Ein Rundgang durch die Arboner Altstadt

In Arbon gibt es Bauwerke im Stil von der Frühklassik bis zur Postmodernen. Darum sieht Hans-Jörg Willi Potenzial, Arbon zum Mekka für Architektur-Interessierte zu machen. Bereits die Führung durch die Altstadt zeigt eine hohe Dichte der Epochen auf engstem Raum.

Eva Wenaweser
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Hans-Jörg Willi zeigt die Buckelquader aus Rohrschacher Sandstein beim Posthof. (Bild: Eva Wenaweser)

Hans-Jörg Willi zeigt die Buckelquader aus Rohrschacher Sandstein beim Posthof. (Bild: Eva Wenaweser)

Arbon soll ein Mekka für Architektur-Interessierte werden. Diese Meinung vertritt der 74-jährige Hans-Jörg Willi. Der pensionierte Lehrer unterrichtete 41 Jahre lang hauptsächlich Geschichte, Geografie und Sprachen. Laut Willi ist Arbon prädestiniert, weil es Bauwerke von der Frühklassik bis zur Postmoderne hat. Bei einem Rundgang beschreibt Willi sieben dieser Gebäude und ordnet sie auf Grund ihrer Merkmale den Epochen zu. Sein Interesse sei zudem auch mit der Standortfrage der kantonalen historischen Museums verbunden. «Wenn man geschichtlich interessierte Leute nach Arbon holen möchte, soll man ihnen vieles zeigen können», sagt Willi. Es gäbe zwar bereits ein reichhaltiges Museum im Schloss. Falls man diese erweiterte, würde das Angebot deutlich steigen.

Galluskapelle (Bild: Andrea Stalder)

Galluskapelle (Bild: Andrea Stalder) 

1 Galluskapelle – Romanik

Die Rundbögen lassen den romanischen Stil der Kapelle erkennen, die Ende des 13. Jahrhunderts erbaut wurde. Sie befindet sich im Originalzustand. Die von Eis und Wasser gerundeten Steine waren mit dem Rheingletscher gekommen. Es handelt sich also um Natur- und nicht um Ziegelsteine. Die Bollensteine wurden am Ufer des Bodensees gesammelt und für den Bau der Kapelle verwendet.

Schloss Arbon (Bild: Andrea Stalder)

Schloss Arbon (Bild: Andrea Stalder)

2 Schloss Arbon – Gotik

Das Schloss wurde im 16. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut und besteht aus drei Flügeln. Während der Nordflügel der grösste ist, ist der Ostflügel ziemlich schmal. Der Südflügel hat gegen Osten ein gotisches Stufenfenster. Gotische Treppengiebel sind bei allen Baukörpern zu sehen.

Posthof (Bild: Andrea Stalder)

Posthof (Bild: Andrea Stalder)

3 Posthof -   Neu-Renaissance

Der Posthof von 1904 ist der einzige Hofrandbau im Thurgau. Die typischen Buckelquader der Aussenmauern sind aus Rohrschacher Sandstein und deuten ebenso wie die Kuppel an der Südostecke des Hofrandbaus auf die Renaissance hin. Der Grundcharakter lässt sich also dieser Epoche zuordnen. Doch auf der Südseite hat es auch Stufenfenster, ein Stilelement der Gotik.

Ehemaliges Gasthaus Ochsen (Bild: Andrea Stalder)

Ehemaliges Gasthaus Ochsen (Bild: Andrea Stalder)

4 Ehemaliges Gasthaus Ochsen – Barock

Der Fachwerkbau aus dem Jahre 1718 zeigt unter anderem mit dem geknickten und gesprengten Dach die Verrücktheit des Barocks. Als das Holz rar wurde, wechselte man von Vollholzhäusern, sogenannten Bohlenständerbauten, zu Fachwerk- oder Riegelhäusern. Während das Rot einst angeblich Ochsenblut war und heute noch dafür steht, gelten Grau und Hellblau als besonders vornehm.

Ehemaliges Rathaus (Bild: Andrea Stalder)

Ehemaliges Rathaus (Bild: Andrea Stalder)

5 Ehemaliges Rathaus - Rokoko

Der Grundstock des Rathauses stammt aus dem Mittelalter. Doch das Mansarddach verweist auf die Epoche des Rokoko. Das aus zwei Stufen bestehende Dach hat den Namen des Architekten François Mansart. Er verwendete diese Bauweise bei den Prunkbauten in Versailles.

Ehemaliges Restaurant Terminus (Bild: Andrea Stalder)

Ehemaliges Restaurant Terminus (Bild: Andrea Stalder)

6 Ehemaliges Restaurant Terminus – Klassizismus

Das Gebäude aus dem Jahre 1900 gehört zum Klassizismus. Die sechs Fensterverdachungen zeigen im Wechsel Stumpfgiebel (griechisch) und Flachbogen (römisch). Heute heisst das Restaurant El Paradiso und ist ein Bordell. Im unteren Stock befindet sich eine Bar und oben hat es Zimmer.

Saurer Werk 1 (Bild: Andrea Stalder)

Saurer Werk 1 (Bild: Andrea Stalder)

7 Saurer Werk 1 – Moderne

Das Flachdach des 1962 erstellten Gebäudes ist ein Merkmal der Moderne. Auch der minimalistische Stil und die Farblosigkeit deuten darauf hin. Der Architekt Georges-Pierre Dubois, der ein Schüler von Le Corbusier war, baute den heute ZIK genannten Trakt auf Stelzen des einstigen Saurer Herrenhauses.

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