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Kommentar

Kreuzlinger Schulpräsidium: Eine Protest-Wahl Zweifels würde im Chaos enden

Leitartikel von Redaktor Urs Brüschweiler zur Kreuzlinger Schulpräsidentenwahl am 25. November.
Urs Brüschweiler
Kreuzlingen-Redaktor Urs Brüschweiler (Bild: Ralph Ribi)

Kreuzlingen-Redaktor Urs Brüschweiler (Bild: Ralph Ribi)

Am 25. November sind die Wahlberechtigten aufgerufen, das vakante Kreuzlinger Schulpräsidium neu zu besetzen. Mit Seraina Perini und Markus Baiker gibt es zwei offizielle und valable Bewerbungen. Das wäre eigentlich eine komfortable Ausgangslage für die Bürger. Jedoch geistert mit dem Ende Juli zurückgetretenen Schulpräsidenten René Zweifel für die Wahlberechtigten noch eine dritte Option herum.

Sie führt dazu, dass der Urnengang zusätzlich zu einem Plebiszit über die Vorgänge in den Kreuzlinger Schulbehörden wird.

Auf der Namensliste, welche die Stimmbürger erhalten haben, steht René Zweifel nicht. In Zeitungsinseraten und mit Flugblättern wird er dennoch zur Wahl empfohlen. Anonyme Gruppen plädieren dafür, dass Zweifel sein eigener Nachfolger werden soll. Er selbst äusserte sich öffentlich nicht eindeutig für oder gegen eine Kandidatur. Jene, die in Anspruch nehmen, für ihn zu sprechen – an vorderster Front ist das Jost Rüegg – erklären dies so: Zweifel wolle im ersten Wahlgang spüren, wie gross sein Rückhalt im Volk sei und erst danach entscheiden, was er mit dem Resultat anfangen will.

Wie konnte es zu dieser diffusen Situation kommen? Im Februar 2017 wird Schulpräsident René Zweifel bei seiner ersten Wiederwahl mit mehr als 95 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Im Herbst wird er krank, fällt ein halbes Jahr komplett aus. Nach seiner teilweisen Rückkehr wird im Sommer bekannt, dass es Differenzen mit den beiden Schulbehörden gibt. Deren Mitglieder fordern ihren Präsidenten zum Rücktritt auf. Sie kommunizieren dies in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter der Schule. Dieses gerät an die Medien.

Wenige Wochen später reicht der Schulpräsident tatsächlich seinen Rücktritt ein. Über die Gründe und die Abgangsmodalitäten vereinbaren die Parteien Stillschweigen. Bis heute gibt es dazu keine verlässlichen Angaben. Logisch, dass dafür Gerüchte, Vermutungen und Interpretationen herumgereicht werden.

Ein Schrei nach Aufklärung wird laut. Jost Rüegg glaubt an ein Komplott aus FDP-Kreisen mit dem Ziel, den dort ungeliebten Schulpräsidenten loszuwerden. Die Schulbehörden wehren sich. Unter öffentlichem Druck betonen sie, dass sie alle Vorgänge offen legen würden, wenn sie denn dürften. Die angekündigte Untersuchung-Kommission zum Rücktritt ist bis heute nicht konkret geworden. Hinter den Kulissen ringen die Anwälte der Beteiligten um das weitere Vorgehen.

Schneller als bei der Aufarbeitung des Rücktrittes ging es bei der Ansetzung einer Neuwahl. Aus Sicht der Behörden ist das verständlich. Die Mitglieder, wie auch die Schulverwaltung, kamen durch die Mehrbelastung wegen des Ausfalls des Präsidenten an ihre Grenzen.

Die Behörden brauchen dringend Entlastung.

Wie absehbar war, überschattet die unaufgeklärte Affäre aber nun den Wahlkampf. Die politischen Parteien fordern zwar immer noch mehr oder weniger vehement eine Aufklärung, setzen bei ihren Wahlempfehlungen aber auf die beiden offiziellen Kandidaten.

Verschiedene Gruppen wollen aber den Neuanfang verhindern. Zumindest solange die Affäre Zweifel nicht geklärt ist. Dass sie anonym bleiben, ist ein Schönheitsfehler ihrer Kampagnen. Ängste vor Repressalien der Schulbehörde muten von aussen betrachtet etwas seltsam an.

Die Wähler müssen nun also entscheiden, ob sie sich mit einem Entscheid für einen offiziellen Kandidaten für einen Neuanfang aussprechen wollen. Oder ob sie den Schulbehörden die Rote Karte zeigen für ihr Verhalten und dies mit einer Stimme für René Zweifel deutlich machen.

Klar ist, dass es ein Chaos gibt, sollte der zurückgetretene Schulpräsident erneut gewählt werden.

Das käme einem Vertrauensentzug der Bevölkerung an die Gesamtbehörden gleich. Die Folgen wären dramatisch. Der normale Betrieb der Schule geriete in Gefahr und die weitere Entwicklung wäre nicht absehbar.

Auch wenn es verständlich ist, das viele Bürger ihrer Unzufriedenheit mit einer Protest-Stimme Ausdruck verleihen wollen: die erneute Wahl von René Zweifel würde weit über das Ziel hinaus schiessen. Die tragendere Lösung ist es, die Forderung nach Aufklärung und transparenter Kommunikation über den Wahltag hinaus aufrecht zu erhalten und ihr Nachdruck zu verleihen.

Die Behörden bleiben weiterhin in der Pflicht. Sie müssen Vertrauen schaffen. Ihr Krisenmanagement war mangelhaft. Wenn es keine Chance auf eine Zukunft mit René Zweifel gegeben hat, hätten sie mutiger sein müssen: 14 Persönlichkeiten, die einen alternativlosen Entscheid gefällt haben und die auch ihre Köpfe zeigen. Stattdessen versuchten sie zuerst, den Konflikt intern zu halten. Danach versteckten sie sich hinter Michael Thurau, dem Schulpräsidenten der Aussengemeinde. Er wurde zum Gesicht der Affäre und musste viel einstecken.

Eine deutliche Steigerung der Qualität der Aussenkommunikation der Schule ist ohnehin angezeigt.

Nur Transparenz schafft Vertrauen. Gute Behördenarbeit heisst eben auch, den Bürgern zu zeigen, was man tut.

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