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Ein Lehrer, der nie aus Kreuzlingen
weg wollte

Nach 39 Jahren im Schuldienst hat Paul Nay das Pensionsalter erreicht. Mindestens 1000 Schüler hat er unterrichtet. Sein Rezept: Den gegenseitigen Respekt pflegen, ohne zu kumpelhaft zu sein.
Martina Eggenberger Lenz
Paul Nay war fast 40 Jahre Seklehrer in Kreuzlingen und geht jetzt in Pension. (Bild: Andrea Stalder)

Paul Nay war fast 40 Jahre Seklehrer in Kreuzlingen und geht jetzt in Pension. (Bild: Andrea Stalder)

Im Schulzimmer von Paul Nay im zweiten Obergeschoss des Sekundarschulzentrums Egelsee in Kreuzlingen stehen Zügelkisten parat. Auch sonst wirkt der Raum schon etwas leer. Das hat aber alles nichts mit der bevorstehenden Pensionierung des Lehrers zu tun. «Wir müssen räumen, weil eine Renovation ansteht», erklärt Nay. Und ja, das Entsorgen mache ihm Spass, bekennt er. Offensichtlich hat er keine Mühe damit, sich von Unterrichtshilfen und Material, das sich über die Jahre angehäuft hat, zu trennen. Noch ein paar Tage in der Schulstube, dann beginnt für «Herr Nay» ein neuer Lebensabschnitt.

Vom Ingenieurstudium zum Lehrer gewechselt

Als er 1979 in Kreuzlingen eine auf zwei Jahre befristete Stelle als Seklehrer annahm, hätte er nicht geglaubt, dass er so lange bleibt. «Jetzt sind daraus halt unvorstellbare 39 Jahre geworden.» Was ihn so lange in diesem Beruf und in dieser Stadt gehalten hat, kann Paul Nay selbst nicht wirklich sagen. Es habe gepasst, es sei immer interessant gewesen. «Ich wollte nie weg. Aber vielleicht bin ich auch einfach nicht so der Risiko-Typ.»

Dabei wollte der gebürtige Frauenfelder eigentlich gar nicht Lehrer werden. Nach der Kanti ging der Lehrersohn an die ETH, um Vermessungsingenieur zu studieren. Zwischendurch machte er Militär. Dann kam die Anfrage aus dem Bekanntenkreis, ob er nicht in einer Schule als Lehrer einspringen könne. Es sei ein dringender Notfall. Paul Nay sagte zu – und kam auf den Geschmack. Er machte ein paar Vikariate und entschied sich, beim Studium auf den Seklehrer umzuschwenken. «Mein Plan war dann, mich nicht gleich irgendwo niederzulassen, sondern erst einmal einige Skilager zu leiten und mit Vikariaten Erfahrung zu sammeln.» Dann kam ihm Kreuzlingen in die Quere.

Die Junioren des FC Kreuzlingen profitieren

Die Stelle im «Pestalozzi» hat Nay auch darum so gut gefallen, weil er viele Sportlektionen halten konnte. Für den Junglehrer und begeisterten Fussballer war das ein Glücksfall. «Ich habe mal kurz mit dem Gedanken gespielt, noch Sportlehrer zu studieren. Doch ich habe dann gedacht: mit dem Alter wird das schwierig.»

Auch wenn Paul Nay mittlerweile das Pensionsalter erreicht hat: alt wirkt er nicht und alt fühlt er sich auch nicht. «Die Kinder halten einen einfach jung.» Nicht nur in der Schule war er ständig unter Jugendlichen. Er hat selbst drei Buben im Teenager-Alter zu Hause und den grössten Teil der Freizeit widmet er den Junioren des FC Kreuzlingen. «Ich freue mich, wenn ich mich beim Fussball nun noch mehr einbringen kann, als Trainer der B-Junioren», sagt der Bottighofer.

Wenn Paul Nay über die Jugendlichen spricht, kommt ihm kein schlechtes Wort über die Lippen. «Eigentlich sind sie grundanständig.» Er habe in den letzten Jahren beobachtet, dass sich «das blöd tun» mehr auf die Mittelstufe verlagert habe. Seine Schüler seien meist sehr leistungsbewusst gewesen. «Nun ja, ich habe als Lehrer halt auch immer Wert auf Anstand und eine anständige Sprache gelegt.»

Sein Tipp an junge Lehrkräfte: Nicht zu kumpelhaft sein

Wenn er jungen Kollegen einen Tipp geben müsste, dann würde Nay ihnen raten, unbedingt authentisch zu sein. Und man dürfe als Lehrer nicht zu kumpelhaft sein. Dafür sei der gegenseitige Respekt umso wichtiger. Der Seklehrer erzählt von Begegnungen mit ehemaligen Schülern. Er schätze diese Gespräche sehr. Rund 1000 Kinder haben irgendwann einmal bei Paul Nay Unterricht gehabt. Gerne hätte er noch weiter gemacht und seine derzeitige Klasse durchs zweite Jahr begleitet. Doch das Okay der Behörde blieb aus.

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