Ein Skorer für den HC Thurgau: Warum Rekordbrecher Darcy Murphy genau der richtige Mann sein kann für die Swiss League

Der HC Thurgau nimmt für die Saison 2020/21 den 27-jährigen Kanadier Darcy Murphy unter Vertrag. Sowohl bei den Belfast Giants als auch zuletzt bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 gehörte Murphy zu den Toptorschützen seines Teams.

Matthias Hafen
Drucken
Teilen
Darcy Murphy brachte es bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 auf einen Skorerpunkt pro Spiel.

Darcy Murphy brachte es bei den Lausitzer Füchsen in der DEL2 auf einen Skorerpunkt pro Spiel.

Thomas Heide/Lausitzer Füchse

Der HC Thurgau hat die Lehren aus der vergangenen Saison gezogen. Nach den zwei mannschaftsdienlichen, aber wenig spektakulären Zwillingen Connor und Kellen Jones verstärkt im Winter 2020/21 wieder ein ausgewiesener Skorer das Kader des Swiss-League-Clubs aus Weinfelden. Darcy Murphy aus Belleville, Ontario, kommt mit viel Vorschusslorbeeren in die Ostschweiz. Sowohl vergangene Saison in der zweithöchsten Eishockeyliga Deutschlands wie auch die zwei Jahre zuvor in der britischen Elite-Liga bot der Flügelstürmer, der auch als Center eingesetzt werden kann, beste Unterhaltung. Sein ausgeprägter Torriecher machten ihn bei den Lausitzer Füchsen wie auch bei den Belfast Giants zum Publikumsliebling.

In Belfast wurde Darcy Murphy 2019 mit 50 Treffern in einer Saison gar zum besten Torschützen der Clubgeschichte – und zum Topskorer der gesamten Liga. Seine insgesamt 101 Punkte in 79 Spielen trugen massgeblich zu Belfasts Titelgewinn und der Teilnahme der Nordiren an der Champions Hockey League teil. Vergangene Saison bei den Lausitzer Füchsen in Ostdeutschland resultierte in 52 DEL2-Spielen durchschnittlich ein Skorerpunkt pro Partie (29 Tore, 23 Assists).

Stürmer Darcy Murphy war bei den Belfast Giants in der britischen Elite-Liga bester Torschütze und der Publikumsliebling schlechthin.

Stürmer Darcy Murphy war bei den Belfast Giants in der britischen Elite-Liga bester Torschütze und der Publikumsliebling schlechthin.

PD/Belfast Giants

In zwei verschiedenen Ligen bei den Besten

«Darcy Murphy hat in zwei verschiedenen Ligen bewiesen, dass er skoren kann», sagt Stephan Mair, Headcoach des HC Thurgau. «Ich bin überzeugt, dass er uns diesbezüglich weiterhelfen kann.» Mair hat zahlreiche Videos des Spielers gesichtet und von Trainerkollegen diverse Meinungen eingeholt. «Alle haben ihm ein gutes Zeugnis ausgestellt», sagt der Südtiroler. Belfast-Trainer Adam Keefe sagte einst über den Neuzuzug des HC Thurgau:

Er ist ein echter Skorer. Immer wenn er in der Nähe des gegnerischen Tores steht, geht Gefahr von ihm aus. Und jedes Mal, wenn er den Puck auf der Schaufel hat, ist er für den Gegner eine Bedrohung.

Die Belfast Giants unternahmen denn auch grosse Anstrengungen, Darcy Murphy für die kommende Saison wieder nach Nordirland zu locken. Sie sahen am Ende aber ein, dass das Schweizer Eishockey die grössere Herausforderung für den Spieler bedeutet. Und dem Kanadier war es ein grosses Anliegen, künftig in der Schweiz spielen zu können. Aus diesem Grund verliess er auch die DEL2.

HC Thurgau nur mit einem Ausländer wegen Corona?

Vieles deutet darauf hin, dass Darcy Murphy genau der Spielertyp ist, den der HC Thurgau für seine Offensive braucht. Mit seinen 1,78 Metern ist Murphy nicht besonders gross, «aber er ist flink und wendig», sagt HCT-Trainer Mair. Attribute, die in der Swiss League von einem Skorer mehr gefragt sind als seine Wasserverdrängung. Murphy wird Anfang August in Weinfelden erwartet, um das Training mit der Mannschaft aufzunehmen.

Mit der Besetzung des zweiten Ausländerpostens wartet der HC Thurgau bewusst ab. «Wegen der Ungewissheit aufgrund der Coronapandemie sind wir vorsichtig», sagt Headcoach Mair. Und Vorrang habe nun, einen Schweizer Spieler als Ersatz für den zu Visp abgesprungenen Topskorer Melvin Merola zu finden. Nicht auszuschliessen also, dass die Ostschweizer unter Umständen mit nur einem Ausländer in die Saison 2020/21 starten werden. Und falls sich die Lage mit Meisterschaftsbeginn doch noch normalisiert, würde ein Zweiwegspieler, zum Beispiel ein defensiver Center, auf dem Wunschzettel des HCT stehen. «Einen solchen findet man auch einfacher als einen Skorer, der in unser Budget passt», so Mair.

Mehr zum Thema