Ein Oberthurgauer im Mittelthurgau: Nachruf auf Alfred Diethelm

Alfred Diethelm war Gemeindeammann von Weinfelden und Bischofszell. Er verstarb im Dezember in Weinfelden. 

Sabrina Bächi
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Alfred Diethelm (1928–2019)

Alfred Diethelm (1928–2019)

(Bild: Bürgerarchiv Weinfelden)

Als 1975 der Weinfelder Arthur Haffter in den Regierungsrat gewählt wird, rückt Alfred Diethelm als sein Nachfolger an die Spitze der damaligen Munizipalgemeinde. Der 1928 in Dozwil geborene Diethelm versah das Amt des Gemeindeammanns während acht Jahren bis 1983, als er sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte.

Am 12. Dezember 2019 verstarb Diethelm im Alter von 91 Jahren im Tertianum Zedernpark in Weinfelden. Die letzten Jahre seines Lebens waren geprägt von Krankheit.

Diethelm war verheiratet und hat drei Töchter. Er hat eine erfolgreiche militärische Laufbahn als Offizier im Thurgauer Infanterieregiment 31 durchlaufen. Seit 1956 war er Grundbuchverwalter des Kreises Bischofszell.

Grosse Projekte für Bischofszell

Als Gemeindeammann in Bischofszell amtete er zwischen 1971 bis 1975. Unter Diethelms Ägide trat die Rosenstadt dem Abwasserverband bei, sanierte die alte Thurbrücke, das Rathaus sowie das Schloss und legte den Grundstein für die Sportanlagen im Bruggfeld. Diethelm war auch Mitglied des Kantonsrates.

«Geradlinigkeit und Ehrlichkeit sind seine hervorstechendsten Tugenden»

schrieb Hermann Lei in einem Zeitungsartikel über den Dozwiler. Weiter sei er ein sehr treuer und fürsorgender Mensch und habe ein frohes Gemüt, schreibt Lei.

Wahl in Weinfelden im zweiten Anlauf

Als sich Alfred Diethelm 1975 in Weinfelden zur Wahl stellte, war er ein Auswärtiger. Damals noch Gemeindeammann in Bischofszell, trat der FDP-Mann gegen den Sozialdemokraten und Vize-Gemeindeammann Walter Mästinger an. Im ersten Wahlgang schaffte keiner der beiden das absolute Mehr, Mästinger holte aber zwei Stimmen mehr als sein Gegenspieler. Dann verzichtete er jedoch auf den zweiten Wahlgang. Diethelm stand entsprechend als einziger Kandidat im Feld und wurde mit 1416 Stimmen gewählt. Obwohl Mästinger nicht mehr antrat erhielt er doch über 900 Stimmen.

Es zeigt: Diethelms Start in Weinfelden war nicht einfach. Im Wahlkampf wird in den Zeitungen öfters von Gerüchten geschrieben, welche die Weinfelder bewegten. Aus der Zeitung geht hervor, dass Diethelm beim Neubau des Gebiets Sattelbogen einige Bauherren verärgerte. Doch schliesslich konnte Diethelm die Weinfelder Stimmbürger überzeugen und lebte sich im Dorf schnell ein.

Massgeblich beteiligt war Diethelm an der sogenannten kleinen Umfahrung Deucher-Dufourstrasse, die 1977 eingeweiht wurde. Auch die Revision der Ortsplanung 1982 und das Parkplatzproblem in Weinfelden trieben den Gemeindeammann um. Zudem hat er gegen Ende seiner zweiten Legislatur die Renovation des Rathauses aufgleisen können. Am 1. November 1980 durfte Diethelm das Hallenbad eröffnen.

Karriereende im Stillen

Über das Ende seiner politischen Karriere ist weder von Weggefährten noch aus der Zeitung viel zu erfahren. Am 23. Juni 1982 lässt die FDP verlauten, dass Diethelm aus persönlichen Gründen auf eine Wiederwahl verzichte. In einem Geschäftsbericht der Gemeinde heisst es, man sei dem ausdrücklichen Wunsch Diethelms nachgekommen und habe auch auf der Gemeindeverwaltung keine Dankesreden gehalten und auf sein Schaffen für das Dorf zurückgeblickt.

Nach seiner Zeit als Weinfelder Gemeindeammann widmete er sich dem Liegenschaftenhandel. Mit Alfred Diethelm verliert die Region Weinfelden einen Mann, der sich als Gemeindeammann gleich für zwei Gemeinden stark gemacht hat und die Thurgauer Politik als Kantonsrat mitprägte.