Ein Rückschlag und zwei musikalische Andeutungen bei der Budgetversammlung der Amriswiler Katholiken

Die Amriswiler Katholiken heissen das Budget einstimmig gut. Mehr als die Finanzen gab das Stefanshöfli zu reden.

Manuel Nagel
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Kirchenpräsident Daniel Ambord spricht an der Kirchgemeindeversammlung. Links sitzt Aktuar Martin Zecha, rechts ist Jasmin Chischè (Finanzen).

Kirchenpräsident Daniel Ambord spricht an der Kirchgemeindeversammlung. Links sitzt Aktuar Martin Zecha, rechts ist Jasmin Chischè (Finanzen).

Bild: Manuel Nagel

«Die Traktandenliste ist nicht allzu lang, da haben wir auch Zeit für einen musikalischen Beitrag», sagte der Präsident der Amriswiler Katholiken, Daniel Ambord. Kantor Thomas Haubrich bewies anschliessend, dass er nicht nur ein Meister an den Tasten ist, sondern es auch versteht, subtil und mit Schalk eine kleine Spitze zu platzieren.

Sein Instrument war nicht wie gewohnt die grosse Orgel, sondern nur ein kleines Keyboard, auf dem er die anwesenden Kirchbürger zu Beginn der Budgetversammlung mit einem Musikstück berieselte und dieses dem Stefanshöfli widmete: Es war «Time To Say Goodbye».

«Das war so nicht abgemacht, aber das ist die musikalische Freiheit, die du geniesst.»

sagte Daniel Ambord mit einem Schmunzeln, als die letzten Töne erklungen waren.

Doch bevor die einstige Kirche – die Denkmalpflege des Kantons möchte sie entgegen dem Willen der Kirchgemeinde unter Schutz stellen – zum Thema wurde, ging es ums Budget. Bei einem Ertrag von 1'553'800 Franken und einem Aufwand von 1'612'450 Franken präsentierte Finanzchefin Jasmin Chischè den daraus resultierenden Rückschlag von 58'650 Franken.

Steuerfuss bleibt vorerst bei 19 Prozent

Präsident Ambord erklärte zudem, dass die Abstimmung vom vergangenen Wochenende direkten Einfluss auf das Budget habe, weil mit der Steuerreform der Kirchgemeinde «ein rechter Batzen» fehle. Konkret rechne man für Katholisch Amriswil mit rund 130'000 Franken Mindereinnahmen, doch die Landeskirche werde im ersten Jahr noch eine Starthilfe von 30'000 Franken gewähren. Und weil es um das Eigenkapital der Kirche auch nicht schlecht bestellt sei, wolle man den Steuerfuss vorerst bei 19 Prozent belassen. Diesem Antrag der Kirchenvorsteherschaft folgten die 53 anwesenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger einstimmig.

Im Saal der katholischen Kirche fanden sich 53 Stimmberechtigte zur Kirchgemeindeversammlung ein.

Im Saal der katholischen Kirche fanden sich 53 Stimmberechtigte zur Kirchgemeindeversammlung ein.

Bild: Manuel Nagel

Etwas mehr als Anwesende im Saal, nämlich 58, hätten die Kirche im vergangenen Jahr verlassen. «Vor allem zu Beginn des Jahres», sagte Daniel Ambord und er vermutete einen Zusammenhang mit publik gewordenen Missbrauchsskandalen im Ausland. «Das ist schade, denn die Kirchensteuern hier gehen nicht nach Solothurn und schon gar nicht nach Rom, sondern werden bei uns eingesetzt», gab der Präsident zu bedenken.

Zum Ende der Versammlung gab das Stefanshöfli noch zu reden. Bauverwalter Urs Hungerbühler versicherte, die alte Kirche nicht leichtfertig abzubrechen, sagte aber, die vorliegende Nutzungsstudie mit 1,8 Millionen sei einfach zu teuer.

Den Schluss machte wieder Kantor Haubrich. Das Lied habe nichts mit dem Stefanshöfli zu tun, sagte er schmunzelnd. Er habe einfach ein schönes Lied der Beatles gewählt: «Let It Be».