Ein unverhofftes Schnäppchen: Der HC Thurgau profitiert im Fall von Jason Fritsche schon vor dem Saisonstart

Jason Fritsche, jüngster Neuzuzug des Swiss-League-Klubs Thurgau, ist ein Spieler, den man nicht alle Tage auf dem Markt findet. Doch kann der 23-Jährige auch die grossen Fussstapfen seines Vaters füllen?

Matthias Hafen
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Jason Fritsche (hinten) war in der vergangenen Saison Captain bei Thurgaus Ligakonkurrent Ticino Rockets und hoffte dort auf NLA-Einsätze mit Ambri-Piotta.

Jason Fritsche (hinten) war in der vergangenen Saison Captain bei Thurgaus Ligakonkurrent Ticino Rockets und hoffte dort auf NLA-Einsätze mit Ambri-Piotta.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 29. Oktober 2019)

Beim Namen Fritsche bekommen langjährige Eishockeyfans heute noch feuchte Augen. Ab den frühen 1980er-Jahren bis über die Jahrtausendwende hinaus verzauberte John Fritsche das Schweizer Publikum. Zuerst schoss der Stürmer aus Cleveland, Ohio, Ambri-Piotta in die NLA, zwei Jahre später auch den EV Zug. Via Lugano fand er in den 90er-Jahren zu Ambri zurück. Seine offensive Spielweise brachte ihm weit über die Klubgrenzen hinaus Sympathien.

In seine Fussstapfen sind mittlerweile die Söhne John jun. (beim NLA-Klub Servette unter Vertrag) und Jason getreten. Der sechs Jahre jüngere Jason Fritsche will in dieser Saison beim HC Thurgau den nächsten Schritt machen. Seine Juniorenzeit verbrachte der 23-jährige Doppelbürger vorwiegend in Nordamerika und wechselte auf die Saison 2016/17 in die Nachwuchsabteilung von Ambri-Piotta. Seit Herbst 2017 spielte er in der Swiss League, nebst einer kurzen Ausleihe zum HC Sierre für die Ticino Rockets.

Fritsches Juniorenjahre in den USA zahlen sich für Thurgau aus

Ein grosses Plus von Fritsche ist, dass er auf der Centerposition spielt, die im Schweizer Eishockey mangels Spielerangebots nur schwer mit Einheimischen zu besetzen ist. Für den HC Thurgau hat der jüngste Transfer deshalb besonders Sinn gemacht, wie Sportchef Gody Kellenberger sagt. «Wir wollten unsere Offensive für diese Saison qualitativ nochmals mit Swiss-League-Erfahrung verstärken. Das ist uns mit Jason Fritsche gelungen.»

Während Fritsches Qualitäten wenig auf ein Schnäppchen vom Wühltisch hindeuten, versichert HCT-Sportchef Kellenberger, dass er «recht preisgünstig» war. Der Grund: Bei Fritsche müssen die oft teuren Ausbildungseinheiten bei Transfers nur für dessen (kurze) Zeit in der Schweiz entrichtet werden und nicht für die gesamte Juniorenzeit. Das macht Fritsche, der seit Montag mit dem HCT trainiert, unabhängig von dessen Qualitäten doch irgendwie zum Schnäppchen. Weitere Transfers plant Thurgau vorerst nicht. Sportchef Gody Kellenberger sagt:

«Wir haben nun ein Kader, mit dem wir qualitativ und quantitativ guten Gewissens in die Saison steigen können.»

Zu den 21 eigenen kommen noch Verstärkungsspieler vom NLA-Partner Rapperswil-Jona dazu.

Am kommenden Dienstag um 20.00 Uhr bestreitet der HC Thurgau in der Weinfelder Güttingersreuti sein erstes Testspiel im Hinblick auf die Saison 2020/21. Gegner ist der Ligakonkurrent SC Langenthal.

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Matthias Hafen