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Ein Hauch von Hollywood in Bischofszell

Fernsehleute aus Zürich machten Anfang Woche Filmaufnahmen in der Altstadt. Gedreht wurden historische Szenen für die Sendung «SRF bi de Lüt – Live», die am 25. August vom Hirschenplatz ausgestrahlt wird. Mitgespielt haben auch sieben Einwohner.
Manuel Nagel
Beni Bischof muss in der Nachmittagshitze mehrmals den Wagen mit den Pestleichen das Zitronengässchen hochziehen. (Bild: Manuel Nagel)

Beni Bischof muss in der Nachmittagshitze mehrmals den Wagen mit den Pestleichen das Zitronengässchen hochziehen. (Bild: Manuel Nagel)

Kein Lüftchen weht an diesem drückend heissen Montagnachmittag durch das Zitronengässchen in der Altstadt – dafür ein Hauch von Hollywood. «Uuuund bitte!» ruft Produzent Heikko Böhm, das Zeichen für alle Beteiligten, dass die Kamera läuft.

Beim Hirschenplatz stehen vier Autos des Schweizer Fernsehens. Ein kleiner Vorgeschmack, was am 25. August in der Rosenstadt los sein wird, wenn auf jenem Platz die Sendung «SRF bi de Lüt» ausgestrahlt wird. Für die beliebte Livesendung mit Nik Hartmann produziert das SRF im Vorfeld kleine historische Geschichten wie die der Bischofszeller Kindsmörderin Barbara Egli.

Viel Aufwand für die Szene, die nur kurz am Fernsehen zu sehen sein wird. (Bild: Manuel Nagel)

Viel Aufwand für die Szene, die nur kurz am Fernsehen zu sehen sein wird. (Bild: Manuel Nagel)

Doch die Kindsmörderin wird nicht gespielt von einer professionellen Schauspielerin, sondern von der Bischofszellerin Yvonne Gossweiler. Auch die anderen sieben Darsteller sind alles Laien, die von Beni Bischof, dem Zunftmeister der Bischofszeller Nachtwächter und Türmerzunft, organisiert worden sind. Die Stadt vermittelte den Kontakt zu den Nachtwächtern, «weil wir mit unseren Führungen durch die Altstadt all diese Orte kennen», sagt Beni Bischof. Und natürlich verfügen die Nachtwächter auch über das historische Wissen.

Schwerstarbeit in der Nachmittagshitze

Produzent Heikko Böhm bespricht sich mit Nachtwächter Sepp Rusch. (Bild: Manuel Nagel)

Produzent Heikko Böhm bespricht sich mit Nachtwächter Sepp Rusch. (Bild: Manuel Nagel)

So führt der Nachtwächter Sepp Rusch als roter Faden durch die historischen Rückblicke und erzählt beispielsweise, weshalb es in Bischofszell eine Strasse mit dem Namen «Verlore Loch» gibt. Nein, er stehe nicht das erste Mal vor einer Kamera, sagt Rusch. Das Schweizer Fernsehen sei schon früher mal da gewesen und das TVO habe bereits mehrfach über die Nachtwächter berichtet. Dennoch muss auch Rusch seine zwei bis drei Sätze mehrfach sprechen, bis alles zur Zufriedenheit von Produzent und Kameramann im Kasten ist.

Keinen Text haben die anderen Statisten. Stadtgärtner Reto Egger wurde von seinem Arbeitgeber angefragt. «Sie haben zwei junge Leute gebraucht», sagt er und brachte gleich Robin Wild mit, dessen Fussballtrainer Egger ist. Die beiden spielen Pestkranke. Zuerst noch lebendig und mit Rätschen durch die Altstadt ziehend, doch in der nächsten Szene werden sie durch die Altstadt gezogen. Egger und Wild spielen da zwei Pestleichen, die mit einem Wagen zusammengelesen worden sind und nun das Zitronengässchen hochgefahren werden.

Beni Bischof und Albert Glauser müssen in der Nachmittagshitze Schwerstarbeit verrichten. (Bild: Manuel Nagel)

Beni Bischof und Albert Glauser müssen in der Nachmittagshitze Schwerstarbeit verrichten. (Bild: Manuel Nagel)

Und wieder runter. Und wieder hoch. Und so weiter. Fünf Mal bestimmt, bis auch hier Kameramann René Schönenberger alle Einstellungen gefilmt hat. Während die beiden Toten bequem liegen – es wurde für sie eigens eine Matratze in den Wagen gelegt – müssen Beni Bischof und Albert Glauser von der Nachtwächterzunft Schwerstarbeit verrichten. Nach dem vierten Mal in der Hitze und den warmen Kleidern das Zitronengässchen hoch hängt Glauser die Zunge raus und Bischof meint zu ihm: «Jetz häsch es Bier verdient, Albert.»

Geduld ist gefragt, bis Mami im Fernsehen ist

Theaterschneiderin Maude Vuilleumier beträufelt Yvonne Gossweiler mit etwas Wasser (Bild: Manuel Nagel)

Theaterschneiderin Maude Vuilleumier beträufelt Yvonne Gossweiler mit etwas Wasser (Bild: Manuel Nagel)

Die letzte Szene dieses Drehtags spielt im Hinterhof, wo Veronika Bosshard wohnt. Mit Katharina Bruggmann spielt sie ebenfalls als Statistin mit. Während viele der Requisiten aus Bischofszell stammen und von den Nachtwächtern aufgetrieben wurden, seien sie vom SRF eingekleidet worden. Theaterschneiderin Maude Vuilleumier habe tolle Kostüme ausgesucht, finden die beiden Damen. Sie können sich nun zurücklehnen und die Szene mit der Kindsmörderin in aller Ruhe betrachten. Yvonne Gossweiler, die ihr Kind hier im Hinterhof ertränken will, wird von Vuilleumier noch mit etwas Wasser beträufelt, denn der Brunnen ist leer.

Zuschauer sind auch Gossweilers Mann Matthias mit den drei Kindern. «Unsere Jüngste hat gemeint, Mami käme bereits heute Abend im Fernsehen», sagt Matthias Gossweiler. Doch es folgt noch ein weiterer Drehtag für «höchstens fünf Minuten im Fernsehen», verrät Heikko Böhm. Gossweilers kleine Tochter muss sich aber noch einen ganzen Monat gedulden, bis sie ihre Mami für wenige Sekunden am Bildschirm bewundern kann.

Hinweis
«SRF bi de Lüt – Live» vom Hirschenplatz Bischofszell wird am 25. August auf SRF1 zu sehen sein.

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