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Ein Überfall in Sulgen mit Tradition

Die bestandene Abschlussprüfung markiert den Übergang vom Lehrling zum Ausgelernten. Lernende der Druckbranche müssen jedoch eine weitere «Prüfung» bestehen, bevor sie bei Kollegen als gleichwertig gelten.
Hannelore Bruderer
Alejandra Macias Madrid wird unfreiwillig gebadet. (Bild: Hannelore Bruderer)

Alejandra Macias Madrid wird unfreiwillig gebadet. (Bild: Hannelore Bruderer)

Der Chauffeur, der bei der medienwerkstatt ag eine Lieferung abholen wollte, konnte kaum glauben, was sich da vor seinen Augen ereignete. Während einige Mitarbeiter tatenlos zusahen, stürzten sich fünf Männer auf einen sechsten, der an der Druckmaschine nichts ahnend seiner Arbeit nachging. Sie zwangen den jungen Mann, der sich heftig wehrte, zu Boden und fesselten ihn mit Klebeband. Im Büro der Druckvorstufe ereignete sich zeitgleich fast die gleiche Szene. Nur waren es dort Frauen, die sich – nicht weniger zimperlich als ihre männlichen Kollegen – über eine Lernende hermachten.

Die Zeremonie des Gautschens existiert seit dem 16. Jahrhundert. Durch sie werden Lehrlinge der Druckbranche von ihren Lehrlingssünden reingewaschen und in den Stand der Berufsleute aufgenommen. In diesem Jahr waren es bei der medienwerkstatt ag Polygrafin Alejandra Macias Madrid und Drucktechnologe Bill Eberhard, die ihre vierjährigen Lehren erfolgreich abgeschlossen hatten und den alten Brauch im wahrsten Sinne des Wortes hautnah erleben durften. Bill Eberhard, Drucktechnologe aus Zihlschlacht, schilderte die Situation wie folgt:

«Ich wurde abgelenkt und schon packten mich fünf meiner Arbeitskollegen für das Gautschen. Sie fesselten mich, so dass es schmerzte. Das Gautschen war, trotz kalten Wassers, weniger schlimm.»

Nach der ersten heftigen Gegenwehr gaben sich die Beiden ihrem Schicksal hin und liessen sich in einen Handwagen zum Brunnen beim Seniorenzentrum karren, nicht ohne zwischendurch mit Wasser bespritzt und mit Puder bestäubt zu werden. Bevor die beiden jungen Berufsleute ein Bad im Brunnen erhielten, führte Gautschmeister André Borges die Freisprechungszeremonie durch.

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