Ein Schloss für einen Franken: Die IG Schloss Luxburg nimmt sich ihre Nachbarn zum Vorbild

Die IG Schloss Luxburg will die kleine Burg in Egnach der Öffentlichkeit zugänglich machen. Vertreter der Gruppierung haben sich daher nun mit dem Stiftungsrat des Schlosses Roggwil zum Gespräch getroffen.

Tanja von Arx
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Die Luxburg in Egnach ist eine Black Box. Zur Zeit werden für Verhandlungen die Eckdaten des Anwesens erhoben.

Die Luxburg in Egnach ist eine Black Box. Zur Zeit werden für Verhandlungen die Eckdaten des Anwesens erhoben.

Bild: Michel Canonica

Die Sache nimmt Form an. Eine IG, die eine geeignete Nutzung für das Schloss Luxburg finden und es der Öffentlichkeit zugänglich machen will, steht nicht nur in Kontakt mit den Inhabern von der Stefanini-Stiftung. Sie holt sich auch Rat und Inspiration bei ihren Nachbarn, wie Recherchen zeigen: Der Stiftung des Schlosses Roggwil.

«Kürzlich hat ein gemeinsames Gespräch stattgefunden», sagt Markus Zürcher, Präsident der Stiftung Schloss Roggwil, auf Anfrage. Und dies erstaunt nicht. Denn das Schloss Roggwil, schon dem Abbruch geweiht, wurde 1976 vom Thurgauer Heimatschutz und einer Arbeitsgruppe aus dem Dorf erfolgreich und vorbildlich gerettet.

Mehr als 12'000 Stunden Fronarbeit

Die damaligen Besitzer, Familie Duelli, konnten ihre Umbaupläne nicht realisieren. So gaben sie das Schloss für einen symbolischen Franken ab. Freiwillige leisteten in Absprache mit dem vormaligen Architekten rund 12'000 Stunden Fronarbeit: Von 1976 bis 1984 wurde das Schloss innen und aussen vollständig restauriert. Der Stiftungsrat sagt:

«500 Personen haben dem altehrwürdigen Bauwerk ihre Sympathie erwiesen.»

In einer ersten Etappe renovierte man den Turm und den Westflügel. Die Sanierungsarbeiten umfassten Fenster und die Kapelle bis hin zur Roggwilerstube. In einer zweiten Etappe ging es an den Ostflügel und das Spritzenhäuschen; saniert wurde von Dach über Barocksaal bis hin zum Schlosskeller. Die Renovierungsarbeiten wurden 1985 sogar mit dem Schweizer Heimatschutzpreis ausgezeichnet. Besagte Arbeitsgruppe wurde zur Stiftung.

Im Schloss herrscht seither fröhliches, vielseitiges Leben. Doch dieses ist weiter einhergegangen mit viel Mühe und Arbeit. 1999 wurde nochmals renoviert, diesmal auch in der Umgebung. Von 1985 bis 2003 führten vierzig Personen jedes Jahr an zwei Samstagen Reparaturen durch. Von 1976 bis 2003 lieferten zwanzig Handwerker, Architekten und Landwirte neben ihrer Arbeit Material, organisierten Transporte oder stellten Maschinen zur Verfügung. Und von 1979 bis 2003 veranstalteten bis vierzig Frauen jedes Jahr einen Ostermarkt, dessen Erlös in Anschaffungen floss.

Über 2,4 Millionen für Kauf und Baukosten

Man erwarb auch die Schlosswiese und die Schlossscheune. Kauf und Baukosten beliefen sich auf über 2,4 Millionen Franken, die Fronarbeit belief sich auf über eine halbe Million. Heute sind über 600 Firmen und Personen Gönner der Stiftung und so Schloss-Miteigentümer. Stiftungspräsident Zürcher sagt treffend: «Das Gemeinschaftswerk Schloss Roggwil blüht.»

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