Eine erzwungene Auszeit vom Schulalltag ist in Kreuzlingen keine Strafe, sondern eine Chance

Die «Befristete Externe Lernschulung» der Schule Kreuzlingen heisst jetzt Time-out-Schule.

Urs Brüschweiler
Merken
Drucken
Teilen
Flavia Menzi und Stefano Martinelli von der Timeout-Schule, Schulpräsidentin Seraina Perini und Schulberaterin Julia Schmid. (Bild: Urs Brüschweiler)

Flavia Menzi und Stefano Martinelli von der Timeout-Schule, Schulpräsidentin Seraina Perini und Schulberaterin Julia Schmid. (Bild: Urs Brüschweiler)

«Wir kommen ins Spiel, wenn in der Schule nichts mehr geht», sagt Flavia Menzi. Die Lehrerin und Heilpädagogin ist die Leiterin der Time-out-Schule Kreuzlingen. In dem alten Haus an der Schmittenstrasse 4 unterrichtet und betreut sie mit einem kleinen Team Kinder und Jugendliche, die eine Auszeit vom Schulalltag brauchen. Wenn sie etwa den Unterricht stören, respektlos sind oder gar nicht mehr in der Schule erscheinen, erzählt Sozialpädagoge Stefano Martinelli, der seit zehn Jahren mit dabei ist.

Neue Schulberaterin

Die Timeout-Schule arbeitet nach einem systemischen Ansatz. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Fachpersonen wird angestrebt. Eine davon stellte Seraina Perini in diesem Zusammenhang vor. Julia Schmid ist die neue Schulberaterin für die Sekundarschule. Sie folgt auf Silvio Conconi, der pensioniert wurde. Schmid ist die Anlaufstelle für Lehrer, Eltern und Schüler bei sozialen Problemen und arbeitet auch viel in der Prävention.

Gründe dafür können soziale Probleme sein, manchmal machten Jugendliche in der Pubertät aber auch einfach eine schwierige Phase durch. Im Regelfall werden die Schüler dann für zwölf Wochen aus ihren Klassen genommen und erhalten eine «Auszeit». Ab der siebten Klasse, in Ausnahmefällen schon ab der fünften Klasse ist eine solche Sondermassnahme möglich.

Das Ziel ist die Rückkehr in die Regelklassen

«Das ist keine Strafe, sondern eine Chance», betont Flavia Menzi. «Aber es sind keine Ferien, der Unterricht geht hier normal weiter.» Die Time-out-Schule ist eine Tagesschule, es wird gemeinsam gekocht und gegessen. Die Kinder werden hier individuell betreut, ihren Bedürfnissen entsprechend. Sie erhalten Unterstützung in ihrer persönlichen Entwicklung, auch mit Hilfe einer Psychologin. «Die Kinder suchen richtig nach Bezugspersonen», berichtet Stefano Martinelli.

Immer freitags geht er mit den Schülern in den Wald. Dort erledigen sie mit dem Förster leichte Waldarbeiten. «Das stärkt unter anderem die Teambildung.» Manchmal brauche es vorübergehend ein anderes Setting, damit die Schüler wieder in die Bahn finden. Das Ziel sei immer, die Schüler zurück in die Regelklassen zu bringen. Bei vielen löse sich im Timeout ein Knopf.

Das alte Haus als Bezugsort wurde leicht renoviert

«Am Montag beginnen wir hier mit drei Schülern», sagt Flavia Menzi. Sechs bis maximal acht Plätze bietet die Schule Kreuzlingen hier an. Vor 16 Jahren nahm das Programm seinen Anfang. Auf diesen Sommer wurde die «Befristete Externe Lernschulung BEL» nun umbenannt. Weil die Abkürzung eher an eine Wurstproduzentin erinnerte.

Die Räume des alten Hauses an der Schmittenstrasse wurden in den Sommerferien zudem aufgehübscht. «Eine Pinselrenovation», wie Schulpräsidentin Seraina Perini erklärt.

Die Gelegenheit wollte man aber nutzen, dieses Angebot der Schule bekannter zu machen. «Es ist ein Erfolgsmodell», sagt die Schulpräsidentin. Kreuzlingen sei auch die einzige Schulgemeinde im Kanton, welche ein solches Auszeit-Programm konstant anbiete.