Ein Kleinod für 4'305 Franken: Das Amriswiler Weiherhüsli

Ladina Trachsler erzählte im Ortsmuseum Amriswil von ihrer Kindheit im Weiherhüsli. Nun wohnt sie wieder dort.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Drucken
Teilen
Ladina Trachsler-Thurnheer (rechts) offeriert Museumsbesuchern einige der Weiherhüsli-Schöggeli.

Ladina Trachsler-Thurnheer (rechts) offeriert Museumsbesuchern einige der Weiherhüsli-Schöggeli.

(Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Es ist bald 100-jährig, das Amriswiler Weiherhüsli. Und für jedes Jahr seines Bestehens hatte es einen Besucher oder eine Besucherin an der Erzählstunde im Ortsmuseum. Sie alle wollten wissen, wie es ist, die Kindheit in diesem schmucken Haus am Ziegeleiweiher zu verbringen.

Gasterzählerin war Ladina Trachsler-Thurnheer, die einen grossen Teil ihrer Kindheit in diesem malerischen Kleinod verbracht hatte. Seit bald drei Jahren wohnt sie nun zusammen mit ihrem Mann Beat und dem achtmonatigen Sohn Leon wieder im Amriswiler Weiherhüsli.

Das «Weiherhüsli» auf einer Luftaufnahme.

Das «Weiherhüsli» auf einer Luftaufnahme.

(Bildquelle: www.weyerhuesli.ch)

Mit viel Engagement und Herzblut hat die 40-jährige Sozialarbeiterin fast zwei Jahre in verschiedenen Archiven über das Weiherhüsli recherchiert. «Mein Bezug zu diesem Haus beginnt schon sehr früh, nämlich bei meiner Grossmutter Lilly Fischer-Lengweiler. Sie kaufte das Weiherhüsli im Jahr 1962 und lebte mit ihrer Stiefschwester Emma während dreizehn Jahren dort», erzählte Ladina Trachsler. Danach seien ihre Eltern Lotti und Rolf Thurnheer ins Haus gezogen und hätten es später für einige Zeit vermietet.

Weiherhüsli im Jahr 1923 erbaut

Ladina Trachsler erzählte, dass das Weiherhüsli im Jahr 1923 durch das Ehepaar Lina und Hermann Gremminger-Straub erbaut worden sei. Gremmingers hätten das Land dem Hauptmann Christian Straub für 4305 Franken in bar abgekauft. Das Land sei damals noch eine Parzelle gewesen und habe 17 Aaren betragen. Die Strassenkommission Amriswil habe die Baubewilligung für eine Gebühr von zwölf Franken erteilt. «Die Fischenhölzlistrasse hat damals offenbar noch nicht so geheissen. Im Baugesuch steht nämlich – Bau eines Einfamilienhauses an der Strasse von Hölzli nach Rüti.» Das Haus habe offiziell den Namen Weiherhüsli bekommen, sagte Trachsler.

Hermann Gremminger sei Lehrer an der Primarschule Kirchstrasse gewesen. Ihm und seiner Frau wurde auch das Ehrenbürgerrecht von Amriswil verliehen. Hermann Gremminger war unter anderem Mitbegründer sowie Präsident des Thurgauer Heimatschutzes und auch Förderer der Thurgauer Trachtenvereinigung. Ausserdem war der 1961 verstorbene Gremminger Lokalhistoriker von Amriswil. Lina Gremminger habe das Weiherhüsli im Jahr 1962 verkauft und sei ins Alters- und Pflegeheim Egelmoos in Amriswil eingetreten, wo sie acht Jahre später verstarb. «Im Nachruf im Amriswiler Anzeiger steht geschrieben, dass sie die erste Bewohnerin des Altersheims gewesen sei», erzählte Ladina Trachsler.

Das «Weiherhüsli» - früher noch anders geschrieben - zierte eins Postkarten.

Das «Weiherhüsli» - früher noch anders geschrieben - zierte eins Postkarten.

(Bildquelle: www.weyerhuesli.ch)

Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, ist aber im lokalen und kantonalen Register aufgeführt. Inzwischen haben Ladina und Beat Trachsler das Weiherhüsli renovieren lassen und dabei auch selbst Hand angelegt. Die Möbel im Wohnzimmer seien noch dieselben wie einst, Wände sowie Decke immer noch aus demselben Holz.

Das Weiherhüsli sei früher eine touristische Attraktion gewesen. Verschiedene Postkarten waren im Handel erhältlich und es gab Schöggeli mit Einprägung des Häuschens – und alle Besucher kamen auch noch in Genuss dieser süssen Spezialität.

Hinweis
Weitere Informationen unter www.weyerhuesli.ch.