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Ein neuer Konkurrent für die Arboner Pflegeheime

Im Saurer WerkZwei entsteht eine Überbauung mit Alterswohnungen und Pflegezimmern. Die bestehenden Pflegeheime fühlen sich bedroht.
David Grob
Der Rohbau der Casa Giesserei auf dem Saurer-Areal. (Bilder: Reto Martin)

Der Rohbau der Casa Giesserei auf dem Saurer-Areal. (Bilder: Reto Martin)

Das Saurer WerkZwei nimmt langsam konkrete Züge an. Das Kulturzentrum Presswerk, der Hamel-Markt und die Musikschule: Sie alle füllen das Areal mit Leben. Ab dem Sommer sollen ausserdem 59 altersgerechte Wohnungen und 30 weitere Pflegezimmer bezugsbereit sein. Casa Giesserei heisst die Überbauung der Firma Sensato, die schweizweit Alterswohnungen anbietet. Rund 47 Millionen kostet die Überbauung, deren Bauzeit zwei Jahre dauerte. Am Samstag können Interessierte eine Musterwohnung sowie ein Pflegezimmer besichtigen.

Die Betreiber der Casa Giesserei möchten mehr als reinen Wohnraum anbieten. Guido Reber, CEO der Sensato, sagt:

«Es wird eher ein hotelartiger Betrieb und weniger ein spitalähnliches Altersheim.»

Ein Eingangsbereich mit Rezeption, ein öffentliches Restaurant mit Weindegustation und einem Fumoir, ein Musikzimmer und ein Wellness- bereich mit Sauna, Whirlpool sowie Fitnessraum unterstreichen diese Ambitionen. Ausserdem bieten die Betreiber Dienstleistungen wie ein Coiffeur, eine Podologie und eine Wäscherei. Die gesamte Anlage ist zudem komplett rollstuhlgängig. «Es gibt keine Schwellen», sagt er.

Im Innenhof können die Pensionierten dereinst entspannen.

Im Innenhof können die Pensionierten dereinst entspannen.

Gibt es ein Überangebot?

Doch was bedeuten die neuen Alterswohnungen und die Pflegeabteilung für die bisherigen Alters- und Pflegeheime in Arbon? Volker Vatter, Geschäftsleiter der Stiftung Seevida, sagt:

«Natürlich ist ein weiterer Anbieter auch eine neue Konkurrenz. Es wird eine Herausforderung.»

Marlene Schadegg, Geschäftsleiterin des regionalen Pflegezentrums Sonnhalden, befürchtet ebenfalls zu viel leere Betten als mögliche Auswirkung der neuen Situation: «Die erforderlichen Auslastungszahlen werden voraussichtlich kurzfristig sinken.» Dies könne Preiserhöhungen zur Folge haben. «Dies bedeutet für uns, dass wir weiterhin Serviceleistungen von hoher Qualität anbieten wollen», sagt Schadegg.

Josua Theiler, Geschäftsleiter ad interim vom Alters- und Pflegeheim National, möchte sich von der neuen Konkurrenz abheben. Theiler sagt: «Wir bieten ein kleines und familiäres Umfeld an, in dem die Persönlichkeit jedes Einzelnen einbezogen wird.» Doch auch er befürchtet in der nächsten Zeit ein Überangebot im Raum Arbon.

Sensato-CEO Guido Reber in einer der 2,5-Zimmer-Wohnungen, die am Samstag besichtigt werden können.

Sensato-CEO Guido Reber in einer der 2,5-Zimmer-Wohnungen, die am Samstag besichtigt werden können.

Der Kanton erteilt die Bauzusage

Noch 2014 reagierte der Kanton mit einer Obergrenze auf ein sich abzeichnendes Überangebot im Thurgau. Susanna Schuppisser, stellvertretende Chefin im Amt für Gesundheit, sagt:

«Das Moratorium gilt nicht mehr.»

Seit 2016 sei die neue Pflegeheimplanung in Kraft, welche den Bedarf an Plätzen bis 2030 prognostiziert. Der Bedarf in Arbon sei bis 2025 gedeckt, sagt Schuppisser.

Aber: «Die Planung beinhaltet eine Klausel, die den Bau innovativer Projekte ermöglicht.» Demnach könne der Regierungsrat «für zukunftsweisende Wohnformen mit Pflegeheimcharakter bereits ab 2017 die prognostizierten Planwerte von 2030» anwenden. Dies treffe auf die Casa Giesserei zu, sagt Schuppisser. Aus diesem Grund sei die Empfehlung zur Aufnahme in die Pflegeheimliste gemacht worden. «Die endgültige Bewilligung wird erst nach der Bauabnahme erteilt werden», sagt sie.

Momentan noch eine Baustelle: eines der 30 Pflegezimmer.

Momentan noch eine Baustelle: eines der 30 Pflegezimmer.

Guido Reber relativiert die Bedenken der Vertreter der bestehenden Pflegeheime. «Die Prognose des Kantons, dass der Bedarf an Pflegeplätze bis 2025 in Arbon gedeckt ist, stimmt sicher flächendeckend.» Aber ein Zentrum wie Arbon habe immer auch eine Sogwirkung und deshalb einen höheren Bedarf an Pflegezimmern. «Und altersgerechte Wohnungen dieser Art gibt es in der Region nicht.»

Kampf ums Personal

Doch Volker Vatter von der Stiftung Seevida befürchtet noch weitere Konsequenzen als zu viele leere Betten: «Die neue Konkurrenz kann natürlich auch einen Personalmangel bewirken.» Ohnehin gebe es zu wenig gut ausgebildetes Personal. «Wir müssen uns deshalb als guter Arbeitgeber positionieren.» Reber von der Casa Giesserei teilt Vatters Bedenken:

«Man kämpft um das Personal.»

Die Casa Giesserei geniesse hier sicher den Vorteil eines neuen Betriebs mit guter Infrastruktur. Rund 40 Mitarbeiter möchte Reber ab dem Sommer beschäftigen.

Diesen Samstag können Interessierte von 10 bis 16 Uhr an der Giessereistrasse 12 eine Musterwohnung und ein Pflegezimmer besichtigen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Weitere Infos unter www.casa-giesserei.ch.

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