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Ein Mannenbacher kämpft gegen das Vergessen

Seine erste Kamera kaufte er mit dem Stiftenlohn. Seither ist Fotografieren und Filmen die Leidenschaft von Werner Stalder. Nun hat er einen alten Beitrag über die Seegfrörni digitalisiert.
Margrith Pfister-Kübler
Werner Stalder begutachtet an seinem PC eine alte Aufnahme. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Werner Stalder begutachtet an seinem PC eine alte Aufnahme. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

So könnte auch ein Archivar mit einem ausufernd grossem Foto- und Filmarchiv wohnen, wie der 1946 geborene Werner Stalder, in seinem Häuschen in Mannenbach. Es ist sein Elternhaus. Vorsichtig tastet man sich die lange Treppe hinauf zur Haustür, vorbei an Seilbahnen mit Futterhäuschen für die Vögel. «So kann ich sie gut beobachten und fotografieren», freut sich der Junggeselle. Oder wie Wirtin Heidi Lutz vom« Löwen» in Mannenbach sagt: «En Altledige».

In den kleinen Räumen ist alles akkurat geordnet. Zwei Computeranlagen bilden das Zentrum in einem Zimmer, wo die Fenster abgedunkelt werden können. Auch die Bildschirme sind geschützt durch Metallplatten gegen Lichteinwirkungen. «Sonst werden die Farben verfälscht», begründet der technisch äusserst versierte Senior.

Er macht den Film öffentlich

«Endlich habe ich es geschafft, den Seegfrörni Film 1963 von Willi Hugentobler als Digitalfilm fertig zu stellen und den Einwohnern von Mannenbach-Salenstein zu zeigen», sagt Stalder stolz. Im Lokal Blüeteziit bei Susanne Nater an der Hauptstrasse 15 wird der Film am Freitag, 18. Januar, um 20 Uhr gezeigt. Ab 19 Uhr gebe es heissen Fleischkäse mit Kartoffelsalat (Reservation unter 071 660 00 86). «Wir müssen noch ein weiteres Datum festlegen, so gross ist das Interesse», freut er sich.

Der Mannenbacher bewahrt Originale und blickt gern in die Vergangenheit, ohne das «Jetzt» filmend und fotografierend zu verpassen. Sein Archiv ist riesig. Werner Stalder ist das fotografisches Gedächtnis der Region. Da fehlt nichts. Auch alles, was vom 1833 abgebrannten Schloss Sandegg, der Ruine Sandegg verblieb, ist fotografisch dokumentiert. «Dafür interessiert sich jetzt das Amt für Archäologie. Die wollen dort Grabungen machen. Ich habe jetzt alles auf dem PC», erzählt er.

Mutters Küche wurde zur Dunkelkammer

«Es ist besser in eine Kamera zu investieren, als in...», meint Werner Stalder, den Schluss offen lassend. Grenzwächter Ernst Kropf hat ihm 1962 die erste Kamera besorgt. Stalder hat dafür seinen Stiftenlohn zusammen gespart. «Eine IHG Dresden, die war günstig und konnte am meisten.» Mit diesem Apparat konnte man dank zwei Spulen Film sparen. In Mutters Küche habe er nachts die Fenster zugeklebt fürs Entwickeln. Irgendwann hat er sich eine Pentax geleistet mit Autofocus, später eine Nikon. Damals habe er auch für die Thurgauer Zeitung und den Wolfsberg fotografiert. Vereinsleben und Dorfgeschehen, alles ist bildlich in seinen Archiven zu finden, Berühmtheiten und Menschen aus der Region von Kindern bis zu den Senioren, Bauten, Häuserabriss bis zu Bahngeleisen und Strassenbau.

«Vieles konnte ich noch retten und digital sichern»,

erklärt Werner Stalder. An viele Dokumente und Bilder ist er durch Zufall gekommen. So hat er ein 100 Jahre altes Protokollbuch der Standschützen digitalisiert. Oder die Geburt einer Blattlaus. Seine Bildschätze erzählen unendlich viele Geschichten, weil sich Werner Stalder ein Leben lang - neben dem Beruf als Bauschreiner - dafür einsetzte, dass nichts in Vergessenheit gerät. «Jo, do häts viel War ume», sagt er. Weiterbildungen beim Fotoclub Konstanz, später in Weinfelden, waren ihm wichtig. Das Geheimnis von Werner Stalder ist, dass er sich still und unauffällig dafür einsetzt, die bildlich festgehaltenen Werte der Heimat zu sichern - eine schöne Mission.

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