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Eine neue Initiative in Konstanz will heimische Felle stärker nutzen

Eine neue Initiative in Deutschland will heimische Felle stärker nutzen. Tierschützer sind sich allerdings uneinig, ob sogenannte Ökopeltze wirklich besser sind.
Leonie Möhrle
Hier arbeitet Stationsleiter des Betriebs in Rastatt, Frederik Daniels. Vor ihm auf dem Tisch liegen ein tiefgefrorener Fuchs und Werkzeug. (Bild: Uli Deck/DPA)

Hier arbeitet Stationsleiter des Betriebs in Rastatt, Frederik Daniels. Vor ihm auf dem Tisch liegen ein tiefgefrorener Fuchs und Werkzeug. (Bild: Uli Deck/DPA)

Pelz hat einen schlechten Ruf. Tierschutzorganisationen wie PETA (englisch für „Menschen für ethischen Umgang mit Tieren“) machen mit schockierenden Fotos immer wieder auf die Bedingungen auf Pelzfarmen in Ländern wie China oder Polen aufmerksam. Gibt es auch einen ethisch vertretbaren Pelz? Für die Initiatoren des Projektes «Fellwechsel» ist die Antwort klar:

«Nicht jeder Echtpelz ist ein schlechter Pelz», erklärt Frederik Daniels.

Er leitet einen neuartigen Betrieb in Raststatt: eine Abbalgstation, die in Kürze an die Arbeit gehen soll. «Abbalgen» heisst im Jägerjargon das Enthäuten der Tiere.

Heimische Felle aus der Jagd

Das bundesweit einmalige Vorhaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) und des Landesjagdverbands Baden-Württemberg will Felle aus heimischer Jagd nutzen. Eine Ressource, die laut Daniels ohnehin vorhanden sei: «Jäger versuchen heimische Arten zu schützen, indem sie Raubtiere oder fremde Arten bei der Jagd erledigen. Warum sollte man diese Felle nicht nutzen?» Eine der bundesweit 270 Sammelstellen befindet sich bei der Landesjagdschule Dornsberg bei Engen. Der Leiter der Schule, Ludger Feldt, berichtet, seit vergangenem Winter seien etwa 35 Tiere zu ihnen gebracht worden. Neben Füchsen und Mardern, sei auch ein überfahrener Waschbär darunter gewesen. Die Tiere werden in der bereitgestellten Gefriertruhe gekühlt und auf Anruf von der Fellwechsel GmbH abgeholt und zur Abbalgstation in Raststatt gebracht. Dort werden die Tiere von dem Leiter der Station enthäutet. Danach kommt das abgezogene Fell zu deutschen Gerbern und Kürschnern, die daraus Kissen, Taschen oder Jacken mit Fellfutter fertigen. Die Artikel sollen dann über den vorhandenen Online-Shop des Deutschen Jagdverbands vertrieben werden. Ziel sei es bis zu 10000 Felle pro Jahr zu produzieren, erklärt der Stationsleiter.

Strichcodes für die Dokumentation

Die «Fellwechsel-Felle» werden mit Marken und Strichcodes versehen, die eine lückenlose Dokumentation ihrer Herkunft ermöglichen sollen – bis zurück in das Revier. Auf diese Weise könne man sogar den Pelz des eigenen Tieres zurückerhalten, erklärt Kreisjägermeister Kurt Kirchmann vom Verein der Badischen Jäger Konstanz. Er weist auf die Bedeutung des Projektes für den Artenschutz hin. Ein Aspekt sei hier die Reduzierung der Fressfeinde, um bedrohte Arten wie Rebuhn oder Fasan zu schützen. Dazu gehöre auch, den Bestand des Rotfuchses, einer der Hauptfressfeinde, zu verringern. Doch dazu seien immer weniger Jäger bereit, da die erlegten Tiere anschliessend entsorgt werden müssten. Dies geschieht in sogenannten Tierkörperbeseitigunganlagen, wie beispielsweise in Warthausen im Kreis Biberach. Mit einer sinnvollen Verwendung des wertvollen Fells, könnte diese Bereitschaft wieder steigen. Kirchmann hofft, dass die Fellwechsel GmbH durch ein modernes Marketing die nachhaltige Nutzung von heimischen Pelzen wieder attraktiv machen kann.

Auch Tobias Haug, Vorsitzender der örtlichen Jägerschaft aus Konstanz, ist von dem Projekt überzeugt: «Jedes Jahr aufs Neue eine Winterjacke aus Kunstfasern zu kaufen ist nicht unbedingt umweltfreundlich. Gerade jetzt, wo ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet und viele auf Plastik verzichten möchten, müsste auch die Akzeptanz für Pelze wieder steigen.» Zumal die Schnitte der Pelzjacken laut Daniels auch immer «modischer und moderner» würden.

Meinungen gehen auseinander

Eberhard Klein, Leiter des NABU-Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried, steht dem Vorhaben ebenfalls positiv gegenüber: «Wenn die Initiative es schafft, mit den Pelzen von heimischen Arten Exportpelze von seltenen Tierarten oder auch Zuchtpelze zu ersetzen, die unter sehr problematischen Bedingungen produziert werden, würden wir das begrüssen.» Tierschützer hingegen zeigen sich nicht überzeugt. Für Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, sind die sogenannten Ökopelze «letztlich nur ein Etikettenschwindel auf Kosten der Tiere».

Denn auch für diese Pelze müssen Tiere sterben. Schon die Jagd allein füge unnötiges Leid zu. Immerhin stammen die in deutschen Wäldern erlegten Tiere aus freier Wildbahn und nicht aus Zuchtfarmen. Könnte «Fellwechsel» da nicht helfen, den Kauf von Pelzen, die mit grossem Tierleid verbunden sind, zu verringern? Das bezweifelt der Deutsche Tierschutzverbund. Die meisten Verbraucher würden weiterhin zu günstigen Jacken mit Echtfellkragen aus China greifen, statt eine teure Jacke aus heimischem Fuchsfell zu wählen, sagt Sprecherin Schmitz.

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