Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Vier Amriswiler wohnen schon ein halbes Jahrhundert im selben Wohnblock

Ein Quartett wohnt seit 50 Jahren an der Sonnenhügelstrasse in Amriswil. Für das eine Paar wurde ein Traum wahr.
Manuel Nagel
Das Ehepaar Elsy (l.) und Fredy Bösch (r.) betrachten mit Milly Roth, Alice Torggler sowie den Vermietern Caroline und Peter Brühlmann (hinten) ein Modell des Mehrfamilienhauses an der Sonnenhügelstrasse 7 und 9, in dem sie seit über 50 Jahren wohnhaft sind. Anlässlich des 50-Jahr- Jubiläums assen sie zu Mittag im Restaurant Renner am Rennweg, dem einstigen Café von Peter Brühlmanns Vater Karl.Bild: Manuel Nagel

Das Ehepaar Elsy (l.) und Fredy Bösch (r.) betrachten mit Milly Roth, Alice Torggler sowie den Vermietern Caroline und Peter Brühlmann (hinten) ein Modell des Mehrfamilienhauses an der Sonnenhügelstrasse 7 und 9, in dem sie seit über 50 Jahren wohnhaft sind. Anlässlich des 50-Jahr- Jubiläums assen sie zu Mittag im Restaurant Renner am Rennweg, dem einstigen Café von Peter Brühlmanns Vater Karl.Bild: Manuel Nagel

«Torggler – der Name ist mir geblieben», sagt Peter Brühlmann. Als kleiner Knirps hat er vor einigen Jahrzehnten im Auftrag seines Vaters Karl Post für dessen Mieter an der Sonnenhügelstrasse eingeworfen. Und um den Briefkasten der Torgglers zu erreichen, musste er sich strecken. Der war ganz oben, wie auch die Wohnung der Familie.

Alice Torggler wohnt noch immer an der Sonnenhügelstrasse 7. Doch ihr Vermieter ist nicht mehr Karl Brühlmann, der in diesem April gestorben ist, sondern dessen Sohn Peter, der schon seit 20 Jahren die Liegenschaft betreut und noch immer hin und wieder einen Brief bei Alice Torggler einwirft. Er sagt:

«Das Namensschild ist immer noch dasselbe.»

Doch nun ist es für einmal Peter Brühlmann, der einen Brief von Alice Torggler bekommen hat. Vor genau 50 Jahren, Ende September 1969, seien sie als junge Familie von Basel nach Amriswil gezogen, schrieb Alice Torggler. Die Torgglers waren die ersten Bewohner in den beiden Mehrfamilienhäusern von Karl Brühlmann, die unmittelbar nördlich des Schwimmbades stehen. Nur der Hegibach trennt die Badi vom einen Wohnblock mit den Nummern 7 und 9.

Beim Einzug fehlte die Wohnungstür

«Die Bauarbeiten am Wohnblock waren noch nicht ganz beendet, jedoch die Räume bewohnbar», erzählt Alice Torggler in ihrem Brief. Damit meint sie unter anderem die noch fehlende Wohnungstüre, denn in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft bestand der Eingang zu ihrer Wohnung nur aus Brettern.

Nur ein paar Tage nach den Torgglers sind Elsy und Fredy Bösch in der anderen Hälfte des Mehrfamilienhauses eingezogen. Vorher wohnten die beiden an der Rütistrasse und gingen oft am Hegibach spazieren. «Wir hatten uns damals gesagt, ‹wenn da mal gebaut wird, dann ziehen wir dorthin› – und unser Traum ist wahr geworden», erzählt Fredy Bösch.

Das Ehepaar Brühlmann mit dem Ehepaar Bösch sowie Alice Torggler und Milly Roth auf deren Balkon im Haus Nummer 8. Hinten ist das Mehrfamailienhaus der Sonnenhügelstrasse 7/9. (Bild: Manuel Nagel)

Das Ehepaar Brühlmann mit dem Ehepaar Bösch sowie Alice Torggler und Milly Roth auf deren Balkon im Haus Nummer 8. Hinten ist das Mehrfamailienhaus der Sonnenhügelstrasse 7/9. (Bild: Manuel Nagel)

Ruhig sei es an der Sonnenhügelstrasse – schon immer gewesen, schwärmt Elsy Bösch. Für Alice Torggler hingegen war das damals ganz furchtbar, als sie vom belebten Basel hierher zog. Sie vermisste die Geräusche der Grossstadt und ihre Kinder wären am liebsten wieder zurück, wollten bei der Oma wohnen, verrät Alice Torggler.

Doch die Familie lebte sich gut ein, übernahm sogar für viele Jahre die Hauswartung.

«Sie war und ist immer noch die gute Seele des Hauses.»

sagt Peter Brühlmanns Frau Caroline und erzählt von einem Vorfall, der erst kürzlich stattgefunden hat. Wegen eines Wasserrohrbruchs konnte die eine Hälfte der Nummer 7 das Badezimmer nicht benutzen. Alice Torggler bot sofort Hand dazu, dass ihre Nachbarn bei ihr auf die Toilette gehen konnten. «Wir schauen hier gut zueinander», sagt sie – als wäre das eine Selbstverständlichkeit.

Vermieter will günstigen Wohnraum erhalten

Mieterwechsel gab es in all diesen Jahren vergleichsweise wenig, sagt Peter Brühlmann. Mit ein Grund sei sicher auch, dass sie zwar den Wohnblock in Schuss hielten, jedoch bewusst nicht vergoldeten. Die Miete für Alice Torgglers 4,5-Zimmer- Wohnung liegt bei 900 Franken, sodass sie sich diese auch allein im Alter noch leisten kann und nicht wegziehen musste.

Einige derer, die im Laufe der Jahre trotzdem auszogen, weil sie beispielsweise ein Haus bauen konnten, blieben dem Quartier dennoch verbunden. Sie hätten einen Sonnenhügel- Club, sagt Milly Roth, die gegenüber in der Nummer 8 wohnt, dem anderen Brühlmann-Block. Man treffe sich auch jetzt immer noch regelmässig zum Kaffee oder unternehme etwas zusammen – dabei eben auch solche, die nicht mehr hier wohnen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.