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Ein Stück Nischenkultur verschwindet: Das Arboner Kurlturcinema schliesst

Claudia und Kaspar Lämmler haben nach siebzehn Jahren ihr Kulturcinema geschlossen. Wehmut beschleicht bei der letzten Vorstellung nicht nur das Publikum. Ein rührender Ausklang.
Max Eichenberger
Kaspar und Claudia Lämmler hinter der Theke im Kulturcinema (Bild: Max Eichenberger)

Kaspar und Claudia Lämmler hinter der Theke im Kulturcinema (Bild: Max Eichenberger)

Wasser hört man draussen ins Biotop plätschern. Die Fensterflügel sind weit geöffnet. Etwas angenehm kühlere Abendluft zieht in die ehemalige Werkstatt an der Farbgasse. Draussen auf der abgewandten Seite präsentiert sich im Schatten der üppige Garten. Sattes Grüngewächs, blumige Farbtupfer in gelb, orange und lila.

Der warme Sommerabend zögert die Dämmerung hinaus. Und damit das Aus für den Betrieb im Kulturcinema. Es ist besiegelt, wehmütige Stimmung kommt auf. Noch ist es nicht dunkel genug, den letzten Film, «Smoke», anzufahren. Das treue Publikum nippt an einem Weizen-Bierglas, schlürft einen Cappucino oder stochert in einem Fruchttörtchen. Man ist in Feierabend- und Ausklangstimmug, vertieft in Gespräche.

Kleines, feines Kino hinter dem Gutenberg-Haus

Claudia und Kaspar Lämmler stehen an der Theke, bedienen die Gäste, wie immer vor einer Veranstaltung, in den Pausen oder danach. Siebzehn Jahre haben sie ihr kleines, feines Kulturcinema mit Leidenschaft geführt. Jetzt ist Schluss. Beide rutschen langsam gegen die Pensionierung hin – und verfolgen andere private Pläne.

Der Zeitpunkt zum Aufhören stimme. Die ganze Programmarbeit war über die Jahre mit viel Aufwand verbunden gewesen. Im verwunschenen Garten sinnierend, hatte Claudia Lämmler 2002 die Idee, das Arboner Kulturangebot, das sie als nicht gerade üppig fand, zu bereichern. Zwei Jahre zuvor war das Paar von St. Gallen zugezogen, wo sie neben einem Kino gewohnt hatten. Kulturaffin waren beide: sie im gestalterischen Bereich, er musikalisch und filmisch. Jazz-Liebhaber Kaspar Lämmler, Kleinklassenlehrer und Sohn des Lämmlibrunnen-Schöpfers, leitete in jungen Jahren am Seminar den Filmclub.

Aus Zufall auf die Liegenschaft gestossen

2000 war der Tapetenwechsel angesagt. Claudia Lämmler, aufgewachsen in Goldach, und ihren Mann zog es an den See. Zum Verkauf stand die ehemalige Barbarossa-Liegenschaft in der Altstadt. Doch zufällig wurden sie auf das Haus Gutenberg mit der angebauten ehemaligen «Oberthurgauer»-Druckerei gegenüber aufmerksam, welches sie dann aus der Konkursmasse erstanden. Zuvor wurde diese unter anderem als Werkstatt und Zweirad-Geschäft genutzt.

Dort, wo Kenner noch den Bleisatz der früheren Setzerei erschnuppern, richteten Lämmlers ihr Kulturcinema ein, das über die Jahre zu einer Nischen-Institution wurde. Während einer Auszeit hatte Kaspar Lämmler schon in Italien ein Haus umgebaut, hatte also bauhandwerklich Erfahrung. Finanziert haben die Initianten alles selber.

Studiofilme, Roadmovies, Konzerte und Talk

Ein 2004 gegründeter Verein half ideell und materiell mit, den Betrieb abzusichern. Der nachmalige Stadtammann Martin Klöti, ein Freund der Kultur, liess städtische Beiträge fliessen und sorgte dafür, dass der Kanton den Beitrag verdoppelte. «Das hat uns sehr geholfen», sagt Lämmler. Nicht nur zum Überleben, auch um das Programm zu erweitern und anständige Gagen bezahlen zu können. «Eins ist dann nach dem andern gekommen.»

Bei der Dernière zeigte das Kino den Film «Smoke». (Bild: Max Eichenberger)

Bei der Dernière zeigte das Kino den Film «Smoke». (Bild: Max Eichenberger)

Neben Filmperlen jenseits des Mainstreams waren Konzerte mit Schwerpunkt Jazz hinzugekommen sowie Talkrunden mit Jürg Niggli und Kulturschaffenden («Zu Besuch…»). Um die fünfzig Veranstaltungen im Jahr hat das Programm umfasst. Geschlossen wurde der Reigen am Freitag mit dem Filmjuwel «Smoke» - ein Herzens- und Wunschprojekt der Lämmlers: «Siebzehn Jahre jeden Freitag mit treuem Publikum, faszinierenden Musikern, fesselnden Gesprächen und schrägen Filmen hinterlassen wertvolle Erinnerungen.» So rührend der letzte Film, so emotional ist der Abschied.

Von Wehmut beschlichen – mitten im Publikum – ist auch alt Stadtrat Peter Gubser: «Eine Sonderleistung, ein solches Programm so lange geboten zu haben», würdigt er das kulturelle Engagement von Claudia und Kaspar Lämmler mit einer Flasche Wein. Gemildert werde die Wehmut ein wenig dadurch, «dass wir immerhin ja noch in Romanshorn mit dem Roxy ein Programm-Kino haben.»

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