Ein Jahrhundert SABA-Figuren: Wie Blechpuppen von Amriswil aus die Welt eroberten

Das Ortsmuseum hat am Sonntag die Sonderausstellung mit zahlreichen SABA-Figuren eröffnet. Diese kehrten nach langer Zeit wieder an ihren Ursprungsort zurück.

Barbara Hettich
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Claudia Depuoz zeigt zwei Figuren der umfangreichen SABA-Sammlung, die nun im Amriswiler Ortsmuseum zu sehen ist.

Claudia Depuoz zeigt zwei Figuren der umfangreichen SABA-Sammlung, die nun im Amriswiler Ortsmuseum zu sehen ist.

Bild: Manuel Nagel

«Dies ist ein aussergewöhnlicher Teil der Amriswiler Industriegeschichte», sagte Eugen Fahrni, Präsident des Ortsmuseum Amriswil. In einer Sonderausstellung dürfen derzeit über 100 SABA-Figuren bewundert werden – historische Spielzeugfiguren, hergestellt in Amriswil und exportiert in die ganze Welt.

Die Ausstellung ermöglicht haben Claudia und Christian Depuoz, ein begnadetes Sammler-Ehepaar aus Zürich. Eine Ausstellung sei das eine, die Geschichten dahinter ebenso interessant, sagte Eugen Fahrni. Zur Erzählstunde hatte das Museum deshalb Claudia Depuoz eingeladen, ihr Mann Christian ist leider während der Vorbereitungen zur Ausstellung verstorben. Das Interesse an der Erzählstunde war gross, aus der ganzen Schweiz sind Verwandte, Bekannte und Sammler angereist. Aus Platzgründen fand die Erzählstunde deshalb in der evangelischen Kirche statt.

Charlie Chaplin war eine der beliebtesten SABA-Figuren. Besonders in Amerika waren diese populär.

Charlie Chaplin war eine der beliebtesten SABA-Figuren. Besonders in Amerika waren diese populär.

Bild: Manuel Nagel

Seit 1969 durch die halbe Welt gereist

Claudia Depuoz hatte denn auch einiges zu erzählen: Wie ihr Mann und sie seit ihrer Heirat 1969 durch die halbe Welt gereist sind und an Auktionen und in Brockenhäusern Spielzeug aus dem 19. Jahrhundert erstanden haben. Oder wie ihr Mann ihren Ehering verpfändet hatte, um die erste Ausstellungsvitrine zu finanzieren. Wie ihre Wohnung für die vielen Schätze immer enger wurde, und sie aus Platzgründen 1985 ihr erstes Museum in der Zürcher Altstadt eröffneten und im Jahr 2000 in grössere Räumlichkeiten nach Zürich-Hottingen zügelten. Auf die SABA-Figuren seien sie Ende der 70er-Jahre gestossen. «Mein Mann war fasziniert von der Kugelgelenkkonstruktion.»

Vermächtnis

Claudia und Christian Depuoz haben, nachdem die Pläne für ein Museum in Stein am Rhein gescheitert sind, ihre Sammlung mit über 4000 historischen Spielsachen an zwei Auktionen verkauft – mit Ausnahme der rund 320 SABA-Figuren. Im Oktober 2019 haben sie mit der Stadt Amriswil eine Vereinbarung unterschrieben. Sie werden in Form eines Vermächtnisses diverse Figuren an die Stadt Amriswil zuhanden des Ortsmuseums, übertragen. Dazu gehören auch ein Fotoverzeichnis und eine umfangreiche Dokumentation. «Wir werden mit diesem Vermächtnis sorgfältig umgehen», sagt Stadtpräsident Gabriel Macedo. (het)

«SABA» ist die Abkürzung von «Spielwarenfabrik August Bucherer Amriswil». August Bucherer war Mechaniker und Tüftler, arbeitete bei der Firma Märklin und in der Spielwarenfabrik Bruno Ulbricht. 1918 übersiedelte er mit seiner Familie von Deutschland nach Amriswil, wo er an der Kirchstrasse 28 mit seinem Sohn eine eigene Firma gründete und dort die patentierten, 15- bis 20-Zentimeter grossen Blechfiguren mit 13 Kugelgelenken herstellte. Kopf und Hände der Figuren waren aus Roggenmehl, Gipspulver und Holzstaub und wurden in selbstgefertigten Pressen produziert. Seine Frau Mathilde entwarf die Kleider dazu.

So entstanden zwischen 1919 und 1930 140 bis 160 verschiedene Figurentypen. Ein grosser Teil wurde nach Amerika exportiert, insbesondere Comic-Figuren wie Buster Keaton, Charlie Chaplin oder Pat und Patachon seien sehr begehrt gewesen. Aus finanziellen Gründen wurde der Betrieb 1930 nach Diepoldsau verlegt, und dort noch vorwiegend Buco-Modelleisenbahnen produziert.

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