Ein Pionier am Bahnschalter: Fritz Streuli arbeitet seit 30 Jahren in Weinfelden

Seit 30 Jahren arbeitet Fritz Streuli am Bahnhof Weinfelden. Seine Unentschlossenheit führte ihn zur SBB. Nun berät er Kunden, die mit dem Zug die Welt erkunden wollen, aber vielleicht noch nicht wissen, wohin.

Sabrina Bächi
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Fritz Streuli bedient die Kunden seit 30 Jahren am Bahnschalter in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Fritz Streuli bedient die Kunden seit 30 Jahren am Bahnschalter in Weinfelden. (Bild: Reto Martin)

Heute vor genau 30 Jahren hat der 26-jährige Fritz Streuli seine Arbeit am Bahnhof Weinfelden aufgenommen. Er ist einer der standorttreuesten Mitarbeiter, welcher im Dienst der SBB steht. Doch Fritz Streuli ist kein typischer Bähnler.

Die Liebe zur Natur und die Sorge über deren Zerstörung haben ihn zu den SBB gebracht. Der gebürtige Münchwiler war als junger Mann kurz nach der Matura ein unentschlossener Zeitgenosse. «Ich wusste nicht, was ich studieren soll. Deshalb habe ich bei der Swissair und später bei der Post gearbeitet», erzählt Streuli. Die berufliche Übergangslösung entpuppte sich als Türöffner zu seinem jetzigen Beruf. «Ich musste oft Pakete am Bahnhof Winterthur umladen», sagt Streuli.

Diese Begegnungen inspirierten ihn, nach zwei Jahren bei der Post eine Lehre als Betriebsdisponent bei der SBB in Angriff zu nehmen. «Mich faszinierte die ökologische Art der Bahn und ich wusste, dass ich auch etwas arbeiten will, bei dem ich den Kopf gebrauchen kann.» Seit der Reorganisierung der Bundesbahnen arbeitet Streuli im Verkauf am Billettschalter.

Die Veränderungen der Gesellschaft spürt er stark

«Das Tolle an meinem Beruf ist, dass ich zur Zufriedenheit der Menschen beitragen kann», sagt er. «Mein Reisetipp: die Bernina-Linie. Diese Strecke finde ich unglaublich schön.» Dennoch spürt er in seinem Beruf die Veränderungen der Digitalisierung. «Zudem sind die Ansprüche der Kunden gewachsen.» Der Beruf hat sich vom Verkauf zur Beratung gewandelt. «Die Veränderungen der Gesellschaft spüre ich schon stark und manchmal bereitet es mir Sorgen.» Dennoch:

«Mir gefällt es, so wie es ist.»

Der Bahnhof Weinfelden habe eine gute Grösse und dort zu wohnen, wo man arbeitet, sei Gold wert. «Weinfelden ist meine Heimat geworden», sagt der 56-Jährige. Der Grund, weshalb er bei den SBB anfing zu arbeiten, beeinflusste auch sein politisches Denken. Die Umweltverschmutzung, konkret das Baumsterben, machten ihm zu schaffen.

«Anfang der 90er-Jahre war ich Sympathisant der Weinfelder Grünen», sagt er. Obwohl er schliesslich bei der SP gelandet ist, spielen für ihn ökologische Themen immer noch eine entscheidende Rolle. Streuli ist oft mit dem Velo, zu Fuss oder mit dem Zug unterwegs. Auto fährt er praktisch nie. «Die meisten Autokilometer fahre ich mit den Mobility-Autos, die ich betreue.»

Car-Sharing Pionier

Eines dieser Autos steht gar auf Streulis Parkplatz. Und das hat seinen Grund. «Vor Mobility gab es die Auto-Teilet-Genossenschaft», sagt er. An einem Abend bei den Nachbarn entschlossen sich Streulis und Gähwilers – die Familie des Sekundarschulpräsidenten –, der Genossenschaft beizutreten und eine Sektion zu gründen. Daraus ist bis heute der Mobility-Standort an der Oststrasse entstanden.

«In der Ostschweiz haben wir Pionierarbeit geleistet», erzählt er lächelnd. Die anfängliche berufliche Unentschlossenheit und der parteipolitische Wandel führten Fritz Streuli letztlich nach Weinfelden, zu den SBB und zur SP. Eine grosse Konstante hat er seit seinem 18. Lebensjahr: seine Frau Cornelia. Mit den zwei Kindern haben sie sich in Weinfelden ihr Leben aufgebaut.

Für die nahe Zukunft hofft er derzeit vor allem, dass er mit dem neuen Fahrplan keinen «Chrüsimüsi» bekommt. «Ich habe seit Jahren alle Zeiten und Gleise im Kopf. Die Routine ist bei einem Wechsel ein gefährlicher Mitspieler. Ich hoffe nicht, dass ich plötzlich die alten Zeiten angebe. Ich habe mir daher vorgenommen, alles nochmals zu prüfen», sagt Streuli.

Denn auch, wenn sich vieles geändert hat, eines bleibt bestimmt: Fritz Streuli, der die Kunden am SBB-Schalter pflichtbewusst und mit grosser Freude bedient.

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