Kommt der Exploit, geht es für Beeler/Krattiger schneller nach Tokio

Die Saison des Thurgauer Beachvolleyballprofis Marco Krattiger ist ein Auf und Ab. Mit Partner Nico Beeler verpasst der Thurgauer die WM in Hamburg. Diese Punkte hätte das Duo näher an Olympia 2020 gebracht. Dafür vertritt es Anfang August in Moskau die Schweiz an der Europameisterschaft.

Matthias Hafen, Bern
Drucken
Teilen
Marco Krattiger macht immer wieder mit guten Resultaten auf sich aufmerksam. Noch fehlt ihm diese Saison der Exploit. (Bild: Franz Preschern)

Marco Krattiger macht immer wieder mit guten Resultaten auf sich aufmerksam. Noch fehlt ihm diese Saison der Exploit. (Bild: Franz Preschern)

Die Mega-Metropole Tokio ist für Marco Krattiger noch ein Schimmer am Horizont. Der 24-jährige Beachvolleyballprofi aus Amriswil weiss: Dort will er sein, wenn 2020 die Olympischen Sommerspiele ausgetragen werden. Doch ein gutes Jahr vor dem Grossanlass kommt und kommt Tokio einfach nicht näher.

Krattiger und sein Partner Nico Beeler erleben eine durchzogene Saison. «Sie ist nicht schlecht», sagt Krattiger. «Aber sie ist eben auch nicht gut.» Resultatmässig ist es ein Auf und Ab. Auf der World Tour, wo die Punkte für die Olympiaqualifikation geholt werden, kam das Duo in den höchsten beiden Turnierkategorien (4* und 5*) noch nicht über Platz 17 hinaus. Doch schaffte es immer wieder Achtungserfolge wie beim Sieg gegen den brasilianischen Weltklassespieler Ricardo in Katar. Und auf der nationalen Beachtour, die dem Schweizer Duo vor allem Selbstvertrauen, Preisgeld und den Goodwill der Sponsoren einbringt, resultierte zuletzt in Locarno der Turniersieg. «Wir nehmen diese Serie sehr ernst und konnten uns an den vergangenen sechs Turnieren immer gegen alle Schweizer Teams durchsetzen», sagt Krattiger.

«Beachvolleyball sieht einfacher aus, als es ist»

Potenzial ist bei Beeler/Krattiger vorhanden. Das bescheinigt den beiden auch Trainer Markus Egger. Der Schweizer Nationalcoach und Europameister von 2001 begleitet Beeler/Krattiger auf dem Weg nach Tokio und arbeitet täglich mit ihnen im idyllischen Beachcenter in Bern. Er ist für Nico Beeler und Marco Krattiger schon fast Personal Trainer, nimmt die Spieler immer wieder einzeln zu sich und bespricht mit ihnen Details. Das Timing ist für Egger essenziell, ebenso die Kommunikation im Sand. «Ihr müsst euch absprechen», sagt Egger. Und vor allem: «Ihr müsst in euren Spielzügen eine Absicht haben.» Man könnte die Anweisungen des Trainers als simpel betrachten. Doch Krattiger relativiert: «Beachvolleyball sieht einfacher aus als es ist.» Jeder Spielzug sei eine komplett neue Herausforderung. «Die Kunst ist es, an jeden Ball frisch und unverkrampft heranzugehen, sich aber dennoch ein paar Abläufe zu merken, die Erfolg versprechen.»

WM mit Exoten ist punktemässig lukrativ

Zur Saison von Beeler/Krattiger passt, dass die WM, die in einer Woche in Hamburg beginnt, ohne die beiden Ostschweizer stattfindet. Die Resultate reichten für die Teilnahme nicht aus, weil das Kontingent für europäische Spieler beschränkt ist. An der WM nehmen auch Beachvolleyball-Exoten teil. Deshalb wären Beeler/Krattiger zahlreiche Olympiaqualifikationspunkte alleine bei einer Teilnahme schon fast sicher gewesen. Es wäre ein zusätzlicher Boost gewesen für den eingeschlagenen Weg nach Tokio. So dauert die Reise nun etwas länger.

Selbstzweifel kommen bei Krattiger deswegen keine auf. «Ich sehe, dass ich noch reichlich Luft nach oben habe», sagt er. «Wenn ich diesen Eindruck nicht hätte, würde ich aufhören.» Er sei aber überzeugt, «dass wir früher oder später unser Topresultat noch erreichen». Diese Zuversicht teilt auch Spielpartner Beeler. «Wir sehen im Training, dass es Kleinigkeiten sind, die sich gross auf unser Spiel auswirken», sagt der 26-jährige Joner. «Wenn wir diese in den Griff kriegen, geht es mit uns steil aufwärts.»

Am Heimturnier in Gstaad im Hauptfeld

Die Chancen für Beeler/Krattiger bleiben intakt, sich übers Ranking für Olympia 2020 zu qualifizieren. Um wichtige Punkte spielen sie etwa wieder am Fünfsterne-Turnier in Gstaad (9. bis 14. Juli), wo sie im Hauptfeld starten. Oder an der EM in Moskau (5. bis 11. August), für die sie sich qualifiziert haben. Aktuell nehmen sie an der Coop Beachtour in Olten teil – und erspielten sich am Donnerstag den 18. Sieg in Folge in dieser Wettkampfserie.

Aktuelle Nachrichten