Ein Cup-Triumph für die Swiss League – was das für den HC Thurgau bedeutet

Der Cupsieg des HC Ajoie soll Inspiration für alle Clubs aus der zweithöchsten Liga sein – auch für den HC Thurgau. Doch nicht nur das: Er bringt auch eine erstaunliche Erkenntnis punkto Stephan Mair zutage.

Matthias Hafen
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Der Wille versetzte Berge: Captain Jordane Hauert stemmt den Pokal vor den frenetischen Anhängern des HC Ajoie in die Höhe.

Der Wille versetzte Berge: Captain Jordane Hauert stemmt den Pokal vor den frenetischen Anhängern des HC Ajoie in die Höhe.

Bild: Pascal Muller/Freshfocus

Sind wir nicht alle ein bisschen Ajoie? Diesen Eindruck erweckten die Reaktionen auf den Cupsieg der Jurassier am Sonntagabend gegen den HC Davos. Glückwünsche erreichten den HC Ajoie von allen Seiten – auch von seinen Ligakonkurrenten. Der 7:3-Finalsieg des Unterklassigen gegen den grossen Favoriten aus der NLA riss mit, weil er nicht gestohlen war, sondern redlich erkämpft.

Getragen von einem frenetischen Publikum im ausverkauften WM-Stadion in Lausanne zeigte die Mannschaft von Trainer Gary Sheehan eindrücklich, wie ein Wille Berge versetzen kann. Der HC Ajoie ist nach Servette (1959) und Rapperswil-Jona (2018) erst der dritte Unterklassige, der den Schweizer Cup gewinnt, der zweite in der Neuzeit. Der Triumph der Jurassier hat aber eine ganz andere Qualität als jener der Rapperswiler vor zwei Jahren.

Ein Durchschnittsteam, das sogar gegen die Ticino Rockets verlor

Sheehans Equipe ist nicht auf den Aufstieg getrimmt wie damals die St.Galler, kein Starensemble der zweithöchsten Liga. Der Cupsieger ist im Grunde genommen ein durchschnittlicher Swiss-League-Club, hat in dieser Saison unter anderem schon gegen die Ticino Rockets, GCK Lions, Visp, Langenthal und Thurgau verloren. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb sich sowohl Freunde wie auch Konkurrenten mit den Jurassiern freuen. Denn das Signal, das Ajoie mit dem Pokalgewinn ausgesandt hat, ist unmissverständlich: Mit einem unbändigen Willen kann es jeder soweit schaffen.

Als erster Swiss-League-Vertreter überhaupt schalteten die Jurassier im Cup-Wettbewerb vier NLA-Clubs hintereinander aus, mit Lausanne, den ZSC Lions, Biel und Davos erst noch vier Topteams. Dadurch gewann der Swiss Ice Hockey Cup nicht nur weiter an Bedeutung respektive Berechtigung, er führte auch vor Augen, dass die Swiss League weit besser ist als ihr Ruf. In der zweithöchsten Spielklasse mag das Tempo nicht so hoch sein, die Präzision manchmal zu wünschen übrig lassen, doch wird vom Jura über das Wallis und das Mittelland bis in den Thurgau auf dem Eis genauso hart gearbeitet wie in den Schweizer Hockey-Hochburgen.

Stephan Mair der bessere Coach als Christian Wohlwend

Thurgaus Trainer Stephan Mair schaffte es als einer der wenigen, Ajoies kanadisches Stürmerduo in entscheidenden Spielen zu neutralisieren.

Thurgaus Trainer Stephan Mair schaffte es als einer der wenigen, Ajoies kanadisches Stürmerduo in entscheidenden Spielen zu neutralisieren.

Donato Caspari (Weinfelden, 4. September 2019)

Aus Thurgauer Sicht brachte Ajoies Cupsieg eine weitere Erkenntnis zutage. Die nämlich, dass Stephan Mair der bessere Coach ist als der Davoser Christian Wohlwend. Mair war es, der mit dem HCT vor rund einem Jahr die Jurassier aus dem Playoff-Viertelfinal geworfen hat. Seither hat der HC Ajoie keine bitterere Niederlage mehr kassiert. Mair schaffte es mit Akribie und einem hervorragenden Verständnis von taktischen Finessen, die beiden Über-Kanadier Philip-Michael Devos und Jonathan Hazen aus dem Spiel zu nehmen. Der Südtiroler ist bis heute einer der ganz wenigen, die das in entscheidenden Spielen geschafft haben. Wohlwend scheiterte am Sonntag im Cupfinal grandios daran. Seine Spieler waren überhaupt nicht gut auf den Gegner eingestellt und liefen dem Underdog ins offene Messer.

Warum dieser Vergleich? Wäre alles nach Plan gelaufen, stünde heute Wohlwend an der Bande des HC Thurgau. Nur weil der HCD-Coach Weinfelden im Sommer 2016 Knall auf Fall wieder verliess, wurde erst Mair verpflichtet – quasi als Notnagel. Doch wenn heute, nach dem Cupsieg des HC Ajoie, so stark darüber debattiert wird, wieso Devos/Hazen noch nicht in der NLA sind, dann müsste man sich das gleiche auch von Thurgaus Trainer Mair fragen.

Davos-Headcoach Christian Wohlwend (rechts, mit Assistenztrainer Waltteri Immonen) kann die Enttäuschung nach dem verlorenen Cupfinal nicht verbergen.

Davos-Headcoach Christian Wohlwend (rechts, mit Assistenztrainer Waltteri Immonen) kann die Enttäuschung nach dem verlorenen Cupfinal nicht verbergen.

Marc Schumacher /Freshfocus