Ein Verein will innovative Köpfe nach Arbon holen

Im ZIK gibt es neuerdings eine spezielle Werkstatt: Menschen und Unternehmen sollen sich hier systematisch und gezielt vernetzen.

Rosa Schmitz
Drucken
Teilen
Das ehemaligen Saurer Werk 1 heisst heute ZIK: Hier soll künftig Networking stattfinden, das kreative Lösungen hervorbringt.

Das ehemaligen Saurer Werk 1 heisst heute ZIK: Hier soll künftig Networking stattfinden, das kreative Lösungen hervorbringt.

Donato Caspari

Start-ups kommen stets mit dem Anspruch daher, etwas völlig Neues zu bieten. So ziehen sie schnell Aufmerksamkeit auf sich und gewinnen Unterstützung – selbst wenn noch gar nicht klar ist, ob sie Versprechen über Produkte oder Dienstleistungen halten können. Viele Unternehmen, die schon länger auf dem Markt sind und erste Bewährungsproben bestanden haben, fühlen sich dagegen zu wenig beachtet und gefördert.

Der Verein Das Werk1 hat im Arboner ZIK für sie eine Innovationswerkstatt gegründet. Ein Ort, wo sich die Gesellschaft, Unternehmen und die Politik austauschen können. Dahinter stecken vier Schweizer Unternehmer: Jörg und Myriam Gröbli, Christoph Wanner und Raoul Meyer. «Wir haben eine Entwicklungslücke gefunden und gefüllt», sagt Jörg Gröbli.

Der 49-jährige Vereinspräsident war die letzten 25 Jahre in diversen Führungspositionen in unterschiedlichen Branchen. Heute ist er Managing Partner bei der Enterprise Development Group Inc. (EDG). Das Unternehmen ist in Innovationsstrategie- und Organisationsentwicklung und deren Umsetzung, Implementierung und Weiterentwicklung spezialisiert. Nebenbei arbeitet Gröbli, der Betriebswirtschaft studiert hat, als Dozent an Fachhochschulen und Business Schools in der Schweiz.

Eine Kombination ist der Kern

Die Innovationswerkstatt setzt auf eine Kombination aus kreativer Umgebung und bewährter Methoden und auf Beratungsdienstleistungen. «Denn die Erfahrung zeigt, dass einfaches Coworking Räume zwar Zusammenarbeit fördert, aber nicht die systematische Entwicklung neuer Geschäftsmodelle», sagt Gröbli.

Das Konzept des Vereins Werk1 beinhalte deshalb nicht nur das Angebot von Dienstleistungen an Dritte wie Unternehmen, Gesellschaft oder Politik. Es übernimmt aktiv wirtschaftliche und gesellschaftliche Projekte, die regionale und über­regionale Bedeutung haben. Zum Beispiel: Eine digitale Nachbarschaftshilfe, die in Zusammenarbeit mit der Bodensee Standort Marketing (BSM) GmbH erstellt wird und als ­Pilotprojekt in den nächsten Wochen startet. Gröbeli sagt:

«Das Eintrittstor bildet eine App, die es erlaubt, unkompliziert Hilfe und Services zu aktivieren.»

Der Verein verfolge damit das Ziel, ein starkes und agiles Ökosystem aufzubauen. «Die systematische und gezielte Vernetzung von Menschen und Unternehmen für die Entwicklung von nachhaltigen und innovativen Lösungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt steht dabei im Vordergrund.» Ausgestattet ist die Innovationswerkstatt mit einem grossen, offenen Raum, in welchem diskutiert, gearbeitet und vernetzt wird und wo Events, Workshops, und Seminare organisiert werden.

Spezialisten aus dem Innovationsmanagement, Unternehmer und Fachkräfte aus verschiedenen Branchen und Bereichen können hier ihre Erfahrungen und Herausforderungen austauschen, voneinander lernen und gemeinsam nachhaltige Ideen entwickeln. «Thematisch werden keine Grenzen gesetzt, alle können beim Programm mitbestimmen – solange der Fokus auf die Nachhaltigkeit klar eingebettet ist», sagt Gröbli.

Angeboten werde auch professionelle Unterstützung bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. «Dahinter steht der Leitgedanke, dass völlig neue Fragestellungen und Herausforderungen unserer Zeit neue Denk- und Handlungsweisen benötigen und diese nicht mehr nur von einzelnen Institutionen oder Unternehmen separat beantwortet werden können.»

Virtuelle Eröffnung wegen Corona

Trotz der Coronasituation, die zu einer Reihe von Verzögerungen bei den Umbauarbeiten geführt hat, sollte die Innovationswerkstatt nun bald gut starten können. Allerdings noch nicht physisch. Am Dienstag wurde erst einmal eine virtuelle Eröffnung durchgeführt. Im Juni geht es dann weiter mit einer kostenlosen Reihe von Workshops – mittels Zoom.

Es werden Trends und Zukunftsszenarien aus der Coronakrise aufgezeigt und praktische Instrumente und Methoden erlebbar gemacht, um Produkte weiterzuentwickeln oder ganz neu zu genieren. «Sodass man aus der Krise heraus proaktiv durchstarten kann», sagt Gröbli. Wie sich die Innovationswerkstatt vor Ort entwickelt, wird sich zeigen. Stadtpräsident Dominik Diezi feiert, dass sich der Verein Das Werk1 für Arbon als Standortgemeinde entschieden hat. Diezi sagt:

Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon

Dominik Diezi, Stadtpräsident von Arbon

Andrea Stalder
«Es gibt keine Stadt im Thurgau, die eine derart reiche Geschichte hat wie wir.»

Der Stadtrat sei überzeugt, dass diese Innovationswerkstatt künftig sichtbare und nachhaltige Resultate für Wirtschaft und Gesellschaft erzielen könne. Aus diesem Grund unterstütze die Stadt die Innovationswerkstatt «mit überregionaler Ausstrahlungskraft». Unterstützt wird das Projekt auch vom Kanton, vom Verein Smarter Thurgau und der Region Oberthurgau im Rahmen der regionalen Wirtschaftsförderung sowie weiteren Unternehmen.