Das Gemeindehaus von Egnach erstrahlt im alten Glanz: «Es wertet den Ortskern massiv auf»

Durch die Sanierung sei das fast 100 Jahre alte Gebäude ein Bijou geworden, sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler.

Markus Schoch
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Weiss statt rosa: Die Verwaltung in Egnach ist zurück im sanierten Gemeindehaus.

Weiss statt rosa: Die Verwaltung in Egnach ist zurück im sanierten Gemeindehaus.

Bild: Donato Caspari

Eineinhalb Jahre waren Schulzimmer ihr Büro. Die Angestellten der Gemeindeverwaltung arbeiteten zuletzt in den Räumlichkeiten des leer stehenden Sekundarschulhauses auf dem Gristenbühl. Seit letzter Woche sitzen sie wieder im Gemeindehaus, das umfassend saniert worden ist. «Der Umzug hat tipptopp geklappt», sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler. «Es ist angenehm, wieder hier zu sein.»

Für die Renovation des 1921 erbauten Gebäudes hatten die Stimmbürger Ende 2017 einen Kredit von 2,88 Millionen Franken gesprochen. Es gab viel zu tun: Ziegel fielen vom Dach, die Isolation war schlecht, die Fenster schlossen nicht mehr richtig, die Wohnung im Dachgeschoss stand leer, die Wände hatten Ohren und der Lift wäre nicht mehr lange gelaufen.

Sind zufrieden: Gemeindeschreiberin Eveline Mezger und Gemeindepräsident Stephan Tobler.

Sind zufrieden: Gemeindeschreiberin Eveline Mezger und Gemeindepräsident Stephan Tobler.

Bild: Donato Caspari

Es gab die eine oder andere Überraschung

Zudem stellte sich während der Arbeiten heraus, dass statisch nachgebessert werden muss. Beim letzten Umbau vor über 30 Jahren waren Balken entfernt worden, die aus Sicherheitsgründen jetzt wieder eingezogen wurden, sagt Tobler. Auch die Renovation des Daches sei aufwendiger als geplant gewesen. Zudem hätten sie dem Denkmalschutz mehr Beachtung schenken müssen als erwartet. Tobler sagt:

«Aber wir können nicht privaten Bauherren Auflagen machen und uns dann aus finanziellen Überlegungen drücken, wenn wir selber betroffen sind.»

Alles andere hätte die Gemeinde unglaubwürdig gemacht.

Die Investition habe sich auf jeden Fall gelohnt, sagt Tobler. «Das Gemeindehaus hat durch die Sanierung ungemein gewonnen und wertet den Ortskern von Neukirch massiv auf.»

Die Arbeitsplätze sind modern und hell.

Die Arbeitsplätze sind modern und hell.

Bild: Donato Caspari

Farblich präsentiert es sich wie bei der Eröffnung vor bald 100 Jahren: Die Aussenfassade ist weiss statt rosa, und die Fensterläden sind dunkelbraun. An den Gauben hat es auf Wunsch der Denkmalpflege wieder helle Holzschindeln, die aber schnell nachdunkeln werden.

Die Gauben sind wie früher mit Holzschindeln eingekleidet.

Die Gauben sind wie früher mit Holzschindeln eingekleidet.

Bild: Donato Caspari

Über die genauen Kosten könne er noch nichts sagen, so Tobler. «Wir liegen aber sicher im Bereich der SIA-Norm, die Abweichungen von 10 Prozent gegenüber dem Voranschlag zulässt.»

Sek-Trakt aus den 1960er Jahren wird abgebrochen

Wegen der Coronakrise mit dem Umzug zu warten, sei nie zur Diskussion gestanden. Das Schulhaus sei zwar gross, trotzdem seien sich die Mitarbeiter eher näher gewesen als jetzt im Gemeindehaus. «Die Abläufe hier sind viel praktischer.» Und mehr Angestellte hätten ein Einzelbüro.

Während eineinhalb Jahren war die Gemeindeverwaltung im alten Sekschulhaus auf dem Gristenbühl  untergebracht. Jetzt wird es abgebrochen.

Während eineinhalb Jahren war die Gemeindeverwaltung im alten Sekschulhaus auf dem Gristenbühl  untergebracht. Jetzt wird es abgebrochen.

Bild: Reto Martin

Das Schulareal auf dem Gristenbühl gehört seit 2016 der Gemeinde. Sie übernahm damals die Anlage für 2,5 Millionen Franken von der Volksschulgemeinde, als die Schulbürger Ja zum Neubau der Sek auf dem Rietzelgareal sagten. Die Gemeinde will den jetzt leer stehenden Trakt aus den 1960er Jahren abreissen. Im Budget ist dafür ein Betrag von 162000 Franken eingestellt. «Wir werden das entsprechende Baugesuch in den nächsten Wochen öffentlich auflegen», sagt Tobler.

Ein Verkauf steht aktuell nicht zur Diskussion

Was mit dem grossen Landstück passiert, ist offen. Ein Verkauf steht aktuell nicht zur Diskussion, nachdem die Stimmbürger vor drei Jahren mit 78 Prozent der Stimmen Nein dazu gesagt hatten.

Der Gemeinderat schlug damals vor, das Areal für 3,7 Millionen Franken an die Implenia zu veräussern, die dort an bester Lage den Bau von Wohnungen plante. 3500 Quadratmeter befinden sich in der Freihaltezone, 6500 Quadratmeter in der zweigeschossigen Wohnzone. Das alte, denkmalgeschützte Schulhaus bleibt selbstverständlich stehen. Es ist fast gänzlich vermietet.

GRISTENBÜHL: Gemeinderat zückt jetzt Plan B

Das alte Schulhaus im Gristenbühl oberhalb des Neukircher Dorfkerns und das Umland verbleiben im Eigentum der Politischen Gemeinde. Die Egnacher wollen nicht, dass das Land verkauft und verdichtet überbaut wird.
Max Eichenberger

Gristenbühl ist Egnachern heilig

Die Implenia wird ihre Pläne für die Überbauung beidseits des alten Sekundarschulhauses anpassen müssen. Der Bevölkerung ist das Projekt entschieden zu gross und zu wuchtig. Doch eine Redimensionierung ist unter Umständen gar nicht so einfach und möglicherweise heikel.
Markus Schoch