Ein Haus für Auto, Bus und Velo: Kreuzlingen plant die eierlegende Wollmilchsau

Die Stadt möchte 15 Millionen Franken in ein Parkhaus am Hafenbahnhof investieren. 

Urs Brüschweiler
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Der Sieger des Projektwettbewerbs von 2017: «E-Type» des Bieler Büros Kistler Vogt Partner AG. Bild: PD

Der Sieger des Projektwettbewerbs von 2017: «E-Type» des Bieler Büros Kistler Vogt Partner AG. Bild: PD

(Bild: pd)

Das Wichtigste in Kürze: 

  • 14,9 Millionen Franken kostet das neue Parkhaus am Hafenbahnhof Kreuzlingen. Hinzu kommen 700'000 Franken für die Zu- und Wegfahrten
  • Der Gemeinderat entscheidet am 23. Januar, die Stimmbürger am 17. Mai. 2022 könnte es in Betrieb gehen. 
  • Der Neubau soll die Parksituation am Hafen mit den Einkaufstouristen entschärfen. Aber auch andere Probleme können gelöst werden.
  • Das Parkhaus soll auch als Bus-Einstellhalle dienen. Und auch Velo-Abstellplätze sind vorgesehen. 
  • Ab einer Auslastung von 35 Prozent wäre das Parkhaus für die Stadt finanziell selbsttragend.

«Die Situation am Hafen ist eigentlich untragbar», sagt Stadtrat Ernst Zülle. Die Parkplätze dort sind häufig voll und das Areal durch Einkaufstouristen verstopft. Abhilfe schaffen soll ein neues Parkhaus am Hafenbahnhof.

Quasi als eierlegende Wollmilchsau soll es dieses und noch einige andere Probleme lösen. Die Stadt Kreuzlingen will den Bau 2021 realisieren und ihn 2022 in Betrieb nehmen; die Zustimmung durch den Gemeinderat nächsten Donnerstag und die Stimmbürger am 17. Mai vorausgesetzt.

Auf der schmalen Parzelle zwischen Hafenstrasse und Geleisen, wo heute noch Schrebergärten stehen, soll das 165 Meter lange Gebäude entstehen. Zülle sagt: 

«Hier haben wir sicher kein Problem, die Überschreitung der maximalen Gebäudelänge zu begründen.»

Der Stadtrat findet den Standort ideal

Der Standort ist ideal, ist der Stadtrat überzeugt. «Direkt beim Hafenbahnhof, nah bei den Kursschiffen und nahe beim Sportplatz Burgerfeld und den Freizeitanlagen am See, in Gehdistanz zum Stadtzentrum», zählt Zülle auf.

«Wir bauen es nicht explizit für die Einkaufstouristen, aber natürlich ist man auch rasch im Lago oder mit dem Zug in Konstanz.»

Die Stadt denkt denn auch bereits laut darüber nach, die Parkplätze auf dem grossen Kiesplatz am Hafen künftig entsprechend zu reduzieren.

Nutzen sollen das Parkhaus auch die Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG), eine entsprechende Abmachung ist bereits getroffen. Dafür wurden dann in der Tiefgarage des noch zu bauenden Stadthauses auf dem Bärenplatz die dafür reservierten 80 Stellplätze für die Öffentlichkeit frei.

Vorantreiben will man das Parkhaus am Hafenbahnhof auch deshalb, weil es die Parkfläche auf dem Bärenplatz ersetzen soll, während der Bauphase des Stadthauses.

Postauto will sich auch einmieten

Das Projekt sieht 166 Stellplätze für Autos auf den oberen zwei Parkdecks vor. Im Erdgeschoss hingegen werden die Stadtbusse eingestellt, wenn sie nicht unterwegs sind. Heute sind sie nächtens in Tägerwilen eingemietet, was zu vielen Leerfahrten führt. In der stadteigenen Einstellhalle wird man auch die Postautos unterbringen, die heute noch an der Dammstrasse parkiert werden. Während des Tages, wenn die Busse auf Achse sind, nutzen die Mitarbeiter der PHTG die Fläche im Erdgeschoss, um ihre Fahrzeuge abzustellen.

Ansicht von den Geleisen.

Ansicht von den Geleisen. 

(Bild: pd)

Über die Zu- und Wegfahrt zum Parkhaus hat man sich viele Gedanken gemacht. Die Zufahrt für Pkws erfolgt über eine Einfahrt von der Hafenstrasse. Eine zusätzliche Einspurstrecke muss dort jedoch erstellt werden. Wegfahren sollen die Autos über die Promenadenstrasse. Unter der westlichen Rundrampe ist zusätzlich eine Velostation für 105 Fahrräder und E-Bikes vorgesehen. Ernst Zülle betont: 

«Das neue Parkhaus ist alles andere als eine Luxusvariante. Wir haben Kosten von rund zwei Millionen gestrichen.»

Aber der 12 Meter hohe Bau gliedere sich ausgezeichnet in die Umgebung ein. Vom Seeburgpark her überrage er die Bäume nicht und verstelle somit auch nicht die Sicht auf die Kirche St. Ulrich.

Das Parkhaus finanziert sich selbst

Finanziert sich selbst Das Projekt wird nicht aus Steuergeldern finanziert, sondern über die üppig geäufnete Spezialfinanzierung Parkplatzbewirtschaftung. Abschreibung und Verzinsung der Investition von 14,9 Millionen Franken, sowie Betrieb und Unterhalt kommen jährlich auf 882000 Franken zu stehen. Dank Mieteinnahmen von Stadtbus, Postauto, PHTG und Parkierkunden wird der Betrieb ab einer Auslastung von 35 Prozent selbsttragend. Über die Preispolitik und Lenkungsmassnahmen, etwa die Schliessung von Parkplätzen am See, könne der Stadtrat diese beeinflussen. Starten will man mit einer Gebühr von 2,50 Franken pro Stunde, angepasst an die Parkplätze am See. 

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Nicole D'Orazio