tina muht, folgt ihr die Herde in Wigoltingen

Kuh Tina ist 19 Jahre alt und vor kurzem zum 17. Mal Mutter geworden. Höchst ungewöhnlich für eine Kuh in einem Thurgauer Stall. Besitzer Werner Keller ist stolz auf das Leittier seiner Herde.

Manuela Olgiati
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Kuh Tina mit ihrem jüngsten Kalb ist der ganze Stolz von Bauer Werner Keller. (Bild: Andrea Stalder)

Kuh Tina mit ihrem jüngsten Kalb ist der ganze Stolz von Bauer Werner Keller. (Bild: Andrea Stalder)

Tina lebt auf dem Sennhof in Wigoltingen. Werner Keller wohnt und arbeitet hier mit seiner Frau Cornelia auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb. Die meisten der rund 30 Kühe entstammen der Rinderrasse Limousin oder einer Kreuzung. Bei Tina unterscheiden sich wenige Merkmale von anderen Kühen, nur das Alter ist sehr speziell. Cornelia Keller hat die Kuh vor 15 Jahren von einem Landwirt abgekauft, kurz bevor Tina ihr erstes Kalb auf die Welt brachte.

Heute ist die rotbräunliche Kuh 19 Jahre alt - geboren im Dezember 1999 und die älteste in Kellers Stall. Milchkühe werden normalerweise nicht sehr alt. Tina hat Glück - ein Grossteil der über 500000 Milchkühe in der Schweiz stirbt jung, fast alle enden im Schlachthof.

«19 Jahre ist sehr ungewöhnlich, das erreichen nur ganz wenige Einzeltiere»

sagt Keller. Der Landwirt aus Wigoltingen hat viel Erfahrung mit Tieren. So lange war noch nie zuvor eine Kuh in seinem Stall.

Die Herde folgt der Leitkuh in den Stall

Für Kellers ist Tina eines ihrer Haustiere. Darauf ist die ganze Familie stolz. Tina ist trotz ihres hohen Alters sehr gesund. Gelobt wird der Charakter:

«Ein Leittier wie Tina in der Herde zu haben, ist eine grosse Entlastung für den Bauern.»

Dies ist mit ein Grund, weshalb Tina richtig alt werden darf. Tina geniesst den Auslauf im Stall und auf der Weide, sie hält sich an den gewohnten Tagesablauf, holt die Herde heim - kurzum auf diese Kuh ist Verlass.

Ein paar Wochen alt ist das jüngste Kalb von Tina. Tirana ist am 7. November geboren. Struppig das rot-braune Fell, übergross die Ohren. Immer in der Nähe seiner Mutter Tina. Jedes Jahr ein neues Kalb, siebzehn Kälber insgesamt, davon 10 weibliche und sieben Munis; eine stolze Leistung.

Familie Keller betreibt Mutterkuhhaltung. Das bedeutet, dass Kälber bei ihren Müttern aufwachsen und viel Milch saugen. Nach rund zehn Monaten ist die Muttermilch versiegt, aus den Kälbern, die schon nach ein bis zwei Monaten Gras fressen, werden Rinder. Das Absetzen der Muttermilch ist dann der Zeitpunkt, in dem die Jungtiere geschlachtet werden. Ihr Fleisch kommt unter der Marke Natura-Beef in die Läden.

Tina darf bis ins hohe Alter bleiben

In der Herde lebt auch Prince, ein ausgewachsener Stier. Die Rasse Limousin schlägt bei den Kälbern durch. Prince deckt die Mutterkühe. Kellers Tiere fressen Gras und Heu. Im Winter zusätzlich Mais und Silage vom eigenen Betrieb. Regelmässig kontrolliert Keller den Gesundheitszustand der Kühe. Gute Beine und Klauen zeichnen seine Tiere aus.

Werner Keller bewirtschaftet seinen Betrieb nach den Richtlinien des Verbandes der Mutterkuh Schweiz. Ein Kalb pro Kuh und Jahr ist das Ziel. Die Kälber sollen von kräftiger Statur sein. Dafür brauchen sie genügend Milch. Auf die Frage was aus Tina wird, sagt Familie Keller: «Wir hoffen, dass sie auch an ihrem 20. Geburtstag noch so munter ist.»