Eine Chance, Fragen zu stellen: Güttingen nutzt die Gemeindeversammlung auch als Diskussionsplattform

Die 112 Anwesenden in der Mehrzweckhalle Rotewis stimmen dem Budget für 2021 zu und hinterfragen die grossen Projekte, die an die Urne kommen werden.

Hana Mauder Wick
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Die prosperierende Gemeinde Güttingen aus der Luft.

Die prosperierende Gemeinde Güttingen aus der Luft.

Bild: Hans Wick (Frühling 2020)

«Es gelten heute besondere Massnahmen. Trotzdem freuen wir uns auf eine gute Versammlung», begrüsste Urs Rutishauser die 112 Stimmberechtigten in der «Rotewis». Gleich zu Beginn durfte der Gemeindepräsident ein Einbürgerungsgesuch vorstellen und schliesslich bestätigen. Die Zeit bis zur Auszählung der Stimmzettel bot einem weiteren Gast Gelegenheit für einen Infoblock.

Gerardo Zampelli ist Mitglied der Geschäftsleitung der Firma IBG Engineering AG. Diese ist in Güttingen für das EW zuständig. Er erklärte:

«Mit der Energiestrategie 2050 hat sich vieles verändert»

In den nächsten Jahren sollen in Güttingen schrittweise Smart-Meter eingeführt werden, sogenannte intelligente Zähler für Strom, Wasser und Gas.

Wenig Einwände für die kleinen Projekte

Gemeinderat Markus Webber stiess mit seinen drei Krediten auf keinerlei Gegenwind. Die Leerrohranlage und Wasserleitungen Stogge-Eichhof für 335000 Franken, die Rohrleitungen Stogge-Sonneberg mit 660000 Franken und die Ersatz-Trafostation am See für 295000 Franken bekamen grünes Licht.

Keine Begeisterung erhielt die Idee des Gemeinderates für ein Projekt, die Gründeponie künftig nach dem Verbraucherprinzip zu führen. Nach einem Antrag eines Bürgers, fiel die Idee für eine «Sackgebühr für Gartenabfälle» vom Tisch. Das Budget der Gemeinde weise 2021 einen Aufwandüberschuss von rund 180000 Franken auf, erklärte Rutishauser. Coronabedingt weniger Steuereinnahmen und der kantonale Finanzausgleich schlagen zu Buche. Das Budget wurde bewilligt.

Versammlung der Primarschulgemeinde

Die Versammlung der Primarschulgemeinde Güttingen ging sehr schnell über die Bühne. «Schön, dass wir heute physisch vor Ort sein können.» Mit diesen Worten begrüsste Präsident Miran Kaddur die Anwesenden.

Durch die Zahlen führte Johanna Gamma: Das Budget weist einen Aufwandsüberschuss von 286400 Franken aus. Unter anderem bräuchten die Schüler neue Tablets, der Boden im Kindergarten müsse ersetzt und ein Zimmer mit Wasseranschluss versorgt werden. Die Stimmberechtigten stimmten dem Budget einstimmig zu. «Im März stehen Neuwahlen an», so Miran Kaddur. «Ein Platz in der Behörde ist noch frei!»

Diskussionen bei den grossen Vorhaben

An der Versammlung bot sich die Gelegenheit, künftige Vorhaben, die an die Urne kommen werden, vorzustellen. Für einige Voten sorgte etwa die Vorlage vom 29. November, zwei Stockwerke oberhalb der neuen Gemeindeverwaltung für 3,1 Millionen Franken zu erwerben. «Die Bewilligung des Kantons für die Zentrumsüberbauung liegt seit kurzem in unserem Büro», sagte Urs Rutishauser. Der Objektkredit sorgte für Diskussionen. Ein Votant fragte:

«Ist es Sache der Gemeinde, Wohnungen zu vermieten?»

Die Frage, ob denn tatsächlich Interesse für Gewerberaum besteht wurde in den Raum gestellt. «Solange der Kredit nicht gesprochen ist, verhandeln wir im luftleeren Raum», gab Rutishauser zu bedenken.

So soll das neue Hafengebäude aussehen.

So soll das neue Hafengebäude aussehen.

Bild: PD

Gedanken machten sich die Bürger auch über das geplante einstöckige Hafengebäude für 1,4 Millionen Franken mit Büro für den Hafenmeister, Nutz- und Nassräume und Platz für ein Bistro. Das Gebäude vom Wassersportverein Güttingen würde zwar weichen, der Verein aber Gastrecht im neuen Hafengebäude finden. Ein weiterer Votant fragte:

«Soll die Gemeinde das eigene Gewerbe konkurrenzieren?»

«Nur 200 Meter weiter befindet sich ein Restaurant.» Das Vorhaben kommt im März an die Urne. «Entscheiden Sie weise», sagte Rutishauser.