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«Denen geht es nicht um den Lärm, sie sind gegen die Kirche»: Eine Gruppe Bischofszeller will das nächtliche Glockenläuten erhalten

97 Petitionäre haben kein Verständnis dafür, dass die Bischofszeller Kirchgemeinden das nächtliche Glockenläuten ab Ende 2020 einschränken müssen.
Marco Cappellari
Über fünf Tonnen schwer: die Dreifaltigkeitsglocke der katholischen Kirche St.Pelagius. (Bild: Andrea Stalder)

Über fünf Tonnen schwer: die Dreifaltigkeitsglocke der katholischen Kirche St.Pelagius. (Bild: Andrea Stalder)

Wenn alle zwölf Glocken der katholischen Kirche St.Pelagius und der evangelischen Johanneskirche gleichzeitig läuten, setzen sich insgesamt elf Tonnen Metall in Bewegung. Beim Stundenschlag sind es noch über acht Tonnen, die Schallwellen in alle Richtungen über die Dächer Bischofszell verteilen. Wo andere klanggewordene Tradition und christliches Kulturgut hören, hören einige nur Lärm. Zu denen, die sich am Glockengeläut stören, gehören 21 Unterzeichner einer baurechtlichen Anzeige, die sich vor allem in ihrer Nachtruhe gestört fühlen.

Im Video: So klingt die katholische Kirche Bischofszell im Vollgeläut (ab Minute 1:37):

Die Anzeige veranlasste den Stadtrat, externe Abklärungen durchführen zu lassen. Diese ergaben, dass das Läuten der Glocken in der unteren Altstadt tatsächlich zu einer «erheblichen» bis «sehr starken» Störung der Nachtruhe führe und mehrere «Aufwachreaktionen» verursachen könne. Aufgrund des Umweltschutzgesetzes sah sich der Stadtrat verpflichtet, beide Kirchgemeinden anzuweisen, bis Ende 2020 Massnahmen zu ergreifen: Während der Nachtruhe darf die Johanneskirche nur noch einmal statt viermal pro Stunde, und die St.Pelagius-Kirche gar nicht mehr läuten (TZ vom 7.September).

Gegenpetition eingereicht

Gar nicht erfreut über die Entscheidung ist Herbert Kägi.

«Ich bin ziemlich enttäuscht.»

Herbert Kägi, Petitionär (Bild: PD)

Herbert Kägi, Petitionär (Bild: PD)

Kägi ist Initiator einer Petition, die sich nach Bekanntwerden der baurechtlichen Anzeige für den Erhalt des nächtlichen Kirchenläutens in Bischofszell eingesetzt hat. Zusammen mit 96 Mitunterzeichnern reichte er die Petition «Kirchenglocken sind kein störender Lärm» ein.

«Es handelt sich hier um eine Minderheit, die der Mehrheit ihren Willen aufzwingt», sagt Kägi. «Mit Demokratie hat das nichts zu tun.» Das zeige sich nicht nur daran, dass den 21 Unterzeichnern der Anzeige gegen das Kirchenläuten 97 Petitionäre entgegenstehen.

«Auch die kürzlich durchgeführte Bevölkerungsumfrage hat gezeigt, dass sich die Mehrheit der Bischofszeller nicht am Läuten der Kirchenglocken stört.»

Kägi hat kein Verständnis für die Urheber der Anzeige. «Wer nach Bischofszell zieht, weiss, dass es hier zwei Kirchtürme hat, die regelmässig läuten.» Er meint, den Beweggrund der Glockengegner zu kennen. «Denen geht es nicht um den Lärm, sie sind gegen die Kirche», ist er sich sicher.

«Jeder Töfflibueb macht mehr Lärm.»

In Bischofszell stehen in unmittelbarer Nähe zueinander zwei Kirchen: im Vordergrund die evangelische Johanneskirche, im Hintergrund die katholischen Kirche St.Pelagius.(Bild: Susann Basler)

In Bischofszell stehen in unmittelbarer Nähe zueinander zwei Kirchen: im Vordergrund die evangelische Johanneskirche, im Hintergrund die katholischen Kirche St.Pelagius.
(Bild: Susann Basler)

Kägi selbst wohne seit dreissig Jahren direkt neben der katholischen Kirche, der lauteren der beiden Dorfkirchen. Er habe sich nie am Glockenläuten gestört.

«Wäre das schädlich für die Gesundheit, wie die Anzeigensteller behaupten, müsste ich schon lange tot sein.»

Selbst ist Kägi aktives Mitglied der evangelischen Gemeinde. Die Petition sei aber auf seine Privatinitiative entstanden und reiche über die Gemeindegrenzen hinaus. «Viele Katholiken haben mitunterschrieben», sagt Kägi.

Die Entscheidung des Stadtrats habe ihn überrascht. Es falle ihm schwer, diese zu akzeptieren. Er sehe aber ein, dass das Umweltschutzgesetz der Gemeinde keine andere Wahl liess. Böse sei er den Urhebern der Anzeige nicht. «Ich bin nicht nachtragend. Das stände im Widerspruch zu meiner christlichen Einstellung.»

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