Ein Punktgewinn wie ein Sieg: Der HC Thurgau bringt Kloten mit einem Rumpfkader fast zur Verzweiflung

Ein HC Thurgau in Personalnot geht auswärts gegen Kloten dreimal in Führung, rettet sich am Ende mit letzter Kraft in die Verlängerung und verliert dort 3:4.

Matthias Hafen
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Patrick Spannring (links, hier im Spiel gegen Winterthur) brachte Thurgau schon nach 18 Sekunden in Führung.

Patrick Spannring (links, hier im Spiel gegen Winterthur) brachte Thurgau schon nach 18 Sekunden in Führung.

Bild: Mario Gaccioli (11. Oktober 2020)

Beinahe wäre der Plan aufgegangen. Mit kompaktem Spiel, rigoroser Defensivarbeit und einem riesengrossen Kämpferherz brachte der HC Thurgau den EHC Kloten am Mittwochabend im Schluefweg an den Rand einer Niederlage. Doch am Ende bezahlte der überraschende Leader der Swiss League für seine aktuell sehr dünne Personaldecke mit zwei Punkten. Der verletzungsbedingte Ausfall von gleich sechs Schlüsselspielern und die Absenz eines zweiten Ausländers seit Saisonbeginn liessen gegen Schluss der Partie die Kräfte schwinden.

Die Thurgauer, bei denen Verteidiger Bernhard Fechtig als Stürmer agieren musste, brachten weder ihren 3:2-Vorsprung über die Zeit, noch konnten sie in der Verlängerung redlich um den Siegtreffer mitspielen. Zu platt waren die Spieler nach aufopferndem Kampf. Die 3:4-Niederlage in der Overtime und damit der Punktgewinn beim Aufstiegsfavoriten Kloten stellt dem Team von Trainer Stephan Mair dennoch ein gutes Zeugnis aus.

Unverhoffter Traumstart mit 1:0 nach 18 Sekunden

Einmal mehr nutzte der HCT seine beschränkten Kräfte für einen Blitzstart. Nach 18 Sekunden hatte Patrick Spannring die Gäste 1:0 in Führung gebracht. Der Österreicher mit Schweizer Lizenz profitierte von einem Puckverlust von René Back, dem Thurgauer Verteidiger in Diensten des EHC Kloten. Mit einer sehr kompakten Spielweise liess der HCT den zu Beginn gar fehleranfälligen Gegner nur selten zu Chancen kommen. Man hatte das Gefühl, die peinliche 0:2-Heimniederlage gegen die Ticino Rockets wirke bei den Zürcher Unterländern noch nach. Es brauchte zwei Strafen gegen Thurgaus Kanadier Darcy Murphy, um Kloten aufs Scoreboard zu bringen. Dominic Forget nutzte bei Spielmitte das zweite Powerplay zum 1:1.

Während beim EHC Kloten vor allem die zwei Linien mit Topskorer Forget und den beiden Ausländern Eric Faille und Robin Figren für die Musik sorgte, kamen die schönsten Thurgauer Töne an diesem Abend von eher unerwarteter Seite. Keine vier Minuten nach Klotens Ausgleich erzielte Jérôme Lanz das 2:1 für den HCT. Er konnte nach einem herrlichen Pass von Neuzuzug Mattia Hinterkircher solo auf Kloten-Goalie Dominic Nyffeler losziehen. Die knappe Führung der Gäste nach zwei Dritteln war aufgrund ihres sehr disziplinierten Auftritts verdient. Und sie zwang den Favoriten, vor seinem Publikum zu reagieren. Zwei hundertprozentige Torchancen zu Beginn des Schlussdrittels und der 2:2-Ausgleich durch Niki Altorfer nach drei Minuten deutete an, was von Kloten noch zu erwarten war.

Thurgau lässt sich auch ausgelaugt nicht abschütteln

Ein Powerplay-Treffer von David Wildhaber zum 3:2 (45.) nährte die Thurgauer Hoffnungen auf einen Auswärtssieg. Sollte es nach der 1:3-Niederlage im Cup diesmal tatsächlich gelingen, den EHC Kloten zu besiegen? Nicht ganz. Denn Figren profitierte in der 48. Minute von einem Tohuwabohu vor dem Thurgauer Tor, wo Spannring angeschlagen herumlag – 3:3. In der Verlängerung, bei drei gegen drei, setzten sich die individuelle Klasse und die grössere Kraftreserve des Heimteams fast schon logischerweise durch. Verteidiger Simon Kindschi bezwang Thurgau-Goalie Noël Bader mit sattem Schuss zum 4:3.

Kloten – Thurgau 4:3 n.V. (0:1, 1:1, 2:1)

Swiss-Arena – 2644 Zuschauer – SR Borga/Nikolic, Pitton/Gurtner.
Tore: 1. (0:18) Spannring (Fritsche) 0:1. 30. Forget (Faille, Figren/Ausschluss Murphy) 1:1. 34. Lanz (Hinterkircher, Parati) 1:2. 44. (43:02) Altorfer 2:2. 45. (44:30) Wildhaber (Rehak/Ausschluss Spiller) 2:3. 48. Figren (Faille) 3:3. 63. Kindschi (Nyffeler, Kellenberger) 4:3.
Strafen: je 3-mal 2 Minuten.
Kloten: Nyffeler; Kindschi, Janett; Ganz, Seiler; Stämpfli, Steiner; Back, Gähler; Truttmann, Forget, Altorfer; Obrist, Kellenberger, Simek; Knellwolf, Faille, Figren; Spiller, Füglister, Staiger.
Thurgau: Bader; Wildhaber, Soracreppa; Schmuckli, Parati; Scheidegger, Moor; Murphy, Fritsche, Spannring; Rehak, Rundqvist, Mosimann; Lanz, Hinterkircher, Fechtig; Baumann, Moser, Schnyder.
Bemerkungen: Kloten ohne Marchon (verletzt). Thurgau ohne Brändli, Hollenstein, Loosli, Hulak, Hobi, Bischofberger, Hagel (in Einreisequarantäne) und Aeberhard (überzählig). – 43. Pfostentreffer Truttmann.